{"id":7453,"date":"2010-12-19T23:55:59","date_gmt":"2010-12-19T22:55:59","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=7453"},"modified":"2010-12-19T21:00:02","modified_gmt":"2010-12-19T20:00:02","slug":"durchschaubar","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/12\/19\/durchschaubar\/","title":{"rendered":"Durchschaubar"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wie ich an geeigneter Stelle des\u00f6fteren geschrieben habe, gibt es meist gar nicht so viel Stress Nachts im Taxi. Die meisten Betrunkenen sind supernette Typen, die einfach heim wollen, weil sie so oder so schon zu viel haben &#8211; oder sie sind aufgedreht und wollen endlich Party machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die, die auf \u00c4rger aus sind, sind eine kleine Randgruppe. Zudem sind sie meist in Gesellschaft unterwegs und werden von ihren Freunden oder Partnern zur\u00fcckgehalten. Da kommt es zwar auch manchmal zu Gockeleien von M\u00f6chtegern-Helden, die sich gegen\u00fcber ihren Leuten profilieren m\u00f6chten, aber tats\u00e4chlich muss man den meisten nicht einmal mit einem Rausschmiss drohen, damit sie sich wieder einkriegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nervig wird es, wenn sie wegen irgendetwas anderem v\u00f6llig geladen sind und dann versuchen, das im Taxi loszuwerden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So eine psychisch labile Kotzt\u00fcte hatte ich neulich in Gesellschaft im Auto.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgenommen habe ich eine recht lustige 5er-Truppe, die auf dem Weg von einer Party in den n\u00e4chsten Club war. Dementsprechend gut war die Stimmung. Mister Knallkopf ist gar nicht gesondert aufgefallen, er war zwar ein Redenschwinger, aber es waren handels\u00fcbliche Angebereien, wie man sie an jedem Tresen umsonst bekommt, wenn man nicht sehr erfolgversprechenden Ann\u00e4herungsversuchen ausgesetzt ist. Er brabbelte \u00fcber dies und das und au\u00dferdem war er der wichtigste Mann im Wagen, weil das n\u00e4chste Fahrtziel sein Bruder war, bei dem er noch Geld &#8211; unter anderem f\u00fcrs Taxi &#8211; abholen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ganzen komischen Spr\u00fcche hab ich selbst schon wieder vergessen. Interessant wurde es, als er ausgestiegen ist, um bei seinem Bruder zu klingeln. Die verbleibenden 4 Mitreisenden wunderten sich \u00fcber sein Benehmen und es zeichnete sich ab, dass sie ihn bis vor kurzem gar nicht kannten und dass sie ihn alle f\u00fcr etwas seltsam hielten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pl\u00e4ne, wo es nun hingehen sollte, wurden diskutiert, durcheinandergeworfen, \u00fcberdacht, und immerhin meldeten sich gleich zwei der anderen zum Thema, wer das Taxi bezahle. Die Fahrt hatte uns von Kreuzberg nach Neuk\u00f6lln gef\u00fchrt, wir waren inzwischen bei \u00fcber 10 \u20ac auf der Uhr, und so wie es aussah, sollte es danach zum Tacheles gehen: Oranienburger Str., Mitte. Eine sch\u00f6ne Tour so insgesamt, um die 30 \u20ac und immer noch in der Innenstadt, so lobe ich mir das als Fahrer \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kam Knallkopp zur\u00fcck und meckerte erst einmal \u00fcber den Preis auf der Uhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Leute standen Gewehr bei Fu\u00df und meinten, sie k\u00f6nnten das Taxi ja zahlen, kein Problem. Das Gespr\u00e4ch, wo es hingehen sollte, wurde etwas komplizierter, weil er auf einmal nicht mehr mit allem einverstanden war. Die Idee mit der Oranienburger Stra\u00dfe fand er allerdings super, und so haben wir uns dann auf den Weg gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Zwischenzeit begann er, irgendwelchen Quatsch zu labern, ich w\u00fcrde in die falsche Richtung fahren, und als ich ihm den wahrscheinlichen Endpreis nannte, war er geradezu beleidigt und p\u00f6belte auf wenig verletzende, aber dennoch enervierende Art herum. Die Mitfahrer entlockten ihm &#8211; der er pl\u00f6tzlich so ungehalten war &#8211; auch sein Geheimnis: Nat\u00fcrlich hatte er von seinem Bruder kein Geld bekommen, und das wurmte ihn sehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sache mit der angeblich falschen Strecke kl\u00e4rte sich auch auf, geh\u00f6rte er ausgerechnet zu jener ungl\u00fccklichen Gesellschaftsgruppe, die sich den Unterschied zwischen Oranienstra\u00dfe und Oranienburger Stra\u00dfe nicht merken k\u00f6nnen. Zum Tacheles\u00a0 &#8211; wo die anderen hinwollten &#8211; wollte er gerne, aber nat\u00fcrlich nicht nach Mitte, sondern in die Oranienburger Stra\u00dfe. Mit anderen Worten: Er war sauer auf seinen Bruder, hatte selbst nicht den Hauch einer Ahnung und Schuld an allem war ich. Dass er indes nicht einmal ein Problem hatte &#8211; weil die anderen die Taxifahrt \u00fcbernehmen wollten &#8211; war nat\u00fcrlich kein Grund, Ruhe zu geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, ich war nahe dran, ihn vor die T\u00fcre zu setzen. Das wiederrum wollte ich der sehr engagierten Frau auf dem Beifahrersitz nicht antun, die sich zwar sichtlich sch\u00e4mte f\u00fcr ihre Begleitung, allerdings auf r\u00fchrend einf\u00e4ltige Art und Weise versuchte, mich davon abzulenken, dass ich aus dem Fond hinaus beleidigt werde, indem sie mit mir versuchte, ein normales und nettes Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Je mehr Einblick ich durch die ein oder andere \u00c4u\u00dferung in die Gruppendynamik bekam, umso kom\u00f6diantischer und witziger kam mir das Ganze vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz hinten in der dritten Sitzreihe sa\u00df ein sehr ruhiger Zeitgenosse, der sich seit Fahrtbeginn zu keiner Wortmeldung hinreissen lie\u00df. In der Mitte giftete Mister Knallkopp irgendwas davon, dass er jetzt nicht 20 \u20ac f\u00fcr&#8217;n Appel und &#8217;n Ein hinbl\u00e4ttern w\u00fcrde, wobei er nicht nur den Fahrpreis unter- und seine Finanzen \u00fcbersch\u00e4tzte, sondern zudem ein Sprichwort falsch\u00a0 benutzte und die beiden Leute neben ihm ignorierte, die auf ihn einredeten, dass sie das Taxi doch zahlen. Vorne sa\u00df ich, fuhr mal Richtung Mitte, mal Richtung Kreuzberg und neben mir sa\u00df eine ungeschickte Psychologin, die mich fragte, warum ich eigentlich ausgerechnet in Marzahn wohne und mir beschwichtigend die Schulter streichelte. Vielleicht ja der Grund, weswegen ihr Freund ganz hinten so ruhig war&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geendet hat es damit, dass ich sie zwischen allen jemals genannten Fahrtzielen an der Tanke in der Mariannenstra\u00dfe abgesetzt habe, wo ich als &#8222;ordentliches Trinkgeld&#8220; etwa 3% des Fahrpreises bekam, der sich inzwischen \u00fcber die besagten 20 \u20ac hinaus erstreckte, ohne dass die Gruppe jetzt einer Party n\u00e4her gewesen w\u00e4re, geschweige denn noch gute Laune hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mal ernsthaft: Durchschaubar, warum er jetzt so schlecht drauf war, war es schon. Warum solche Deppen allerdings partywillige Gruppen sprengen m\u00fcssen, verschlie\u00dft sich mir. Ich bin mir sicher, die hatten alle einen beschisseneren Abend als ich&#8230; *<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/24e1852abb584f8cbc1697f47cfecfec\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ich an geeigneter Stelle des\u00f6fteren geschrieben habe, gibt es meist gar nicht so viel Stress Nachts im Taxi. Die meisten Betrunkenen sind supernette Typen, die einfach heim wollen, weil sie so oder so schon zu viel haben &#8211; oder sie sind aufgedreht und wollen endlich Party machen. 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