{"id":5372,"date":"2010-03-28T06:00:38","date_gmt":"2010-03-28T04:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=5372"},"modified":"2010-08-24T01:36:39","modified_gmt":"2010-08-23T23:36:39","slug":"betrunken-ist-keine-ausrede-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/03\/28\/betrunken-ist-keine-ausrede-1\/","title":{"rendered":"Betrunken ist keine Ausrede (1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Viele meiner Kunden stehen unter Drogeneinfluss. Das ist, wie ich \u00f6fter erw\u00e4hne, auch v\u00f6llig in Ordnung f\u00fcr mich. Drogen (und damit meine ich auch Alkohol) sind in dieser Gesellschaft einer der verbreitetsten Gr\u00fcnde, ein Taxi zu nehmen. Und vom Prinzip her hei\u00dft das erst einmal, dass diese Leute Hilfe brauchen &#8211; n\u00e4mlich ein Transportmittel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob dar\u00fcber hinaus noch was n\u00f6tig ist, liegt &#8211; wenn kein akuter Notfall vorliegt &#8211; nicht in meinem Ermessen. Ich kann nur daf\u00fcr sorgen, dass die Leute nach Hause kommen. Sicher und bequem. Daf\u00fcr verlange ich Geld &#8211; allerdings nach einem gesetzlich geregelten Tarif &#8211; und ich denke, dass das eine faire Gesch\u00e4ftsbeziehung f\u00fcr alle Seiten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Samstag morgen winkte mich kurz vor dem Ostbahnhof ein junger Mann heran. Er war stark alkoholisiert, hatte aber ein Grinsen auf den Lippen und wirkte nicht grunds\u00e4tzlich unsympathisch. Ich bin von der M\u00fchlenstr. rechts in die Str. der Pariser Kommune eingebogen und hab den Fahrgast aufgenommen. Das sollte ich noch f\u00fcr einen Fehler halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Ansatz eines Gespr\u00e4ches sah etwa so aus:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Guten Abend!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Gssn aaa. Bssms NN!! Hassaa nn glb!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Entschuldigung, ich verstehe sie nicht so wirklich&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Mssn bei mn Frau!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aha, zur Frau also. Soll noch einer behaupten, man lerne nicht, auch Besoffene zu verstehen. Aber wo ist die Frau? Er ruderte mit den Armen grob in Richtung der Kreuzung Stralauer Platz \/ Andreasstr., was ich mir noch einmal best\u00e4tigen lies. Also wendete ich und wappnete mich zum Rechtsabbiegen auf den Stralauer Platz.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Mssn da be Kussecke! Bmm!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Kurzstrecke? Kein Problem.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Super. Es wird sowieso schwierig (hoffentlich ist die Frau n\u00fcchterner!), also beschwere ich mich mal nicht, dass die Fahrt nur kurz dauert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, ganz so kurz wurde es dann doch nicht. Nach einigen halbunverst\u00e4ndlichen Gesten und Worten ohne Vokale standen wir vor dem Yaam! und er musste telefonieren. Was nun folgte, war irgendwie der H\u00f6hepunkt der Aktion: Woher ein Telefon nehmen? Fragen wir doch den Taxifahrer&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grenzwertig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen ist mein Handy ziemlich kaputt. Zum anderen: Hey, das ist auch noch mein Geld. Ganz davon abgesehen, dass wir mit einer Kurzstrecke auf dem Taxameter rumstanden &#8211; was so nicht vorgesehen ist im Tarif. Aber die Entscheidung daf\u00fcr, ihn telefonieren zu lassen, sollte sich als nicht allzu schlecht herausstellen. Gef\u00e4llt habe ich sie vor allem, weil der Kerl das Pfeifen wahrscheinlich gar nicht merkt, weil er offensichtlich nicht einmal in seiner Unterhose Geld finden konnte und weil ich so oder so 120 Freiminuten in alle Netze habe, die ich zus\u00e4tzlich zu meiner Flat ins eigene Netz nie ausnutze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie man sich ausmalen kann, war der gute Mann mit der Eingabe der Telefonnummer allerdings ziemlich \u00fcberfordert. Also hab ich das auch noch f\u00fcr ihn \u00fcbernehmen d\u00fcrfen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wie erwartet ist niemand rangegangen. Aber offensichtlich ist das alles kein Problem, der junge Mann sagte n\u00e4mlich:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hssn a Drr de Gnn!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da hatte ich auch keine Ahnung, was er wollte, aber er gestikulierte, wir sollten weiterfahren. Gut, meinetwegen. Nach zwei weiteren Malen wenden, versuchen seinen Ausf\u00fchrungen zu lauschen und der puren Verzweiflung in mir standen wir dann an der Ecke Schlesische Str. \/ Falckensteinstr. Da m\u00fcsste ich rein, sagten seine H\u00e4nde zwischen den Phasen, in denen er die Augen schloss und ich blickte w\u00fctend und hilflos in die Falckensteinstr., die derzeit in diese Richtung gesperrt ist&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie es dazu gekommen ist, dass er aussteigen wollte, aber letztlich kamen wir tats\u00e4chlich an den Punkt, an dem er beschlossen hat, in die Stra\u00dfe reinzulaufen. Was mir in Ermangelung eines Pfandes, bzw. in Ermangelung einer Aussicht darauf, dass er &#8211; das Geld seiner Frau erst einmal in der Hand &#8211; damit zu mir kommen w\u00fcrde, weil er wahrscheinlich im Stehen einschlafen w\u00fcrde &#8211; nicht so recht gefallen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wollte ich also meine rund 7,60 \u20ac haben, m\u00fcsste ich wohl hinterher. Verdammt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas umst\u00e4ndlich und vorsichtig bin ich gegen jede Verkehrsregel r\u00fcckw\u00e4rts in die Falckenstein rein, aber es war nat\u00fcrlich zu sp\u00e4t. Der Kerl war im Dunkel der Nacht in irgendeine Ecke verschwunden und wahrscheinlich umgehend umgefallen. Fuck!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Umsatz war so oder so mies und es \u00e4rgerte mich ma\u00dflos, dass dieser Trottel jetzt weg war!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Hoffnung hab ich mich kurz hingestellt, eine Zigarette lang gewartet und dann das Taxameter ausgemacht. Die 8,40 \u20ac hole ich mir wieder. Versprochen! Zun\u00e4chst aber musste ich die letzte Stunde noch zum Geldverdienen nutzen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Fortsetzung folgt)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele meiner Kunden stehen unter Drogeneinfluss. Das ist, wie ich \u00f6fter erw\u00e4hne, auch v\u00f6llig in Ordnung f\u00fcr mich. Drogen (und damit meine ich auch Alkohol) sind in dieser Gesellschaft einer der verbreitetsten Gr\u00fcnde, ein Taxi zu nehmen. Und vom Prinzip her hei\u00dft das erst einmal, dass diese Leute Hilfe brauchen &#8211; n\u00e4mlich ein Transportmittel. 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