{"id":5429,"date":"2010-04-04T06:00:45","date_gmt":"2010-04-04T04:00:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=5429"},"modified":"2010-08-24T01:20:52","modified_gmt":"2010-08-23T23:20:52","slug":"eine-feierabendtour-wie-aus-dem-lehrbuch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/04\/04\/eine-feierabendtour-wie-aus-dem-lehrbuch\/","title":{"rendered":"Eine Feierabendtour wie aus dem Lehrbuch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Fr\u00fchling bringt es ja mit sich, dass ich nicht mehr nur in der sch\u00fctzenden Dunkelheit der Nacht unterwegs bin, sondern in den sp\u00e4ten Abend- und fr\u00fchen Morgenstunden auch ein bisschen Sonnenlicht an mich heranlasse. OK, ich bin ehrlich: Es nervt mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nun am Wochenende war es einmal mehr soweit, und ich t\u00e4tigte meine vermeintliche Abschlussfahrt um 6.30 Uhr vom Ostbahnhof nach Mariendorf. Guter Schlussstrich: Nette Frau, viel Gerede, Umsatz damit bei 200 und Trinkgeld gab es auch noch. Nichts was aus der Reihe f\u00e4llt, aber das schadet nach \u00fcber 10 Stunden Dienst ja auch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fest entschlossen, gen Marzahn zu cruisen h\u00e4tte ich die kuriose Winker-Truppe am Mehringdamm fast verpasst. Das lag aber wesentlich weniger an meiner Entschlossenheit, als an deren Unentschlossenheit, die letztlich daf\u00fcr sorgte, dass der Arm erst eine Wagenl\u00e4nge vor mir emporschnellte. Der Bremsvorgang war aprupt, wenn auch nicht reifensch\u00e4digend. Ausreichend: Nach einem kurzen Schockmoment wussten alle Beteiligten, dass ich f\u00fcr sie und nicht f\u00fcr ein omin\u00f6ses Tier auf der Fahrbahn gebremst habe. Also noch eine Abschlusstour. Mitten am Tag, 7.15 Uhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst stolperte eine Blondine kopf\u00fcber ins Auto, die offensichtlich beim verzweifelten Ringen darum, ob nun Abs\u00e4tze h\u00f6her oder Ausschnitte tiefer sein sollen, bei beidem neue Ma\u00dfst\u00e4be gefunden hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Ich&#8230; hihi&#8230; m\u00f6chte nach Hause.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Das ist ein guter Anfang. Jetzt muss ich nur noch wissen, wohin genau!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter ihr her schob sich eine wesentlich gefasstere Frau auf den R\u00fccksitz und nannte schwer verst\u00e4ndlich eine Adresse in Prenz&#8217;lberg. Auf den Vordersitz setzte sich ein Schwarzafrikaner, dem irgendjemand ein Grinsen ins Gesicht getackert hatte, das beim Hinsehen weh tat. Ein zweiter Schwarzer wollte sich noch auf die R\u00fcckbank zw\u00e4ngen, wurde aber von der zweiten Lady mehr oder minder bar jeder Eleganz mit Handschl\u00e4gen und Fu\u00dftritten davon abgehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Blondie bereitwillig mit ihrem zweifelsohne folgenden Koma flirtete und ich \u00fcberlegte, wie die Adresse wohl auf Deutsch heisst, oder ob es in Polen noch ein Prenz&#8217;lberg gibt, entbrannte ein weiterer Streit mit Black Grinsi und der resoluten Wortf\u00fchrerin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe noch \u00fcberlegt, wie ich das zu werten habe, als sie bereits ausgestiegen ist, und den jungen Mann aus dem Auto geworfen hat, der der f\u00fcr ihn scheinbar normalen Situation mit stoischem Dauergrinsen begegnet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also hatte ich nun zwei Frauen auf der R\u00fcckbank, die nach Prenz&#8217;lberg wollen. Auch nicht schlecht. Im Verlauf der eher kurzen Gespr\u00e4che kam dann heraus, dass Blondie seit drei Stunden nicht zum Heimgehen zu animieren war, und jetzt &#8211; da sie endlich auf der Stra\u00dfe war &#8211; nichts besseres zu tun gehabt hatte, als irgendwelche jungen Kerle mitzuschleifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diese Vorw\u00fcrfe aber reagierte selbige gar nicht, da sie schlief. W\u00e4hrend der sonst stressfreien Fahrt wachte sie nur zweimal auf. Beim ersten Mal \u00e4nderte sie das Fahrtziel zum McDonalds in der Sch\u00f6nhauser (was quasi der selbe Weg war) und beim zweiten Mal k\u00fcndigte sie an, kotzen zu m\u00fcssen. Diese Ansage fanden nun weder ich, noch ihre Begleitung irgendwie komisch, aber bei einem eiligen Halt meinerseits grinste die betrunkene nur selig und verk\u00fcndete, dass sie erst sp\u00e4ter kotzen m\u00fcsse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sonderlich wohl war mir bei der Weiterfahrt nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber sowohl wir als auch das Auto sind heil und sauber angekommen. Am Ziel bestand dann nur das Problem, dass Madame sich zwar offenbar beim Grinsetypen angesteckt hatte, allerdings immer noch schlief und keine Anstalten machte, das Fahrzeug zu verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungeachtet der Tatsache, dass ich eine enge Stra\u00dfe komplett blockierte, habe ich meine Hilfe (beim St\u00fctzen, Tragen, whatever) anbieten wollen, aber die Freundin meinte lapidar, sie w\u00fcrde sie schon aus dem Auto ziehen. Dieses Schauspiel endete so schnell wie es begann &#8211; und zwar damit, dass die schlafende Grazie mit nur leichter St\u00fctze seitens ihrer Freundin auf die Stra\u00dfe purzelte. Grinsend und leblos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da lag sie nun. Mit dem R\u00fccken auf dem Kopfsteinpflaster, die F\u00fc\u00dfe noch in meinem Wagen. Schlafend und grinsend. Immer wieder faszinierend, wie gl\u00fccklich frei verk\u00e4ufliche Chemikalien einen doch trotz widrigster Umst\u00e4nde machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgesehen davon, dass ich die T\u00fcr zur Weiterfahrt gar nicht h\u00e4tte schlie\u00dfen k\u00f6nnen, sp\u00fcrte ich dann doch so einen Anflug von Verantwortungsbewusstsein. Von der H\u00f6flichkeit ganz zu schweigen und die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die sich auf einen Notfall und auf 3,20 \u20ac Trinkgeld berufen kann, nur leicht mit einbezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Freundin ist zur Haust\u00fcre geeilt, um sie zu entriegeln. Und zwar mit den Worten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Wenn das meine Eltern sehen, die wohnen auch hier&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber damit nicht genug: Sash sollte auch was tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Heben sie sie bitte auf!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke kurz dar\u00fcber nach, ob sie weiss, dass ich einen Staplerschein habe, verwerfe den Gedanken aber schnell wieder, weil er zu absurd ist und bei allen Schwierigkeiten nun wirklich kein schweres Ger\u00e4t notwendig war. Aber das ist eine unangenehme Situation, ehrlich. Und das liegt nicht daran, dass ich f\u00fcr solch eine Aktion zu wenig Kraftreserven h\u00e4tte. Auch nach 10 Stunden Arbeit. Aber es liegt mir nicht so sonderlich, fremde Menschen mal spontan grob anzupacken. Ganz davon abgesehen, dass ich f\u00fcr gew\u00f6hnlich als monogamer Beziehungsmensch die Anzahl mir in die Arme purzelnder Br\u00fcste auf zwei beschr\u00e4nke, und zwar nicht auf die zwei einer betrunkenen Dame in einem von fragw\u00fcrdigem Geschmack zeugenden Schneeleoparden-Outfit mit einem Grinsen im Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gut, genug dramatisiert!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ist letztlich wieder wachgeworden, hat sich ohne Grund einen der beiden Schuhe ausgezogen und ist froher Laune mit der wiedergewonnenen Mobilit\u00e4t ins sch\u00fctzende Haus ihrer Freundin getapst, wo sie wahrscheinlich umgehend auf dem Teppich eingeschlafen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wieder eine Schicht abgeschlossen, und ein paar Menschen geholfen! So grotesk sich das lesen mag: Ich liebe meinen Job auch solcher Fahrten wegen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PS:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war dann doch nicht die letzte Tour, mir ist noch eine Frau vors Auto gesprungen. Aber das war eine v\u00f6llig harmlose Tour k\u00fcrzester Sorte und wird mir im Gegensatz zur oben geschilderten sicher nicht im Ged\u00e4chtnis bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fr\u00fchling bringt es ja mit sich, dass ich nicht mehr nur in der sch\u00fctzenden Dunkelheit der Nacht unterwegs bin, sondern in den sp\u00e4ten Abend- und fr\u00fchen Morgenstunden auch ein bisschen Sonnenlicht an mich heranlasse. OK, ich bin ehrlich: Es nervt mich. 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