{"id":6784,"date":"2010-09-02T06:00:11","date_gmt":"2010-09-02T04:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=6784"},"modified":"2010-09-02T09:06:53","modified_gmt":"2010-09-02T07:06:53","slug":"mal-druber-reden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/09\/02\/mal-druber-reden\/","title":{"rendered":"Mal dr\u00fcber reden&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Sagen sie, was halten sie eigentlich von Fahrradfahrern, die die Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberwege benutzen? Also an der Ampel? Und nicht absteigen?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wenn ich ehrlich sein soll, hab ich mir da bisher gar nicht so viele&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Naja, sie sind ja professioneller Taxifahrer, sie haben sicher mit ganz anderen Dingen zu tun. Mich \u00e4rgert das immer ma\u00dflos. Und ich rege mich da total schnell auf!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war nun wirklich ein ungew\u00f6hnlicher Gespr\u00e4chseinstieg f\u00fcr einen Fahrgast. Die Fahrtstrecke war noch dazu \u00fcberaus kurz. Eine dieser 6\u20ac-Touren vom Ostbahnhof in den Boxhagener Kiez, eine dieser Touren, weswegen ich die Halte sicher nicht als h\u00e4ufigen Anlaufpunkt nutze. Trotz des Einstiegs ist es \u00fcbrigens nicht in eine Schlammschlacht ausgeartet, und ich hab mit ihm ein kurzes und dennoch inhaltlich brauchbares Gespr\u00e4ch \u00fcber den Verkehr und die Umgangsformen untereinander gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich nerven diese Autofahrer-gegen-Fahrradfahrer-Geschichten nach wie vor ziemlich. Und das, obwohl ich mich auch weit \u00f6fter \u00fcber Fahrradfahrer \u00e4rgere als andere Vierr\u00e4dler. Das Auftauchen von Idioten in der pers\u00f6nlichen Umgebung l\u00e4sst sich leider nicht am fahrbaren Untersatz erkennen. Genauso wenig wie an der Nationalit\u00e4t oder den Klamotten. Auch ich denke mir zwar oft:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Na, das passt ja!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">aber gl\u00fccklicherweise kommt meist schnell genug ein anderer Idiot vorbei, der das Bild wieder gerade r\u00fcckt. Dank dieser Idioten haben Lobbyvereine wie ADAC und ADFC streitlustiges Publikum, und eine wahrscheinlich zweistellige Millionenanzahl von Menschen in Deutschland verbringt einen guten Teil seines Lebens damit, sich im Stra\u00dfenverkehr benachteiligt zu f\u00fchlen, dagegen anzugehen, und das auch noch f\u00fcr einen relevanten Part des eigenen Lebens zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So konnte ich dem Fahrgast auch nur sagen, dass es mich eigentlich nicht tangiert, wenn Radfahrer an Ampeln nicht absteigen, um die Fu\u00dfg\u00e4ngerampeln zu benutzen. Sofern das irgendwie im Einklang mit dem sie umgebenden Verkehr (also auch dem der Fu\u00dfg\u00e4nger) steht, bin ich da sicher kein Prinzipienreiter. Allerdings bietet es den Einstieg in die Debatte \u00fcber einen einzigen, wirklich sehr Radler-typischen Verhaltenspunkt, der auch mir pers\u00f6nlich bitter aufst\u00f6\u00dft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Rosinenpicken<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Radfahren ist in einer Stadt wie Berlin ja eine gro\u00dfartige Alternative im Verkehr. Man steht nicht so im Stau wie mit dem Auto, man ist dennoch zu 100% flexibel und nicht so langsam wie ein Fu\u00dfg\u00e4nger. Kein Wunder also, dass wir zum zugegeben ziemlich nervigen Autoverkehr auch wahnsinnig viele Radfahrer haben. Inzwischen beginnt ja selbst die grunds\u00e4tzlich viel zu lahme Verwaltung, das zu erkennen und sich auf Fahrradfahrer als eigenst\u00e4ndige Verkehrsteilnehmergruppe einzustellen. Es gibt immerhin an einigen Stellen schon ein recht gut ausgebautes Radwegenetz, es kommt immer mehr dazu &#8211; und inzwischen wird auch schon intensiv diskutiert, es zu verbessern. Ab n\u00e4chsten Winter muss die BSR auch Radwege r\u00e4umen und es wird allerorten eine Verlegung der Radwege auf die Stra\u00dfe diskutiert, da das wohl einige Unfallschwerpunkte entsch\u00e4rfen soll. Im \u00dcbrigen etwas, dem ich zustimmen kann. Wer gelegentlich von der Warschauer Str. in die M\u00fchlenstr. abbiegt, wird wissen, wie un\u00fcbersichtlich eine Kreuzung durch einen gesonderten Radweg werden kann, obwohl sie prinzipiell gut einsehbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem ist, dass manche Radler die Vorteile ihres Gef\u00e4hrts etwas \u00fcberbewerten und der Meinung sind, alles was geht, m\u00fcsse auch erlaubt sein. Je nachdem, ob es dem eigenen Vorankommen dienlich ist, verwenden einige n\u00e4mlich sowohl Rad-, als auch Fu\u00dfg\u00e4nger- und Auto-Verkehrsr\u00e4ume. Zum Teil ist das verst\u00e4ndlich, schlie\u00dflich werden sie tats\u00e4chlich von der StVO mal hierhin und mal dorthin abgeschoben, und so kommt wahrscheinlich das Verhalten zustande, dass den meisten Fahrradhassern im Auto bitter aufst\u00f6sst (obwohl sie es nicht benennen k\u00f6nnten): Diese Radfahrer sind unberechenbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu geh\u00f6rt das Rasen \u00fcber Fu\u00dfg\u00e4ngerampeln genauso wie etwas, das mich vor ein paar Tagen fast den letzten Rest Nervenkost\u00fcm gekostet h\u00e4tte: Das spontane Wechseln vom Radweg auf die Autospur ohne Notwendigkeit, Umsicht oder Gefahrenbewusstsein. Ich denke ja auch, dass man nicht bei jedem Quatsch pingelig sein sollte, aber bei Gef\u00e4hrdungen h\u00f6rt der Spa\u00df auf. Und bei aller Sympathie f\u00fcr die Einstellung, das Selbstt\u00f6tung auch zur freien Lebensgestaltung geh\u00f6rt, bin ich auch ein Freund davon, keine zuf\u00e4lligen Verkehrsteilnehmer in diesen manchmal f\u00fcr Au\u00dfenstehende etwas traumatischen und durchaus auch ekligen Plan miteinzubeziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verstehe die brachliegenden Nerven von Radlern, die auf Hauptverkehrsstra\u00dfen nur ganz knapp \u00fcberholt werden, und ebenso das Angepisstsein, wenn ein Auto auf einem Radweg parkt oder Fu\u00dfg\u00e4nger denselben als Flaniermeile missinterpretieren. Woraus sich f\u00fcr einige allerdings das Recht ergibt, betrunken mit einer Bierflasche in der Hand ohne sich umzusehen bei Rot \u00fcber die Ampel zu fahren und trotz parallel verlaufenden Radwegen den Autofahrern ihre Geschwindigkeit aufzuzwingen, das ist mir indes unverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab schon mal irgendwo erw\u00e4hnt, dass ich gerne auch Regeln hinterfrage und nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig obrigkeitsh\u00f6rig bin. Aber ausgerechnet in der wahrscheinlich meistdiskutierten Blattsammlung Deutschlands, der StVO, stehen tats\u00e4chlich ein paar Paragraphen, die den Sinn haben, den Schutz der einen Verkehrsteilnehmer vor den anderen zu regeln. In einem dicht bev\u00f6lkerten Gebiet wie der Berliner Innenstadt ist es eine Meisterleistung, es hinzubekommen, dass sich in die gleiche Richtung Menschen zu Fu\u00df mit 5 km\/h, welche auf dem Fahrrad mit 20 km\/h und Autofahrer mit 50 km\/h bewegen k\u00f6nnen. Dass auch irgendwer mal entschleunigen oder anhalten muss, um die Kreuzung und \u00dcberschneidung dieser Wege zu erm\u00f6glichen, das sollte doch jedem klar sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so etwas in der Art habe ich meinem Kunden auch erz\u00e4hlt. Mit dem dringenden Hinweis, dass ich nichts von pauschalen Vorverurteilungen halte, aber dass es nat\u00fcrlich kritisches Verhalten gibt, an dem ich vor allem diese st\u00e4ndige Egoisten-Perspektive und dieses &#8222;Ich will alles sofort und es ist mir doch egal, ob es die anderen st\u00f6rt&#8220; hasse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seinen Nerv habe ich damit offenbar getroffen, das Trinkgeld betrug gute 50% vom Fahrpreis. Und trotzdem ist es immer wieder ein nerviges Thema und tagein tagaus ein Kampf mit meiner rechten Hand, die hier und da ausholt, um auf die Hupe zu dr\u00fccken. Ich hab es bisher dennoch bei etwa 5 mal belassen in den letzten anderthalb Jahren. Ich hab ja auch nix davon, wenn ein erschreckter Radfahrer pl\u00f6tzlich umf\u00e4llt und meine Spur blockiert \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Sagen sie, was halten sie eigentlich von Fahrradfahrern, die die Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberwege benutzen? Also an der Ampel? Und nicht absteigen?&#8220; &#8222;Wenn ich ehrlich sein soll, hab ich mir da bisher gar nicht so viele&#8230;&#8220; &#8222;Naja, sie sind ja professioneller Taxifahrer, sie haben sicher mit ganz anderen Dingen zu tun. Mich \u00e4rgert das immer ma\u00dflos. 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