{"id":5559,"date":"2010-04-18T12:17:33","date_gmt":"2010-04-18T10:17:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=5559"},"modified":"2010-08-24T00:27:35","modified_gmt":"2010-08-23T22:27:35","slug":"trube-aussichten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/04\/18\/trube-aussichten\/","title":{"rendered":"Tr\u00fcbe Aussichten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ja, ich meine Tats\u00e4chlich die Wolke von Island. Obwohl ich es eine witzige Tatsache finde, dass z.B. die Radiosprecher beim rbb gar nicht versuchen, den Namen des Vulkans zu nennen, der uns diese Aschewolke beschert, reihe ich mich doch aus Gr\u00fcnden der Zeitersparnis gerne ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe nichts gegen Vulkane, im Gegenteil: Vollkommen im Rollenbild meines Geschlechts aufgehend hege ich tats\u00e4chlich eine morbide Form der Zuneigung zu allerlei Katastrophen, so lange sie nur sch\u00f6n aussehen. Ich weiss, die Wirtschaft liegt am Boden und endlos viele Menschen sitzen problematischerweise in vielen L\u00e4ndern fest! Deswegen sage ich das ja auch nur ganz leise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcrs Gesch\u00e4ft ist es \u00fcberraschend schei\u00dfe mit dieser bl\u00f6den Wolke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich kommt auch der allgemein miese Umsatz zum Tragen, aber die heutige Nachtschicht ging so \u00fcberhaupt nicht. Ohne es zu wollen, habe ich mich schon \u00f6fters beschwert \u00fcber miese Ums\u00e4tze, und ich will das auch gar nicht allzu sehr ausreizen. Schlie\u00dflich r\u00fchme ich mich damit, keiner von den Kollegen zu sein, die tagein tagaus nur dar\u00fcber jammern, dass sie zu wenig Geld haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber f\u00fcr heute Nacht m\u00f6chte ich eine der Ausnahmen machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F U C K ! ! !<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begonnen hat alles gut mit Winkern, und nach 30 Minuten Arbeit hatte ich 12 \u20ac zusammen. Guter Wochenendschnitt. In den folgenden 6 Stunden kam aber alles zusammen, was ich mir niemals h\u00e4tte ertr\u00e4umen k\u00f6nnen. Doof wie ich bin, habe ich mich tats\u00e4chlich eine Runde am Bahnhof angestellt, wo es auch eigentlich gar nicht so voll war wie gestern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne dass ich da in der Regel auch nur drauf achte &#8211; weil ich es ok finde &#8211; ist mir heute mal aufgefallen, dass mindestens 12 (Die Dunkelziffer ist wesentlich h\u00f6her, da ich nie alles \u00fcberblicken konnte, und zudem oft gelesen habe) Kollegen vor mir weggekommen sind, obwohl sie hinter mir standen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach ziemlich genau 2 Stunden steigt dann ein wirklich netter Fahrgast ein, der sich auch noch f\u00fcr seine Kurze Strecke entschuldigt. 5,60 \u20ac und 40 ct Trinkgeld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer halben Stunde im Kreis fahren hatte ich dann tats\u00e4chlich noch einen Winker: Kurzstrecke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach abermaligem Anstellen und vorzeitigem Wegfahren bin ich eine halbe Stunde bei Ozie eingekehrt, aber als ich wieder auf der Stra\u00dfe war, wurde es nicht besser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine halbe Stunde stehen f\u00fcr eine 11\u20ac-Tour ist v\u00f6llig ok, aber selbst die wurde mir dadurch verlitten, dass ich um einen der Fahrg\u00e4ste permanent Angst hatte, weil er schon vor dem Einstieg gekotzt hat. Immerhin gab es dennoch keine Komplikationen &#8211; ich sollte das eher positiv werten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann, nach insgesamt 6 Stunden Arbeitszeit und knapp \u00fcber 30 \u20ac Umsatz (kurz zur Erinnerung: Das bedeutet etwa 2 \u20ac Bruttolohn plus 50 ct Trinkgeld die Stunde) hatte ich dann einen echt netten Typen, der mir ins Auto sprang und meinte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;So, jetzte! Jetzt m\u00fcssen wir verhandeln!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlimmste Bef\u00fcrchtung wurde war: Er wollte nach Brandenburg\/Havel, aber der vorgeschlagene Preis meinerseits war nat\u00fcrlich zu hoch. Ich hoffe, meine Chefs wissen es zu sch\u00e4tzen, dass ich ihn die 85 km nicht f\u00fcr 80 \u20ac gefahren habe! F\u00fcr mich w\u00e4re das ein guter Deal gewesen, da ich ja Auto und Sprit nicht zahle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Minuten sp\u00e4ter steht ein Haufen bedr\u00f6ppelt dreinblickender Jungs vor mir und will wissen, wieviel es wohl nach &#8211; man glaubt es kaum &#8211; Brandenburg\/Havel kostet. Aber wie ihr sicher erahnt&#8230;<br \/>\nDabei w\u00e4re es sicher lustig geworden, denn ich denke, dass die drei &#8211; gerade vom Sepultura-Konzert kommend &#8211; es sicher zu sch\u00e4tzen gewusst h\u00e4tten, dass ich 8 Stunden Metallica auf meiner CD des Tages dabei hatte. Aber letztlich haben auch wir uns (mit gequ\u00e4ltem L\u00e4cheln meinerseits) aufs Netteste schon am Ostbahnhof verabschieden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine nun folgenden Fahrg\u00e4ste hatten das enorme Fernziel A&amp;O Hostel in der K\u00f6penicker Str., was mir atemberaubende 4,80 \u20ac in die Kasse sp\u00fclte. Aus bisher ungekl\u00e4rter Ursache habe ich sie versehentlich beschissen, weil ich komischerweise gesagt habe, es seien 4,90 \u20ac, und auch so rausgegeben habe. Wie man erahnt: Das spielt auch nur eine Rolle, weil es trotz bester Laune nicht einmal Trinkgeld gab. Naja, jetzt halt die erschlichenen 10 ct.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun hatte ich allerdings gleich zwei Winker hintereinander, die keine Kurzstrecke wollten. Damit hatte ich sagenhafte 53 \u20ac erreicht &#8211; kaum 8 Stunden nach Arbeitsbeginn. Zwischen den beiden Touren wurde mir allerdings noch einmal eine Tour von einem Kollegen weggeschnappt, der spontan mal bei Kirschgr\u00fcn von rechts auf die Warschauer geschossen kam. Wie es an so einem Tag halt sein muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nun folgenden Touren haben tats\u00e4chlich noch daf\u00fcr gesorgt, dass ich bis 6.30 Uhr morgens einen dreistelligen Umsatz hatte: 103 \u20ac, wenn es jemand genau wissen will. Dennoch habe ich mich abermals gedanklich in mein fleischiges Hinterteil gebissen, als am Bahnhof reihenweise Leute hektisch angerannt kamen. Ich war das siebte Taxi, und die mit Koffern bewaffneten st\u00fcrmten rund 10 Taxen am Stand nahezu gleichzeitig. Wahrscheinlich Touren zum Flughafen oder zum n\u00e4chsten gro\u00dfen Bahnhof. Ausgerechnet vor meinem Auto standen pl\u00f6tzlich aus dem Nichts aufgetauchte M\u00e4dels, die zum Burger King in der Landsberger wollten&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal ist das Gewerbe einfach nicht fair.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Positiv anzumerken w\u00e4re noch die Frau im Auto neben mir und den M\u00e4dels an der Karl-Marx-Allee, die mir einsch\u00e4fte, dass man das Leben genie\u00dfen muss. Jaja, bald mal wieder &#8211; wenn dieser schei\u00df Vulkan mal Ruhe gibt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ein nettes Bild gibt er ab, zweifelsohne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, ich meine Tats\u00e4chlich die Wolke von Island. Obwohl ich es eine witzige Tatsache finde, dass z.B. die Radiosprecher beim rbb gar nicht versuchen, den Namen des Vulkans zu nennen, der uns diese Aschewolke beschert, reihe ich mich doch aus Gr\u00fcnden der Zeitersparnis gerne ein. 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