{"id":6855,"date":"2010-09-15T05:48:41","date_gmt":"2010-09-15T03:48:41","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=6855"},"modified":"2010-09-15T03:13:02","modified_gmt":"2010-09-15T01:13:02","slug":"is-schon-ok-wenn-du-n-weib-hast","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/09\/15\/is-schon-ok-wenn-du-n-weib-hast\/","title":{"rendered":"Is schon ok, wenn du &#8217;n Weib hast&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Also Fahrten zu Bordellen sind wirklich mit die seltsamsten im Taxigewerbe. Manchmal wissen zwar auch nicht gesch\u00e4ftlich Verbandelte zu \u00fcberraschen und so mancher Puffg\u00e4nger erweist sich als \u00fcberaus langweilig. Aber die Besonderheiten des k\u00e4uflichen Sex wirken nat\u00fcrlich fort bis ins Taxi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Kunden mangelt es grunds\u00e4tzlich eigentlich nie an Geld (was aber nat\u00fcrlich nicht heissen muss, dass sie es in der Taxifahrt gut angelegt sehen) und die meisten sind (oft bis zur Peinlichkeitsgrenze) mitteilungsbed\u00fcrftig. Die meisten missinterpretieren unsere T\u00e4tigkeit bisweilen als mobile Beichte oder vermuten sonst irgendein omin\u00f6ses Schweigegel\u00fcbde in unserer Zunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Sexualit\u00e4t auch Privatsache sein kann, ist f\u00fcr die meisten kaum verst\u00e4ndlich. Aber dar\u00fcber wollte ich mich gar nicht beschweren. Damit kann ich leben, und auch wenn ich selbstverst\u00e4ndlich Mensch bleibe, wenn ich hinter dem Steuer sitze, kann mich keiner damit schocken, dass er sich auf die Paarung vorbereitet (solange er das gedanklich tut, selbstverst\u00e4ndlich).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neulich hatte ich wieder so einen Spezialfall, bei dem ich mir sicher bin, dass ich eigentlich nicht beschreiben kann, was das wirklich Seltsame an seiner Art war. Die Begr\u00fc\u00dfung war jedenfalls filmreif:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Guten Abend! Wo soll es denn hingehen?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wo et hinjehn soll? Na in&#8217;n Puff! Jetz komms&#8216; du!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naheliegende Witze \u00fcber das Verb &#8222;kommen&#8220; hab ich vermieden und bin professionell mit ihm zusammen zur Probleml\u00f6sung \u00fcbergegangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin ja nach wie vor sicher nicht der Informierteste, was das Gewerbe angeht. Das hat keinen speziellen Grund, es ist wie mit allen Bereichen, bei denen es um n\u00e4here Kenntnis geht: Ich selbst sehe von den meisten Einrichtungen, in die meine Kunden so gebracht werden wollen, herzlich wenig. Alleine um all die Clubs mal von innen gesehen zu haben, m\u00fcsste ich etliche Hunderter an Eintrittsgeld ausgeben, ohne dass ich das wollte. Von den Strapazen, die n\u00f6tig w\u00e4ren, um Hotel\u00fcbernachtungen und die Reinlichkeit von Stra\u00dfenstrich-Prostituierten bewerten zu k\u00f6nnen, oder die Qualit\u00e4t der gesch\u00e4tzten 15.000 D\u00f6ner-St\u00e4nde in der Stadt, will ich mal gar nicht anfangen.<br \/>\nIch lese viel und lasse mir gerne von Kunden Dinge erz\u00e4hlen, beschreiben und bewerten. Einen Anspruch auf Aktualit\u00e4t und Richtigkeit kann das aber alles gar nicht haben. Mein Wissen wird zweifelsohne wachsen, da bin ich froh drum, aber mehr geht nicht, sorry.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kann ich auch nur immer wieder bez\u00fcglich Adressen so sagen: F\u00fcr den Kunden ist es nat\u00fcrlich das selbstverst\u00e4ndlichste, dass ich mich jetzt ausgerechnet in dem Bereich, den er gerade f\u00fcr wichtig erachtet, besser auskenne als er. F\u00fcr mich ist es eventuell doch nur der zehntausendste Berliner Hinterhof, den ich seltener anfahre als die 9.999 anderen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Kunde jedenfalls hatte jetzt nicht irgendeinen Puff in Aussicht, sondern er wollte, dass ich ihm was tolles zeige. Nummer 1 und 2 hat er gleich mal ausgeschlossen, und &#8222;in den Westen&#8220; wollte er gleich dreimal nicht. Also in der Umgebung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schade f\u00fcr mich, da die Clubs, die meines Wissens nach vermittelnde Taxifahrer gut entlohnen, alle im Westen angesiedelt sind, aber kein Weltuntergang. Immerhin kannte ich im Umkreis einige L\u00e4den sogar bez\u00fcglich der Preise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber mein Kunde suchte nun unbedingt nach einem Puff mit Barbetrieb, einer M\u00f6glichkeit zum Aussuchen der Damen quasi. Dann sollte es g\u00fcnstig sein &#8211; aber bitte nicht total billig! Die Damen sollten jung sein, h\u00fcbsch sowieso und das nat\u00fcrlich auch jetzt &#8211; am fr\u00fchen Mittwochabend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit anderen Worten: Ich hatte keine Ahnung, auf welchen der L\u00e4den auch nur ein Teil der Angaben zutraf. Aber er erkl\u00e4rte sich bereit, sich einfach zu ein paar Adressen mitnehmen zu lassen, die mir einfallen. Die Regelung zwischen uns war einfach: Ich warte eine Zigarettenl\u00e4nge, und wenn er wieder rauskommt, geht es weiter. Wenn nicht: Erfolgreich, Pflicht erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten beiden Etablissements erf\u00fcllten wohl nicht einmal den Barbetrieb, was mich zwei sehr unbefriedigende Zigaretten kostete, die ich nur angez\u00fcndet hinterlassen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dieser Zeit bot die Diskussion im Taxi als wesentlichen Inhalt meinen Job. Wie viel ich verdiene, ob ich nicht auch noch einen &#8222;richtigen Job&#8220; habe, etc. Teils nervig, aber ich bin es ja gew\u00f6hnt, und irgendwann spult man da auch nur noch sein Programm ab. Etwas genervt, aber mit L\u00e4cheln und gespieltem Enthusiasmus. Wahrscheinlich unterscheidet uns Taxifahrer in solchen Momenten wirklich nicht viel von Nutten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An jedem Stopp pflegte er ein besonderes Zahlungsritual:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wat macht dit jetze? N&#8216; F\u00fcnfer?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nee, leider nicht ganz: 8 \u20ac.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Na dann&#8217;n Zehner! Bitte!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber Trinkgeld konnte ich mich also schon mal nicht beschweren. War ja nicht nur ein Stopp. Das Taxameter hat ihn eigentlich gar nicht interessiert, was immerhin schon sehr angenehm und ungew\u00f6hnlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab das ganze trotz Taxameter-Stopp an den L\u00e4den als eine Fahrt verbucht. Ich will nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig mitf\u00fchlend sein, aber er hat sich meines Unwissens wegen auf eine Rundtour eingelassen. Da kann man im Rahmen der Bestimmungen auch mal kulant sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum dritten Etablissement bin ich dann tats\u00e4chlich noch \u00fcber den Fluss gefahren, was bei ihm scheinbar irgendeine Ost-West-Phobie ausgel\u00f6st hat. Die panische Angst, im Westen zu sein, war aber nur niedlicher Nebeneffekt. Der eine Laden hatte tats\u00e4chlich zu, und dann kam er zur\u00fcck mit den Worten:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Also die, mit der ick da jetze jesprochen hab &#8211; anjeblich die Putze &#8211; die hat mal sowas &#8217;ne erotische Stimme, da h\u00e4tt&#8216; ick ja fast jehofft, dat die mir schnell mal ein&#8216; bl\u00e4st&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verbale Inkontinenz und Paarungsdrang. Alles kein Problem. Kommt vor. Auf der Fahrt zum f\u00fcnften Laden kam dann die Frage:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wat is? Warste schonmal in&#8217;n Puff?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nee, ehrlich gesagt nicht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wieso nich?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ich bin ja nun schon eine ganze Weile mit meiner Freundin zusammen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Na und? Muss ja keener mitkriejen! Kiek mir an: Ick war verheiratet, hab 3 Kinder und jeh in&#8217;n Puff!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nee danke, ich sehe da ehrlich keinen Grund.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Janz ehrlich: Is schon ok, wenn du&#8217;n Weib hast. Ick hab dit ja och jahrelang so nich jemacht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na da bin ich aber mal beruhigt. Und Ozie erst! \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der f\u00fcnften Bude ist er dann tats\u00e4chlich nicht mehr rausgekommen. Ich nehme an, dass die Kombination aus den \u00dcberzeugungsk\u00fcnsten der Professionellen und der traumatischen Erfahrung mit der k\u00f6rperlosen Putzfrau da zusammengewirkt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also Fahrten zu Bordellen sind wirklich mit die seltsamsten im Taxigewerbe. Manchmal wissen zwar auch nicht gesch\u00e4ftlich Verbandelte zu \u00fcberraschen und so mancher Puffg\u00e4nger erweist sich als \u00fcberaus langweilig. Aber die Besonderheiten des k\u00e4uflichen Sex wirken nat\u00fcrlich fort bis ins Taxi. 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