{"id":5179,"date":"2010-03-04T08:13:50","date_gmt":"2010-03-04T07:13:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=5179"},"modified":"2010-03-04T08:13:50","modified_gmt":"2010-03-04T07:13:50","slug":"und-deshalb-mache-ich-mittwochs-frei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/03\/04\/und-deshalb-mache-ich-mittwochs-frei\/","title":{"rendered":"&#8230;und deshalb mache ich Mittwochs frei."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das mache ich normalerweise ja wirklich. Sonntag und Mittwoch sind meine freien Tage. Aber wenn ich Sonntags mal arbeite, dann ziehe ich Montag und Dienstag zu einem Zwei-Tages-Wochenende zusammen und arbeite eben auch Mittwoch. So wie gestern&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war eine abartige Schicht. Selten lagen Kummer und Freude binnen einer Schicht so nahe beieinander. Der Artikel heute ist etwas sp\u00e4t dran. Aber er wird berichten von Hammertouren und Kurzstrecken, von gutem Verdienst und schlechtem Kilometerschnitt. Ein Taxi mit Rotlichtversto\u00df wird ebenso vorkommen wie kotzende d\u00e4nische Touris. Wechselgeldprobleme und Abrechnung werden ebenfalls eine Rolle spielen. Und ansonsten der Sash, sein Chef und Ozie&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betrachten wir also den Tagesverlauf des gar nicht so kleinen Sash von seinem Erwachen am Mittag eines vermeintlich normalen Mittwochs bis zu jenem Punkt, an dem er hier sitzt und diesen sicherlich langen Artikel schreibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tag begann f\u00fcr mich mit Ozie, die mich &#8211; wie ich sie gebeten hatte &#8211; um etwa 15 Uhr weckte. Schon das war aus mehreren Gr\u00fcnden gut. Zun\u00e4chst h\u00e4tte ich sonst verschlafen. Ich Idiot habe nicht daran gedacht, dass mein Handy mittwochs niemanden weckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So fr\u00fch aufgestanden bin ich mal wieder aus einem naheliegenden Grund: Abrechnung. Ich gehe ja nur so Pi mal Daumen ein- bis zweimal im Monat im B\u00fcro abrechnen. Ich muss dazu wegen des Anfahrtsweges Stunden vor meinem Rhytmus (so ich so etwas mal ausnahmsweise besitze) aufstehen, und das macht es einfach relativ anstrengend. Sonst gehe ich gerne ins B\u00fcro, und es w\u00e4re selbst f\u00fcr mein seltsames Gewerbe etwas untypisch, den Chef gar nicht mehr zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wegen akuter Restm\u00fcdigkeit haben Ozie und ich das geplante Mittagessen ausfallen lassen und ich bin zu Cheffe durchgestartet. Das ganze mit einer inzwischen schon \u00fcblichen Versp\u00e4tung, die bedeutet, dass ich etwa 30 Minuten nach dem halboffiziellen B\u00fcroschluss da bin. Aber zum Monatsanfang ist das egal, da kommen ja alle zur Abrechnung, folglich ist immer noch jemand da. Beim Losgehen habe ich nat\u00fcrlich prompt die 50 \u20ac vergessen, die Ozie sich von mir ausgelegt hatte, sodass ich nat\u00fcrlich zu wenig Kohle dabei hatte &#8211; also weniger als das allwissende Taxameter meinem Chef verriet. Da wir ja aber, wie er sagt &#8222;nicht bei Siemens&#8220; sind, wurde das ohne Aufhebens als Vorschuss abgezogen, was die Wichtigkeit des Ganzen eigentlich gen Null senkt. Bei allem Gerede im B\u00fcro habe ich nat\u00fcrlich vergessen, nach einem Portemonnaie zu fragen. Das klingt jetzt etwas seltsam, aber es hat damit folgende Bewandtnis: Ich nutze das Portemonnaie von Ozies Vater, der auch mal Taxifahrer war. Das hat schon ein paar J\u00e4hrchen auf dem Buckel und bevor es auseinanderf\u00e4llt, wollte ich doch bald mal ein neues. Da meine Chefs die Ausr\u00fcstung als ihre Aufgabe betrachten, lagern im B\u00fcro einige B\u00f6rsen und ich m\u00fcsste nur mal nachfragen, um eine neue zu bekommen. Aber das hab ich vergessen. Ist eigentlich auch egal. Dann gab es noch ein kurzes Gespr\u00e4ch \u00fcber TaxiButton, da mein Chef nach Leuten sucht, die das mal ausprobieren. Im Rahmen des Ganzen habe ich dann &#8211; weil das Thema darauf kam &#8211; meine allererste Blogwerbevisitenkarte an meinen Chef verschenkt. Hat eigentlich Stil, wenn man mich fragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So bin ich dann also mit dem alten und erschreckend leeren Geldbeutel zum Auto aufgebrochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die erste Tour bin ich eine halbe Stunde am Bahnhof angestanden, was sich in Grenzen h\u00e4lt. Mittwoch! Durchschnittstag, Durchschnittstouren, nix Besonderes. Die Tour war dann auch der ultimative Klassiker nach Kreuzberg r\u00fcber, der mir 8,40 \u20ac bescheren sollte. Bezahlt wurde nat\u00fcrlich mit einem F\u00fcnfziger. So besa\u00df ich an Wechselscheinen noch makaber l\u00e4cherliche drei F\u00fcnfer. Also auf zur Tanke. Oder zum Bahnhof. Irgendwer wird ja wohl&#8230; AH! WINKER!!!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schnell rechts ran und einen netten Kerl aufgegabelt, der aus beruflichen Gr\u00fcnden noch kurz nach Prenz&#8217;lberg musste. Ich war hocherfreut, hochzerstreut und es kam, wie es kommen musste. Die 12 \u20ac, die am Ende der Fahrt auf der Uhr standen, wollte er mit einem F\u00fcnfziger begleichen. Und keine Alternative in Sicht. Mir war das durchaus peinlich, vor allem weil der Kerl es eigentlich halbwegs eilig hatte. Ich bin dann kurz gegen\u00fcber in eine Kneipe und hab den Schein kleingemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann stand ich also nach einer Stunde Arbeitszeit so rum ohne Wechselgeld (hatte ja wieder einen Fuffi) und beschloss, erst einmal Pause zu machen. Naja, so halbwegs. Ich beschloss, heimzufahren. Dort wollte ich dringend was zu essen besorgen &#8211; inzwischen wirkte sich das ausgefallene Mittagessen aus &#8211; und Lesestoff holen. Dazu k\u00f6nnte ich mit einem kleinen Einkauf (den ich dann auch nicht am heutigen Morgen machen m\u00fcsste) gleich den Fuffi kleinmachen. Mit allen \u00dcberlegungen hin und her, ob ich nicht das ein oder andere auch aush\u00e4usig erledigen k\u00f6nnte, gelangte ich zur Erkenntnis, dass mich der ganze Umweg vielleicht 2 \u20ac kosten w\u00fcrde. Das fand ich als Preis daf\u00fcr, Ozie nochmal zu sehen und eine halbe Stunde mit ihr zu verbringen eigentlich ganz fair.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Nachhinein ist es besonders nett, sich zu \u00fcberlegen, dass diese Entscheidung (wie nat\u00fcrlich auch jede andere an diesem Tag) mit dazu gef\u00fchrt hat, dass die Schicht so endete wie sie endete. Mit gen\u00fcgend Kleingeld in der Tasche begann ich also, mich wieder ins Berliner Sp\u00e4tabend-Leben zu st\u00fcrzen und wurde mit 3 kleinen Touren beschenkt, die allesamt mehr oder minder passend bezahlt wurden. War ja klar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem R\u00fcckweg von Treptow bin ich dann an der Elsenbr\u00fccke \u00fcber Rot gefahren. Absichtlich. Und notgedrungen. Die Abbiegerampel wollte n\u00e4mlich nicht mehr gr\u00fcn werden. Ich weiss nicht, woran es lag und wie lange das Problem bestand, aber der Stau auf der Stralauer Allee bis hoch zur Modersohn-Stra\u00dfe lie\u00df mich erahnen, dass sich manche Leute wahrscheinlich tierisch \u00fcber die Verkehrssituation aufgeregt haben. Aber immerhin hatte ich gleich noch einen Winker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich mich wieder am Ostbahnhof eingefunden habe, war es vielleicht 23 Uhr. 50 \u20ac hatte ich in der Tasche und ich freute mich, Zeit f\u00fcr ein Br\u00f6tchen und die letzten Seiten meines Buches zu haben. Weder Br\u00f6tchen noch Buch habe ich geschafft bis ich erster war. Dann trat ein freundlicher Herr auf mich zu und hielt mir einen rot-wei\u00dfen Pappzettel vor die Nase: Ob ich damit was anfangen k\u00f6nnte? Taxigutschein von der Bahn. Na klar! 80 \u20ac hat er bewilligt bekommen, weil sein Anschlusszug weg sein und er wolle sich erkundigen, ob das reichen w\u00fcrde f\u00fcr die Fahrt nach JWD.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Navi sagte: 55 km. Sash sagte: Jo. Ist zwar untere Grenze dessen, was ich machen kann, aber schon noch ok. Ein bisschen doof von mir war es nat\u00fcrlich, dass ich dann nicht stur dem Navi gefolgt bin, sondern die Autobahn etwas ausschweifender genutzt habe. Nun sah die Statistik mit 65 km zu 80 \u20ac gar nicht mehr so lecker aus&#8230; aber ich hab&#8217;s wirklich nicht fertiggebracht, mich unterwegs nochmal um den Preis zu streiten. War mein Fehler, und ich kann mich nicht tagein tagaus dar\u00fcber \u00e4rgern, dass Kunden keinen Preis akzeptieren wollen, der ausgemacht war, wenn ich das selbst mache. Und verdammt nochmal: Die Kilometer hole ich diesen Monat schon irgendwie wieder rein. 80 \u20ac in 2 Stunden an einem Mittwoch sind irgendwie ein zu bestechendes Argument&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgesehen davon war der Typ ein echt netter und angenehmer Fahrgast, der zudem eine recht abenteuerliche Geschichte \u00fcber den zwischenzeitlichen Verbleib seines F\u00fchrerscheines erz\u00e4hlte, bei der ein Rotlichtblitzer und ein bereits bestehendes Fahrverbot eine Rolle spielten. Etwas schade, dass er sich nicht einmal erbarmt hat, wenigstens noch Trinkgeld zu geben &#8211; aber einen Tod muss man wohl sterben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Weg zur\u00fcck durch die malerische Ein\u00f6de Brandenburgs genoss ich mit lauter Musik und versuchte, mir kein allzu schlechtes Gewissen wegen des Kilometerz\u00e4hlers zu machen, der pl\u00f6tzlich eine ungeahnte Lebhaftigkeit entwickelte. Auf der Autobahn hab ich dann festgestellt, dass man einen Erdgas-Zafira wie meinen nur schwer zu einer Geschwindigkeit von \u00fcber 160 km\/h \u00fcberreden kann, was aber wahrscheinlich auch vern\u00fcnftig ist, weil bei dem Tempo ein Windsto\u00df wahrscheinlich eine \u00e4hnliche Seitw\u00e4rtsbeschleunigung verursacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg zum Matrix winkten noch drei Pokerspieler auf eine Kurzstrecke und dann sah ich um 1.30 Uhr 8 Taxen vor dem Matrix stehen. Mir ist schlagartig klargeworden, dass ich heute an den 150 \u20ac trotz der Hammertour zu knabbern haben werde. Es folgte eine kurze Unterhaltung mit einem Kollegen, und dann &#8211; schwupps! &#8211; war die Wartezeit auch schon rum und ich bekam meine Fahrg\u00e4ste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Jungs, die nur der englischen Sprache m\u00e4chtig waren. Ahnung hatten sie im Allgemeinen etwa null.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;To the City Hotel&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Which one?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;I guess it&#8217;s in the East&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geduldig lie\u00df ich &#8211; ohne die Uhr anzumachen &#8211; den jungen Kerl 3 mal telefonieren (einmal ins Ausland), bis er endlich wusste, in welchem Hotel sie wohnen. Im Ansbach-Hotel&#8230; das ist so sehr Osten wie die USA kommunistisch gepr\u00e4gt sind. Aber gut, vielleicht reicht mir die Tour schon auf 150&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gereicht hat sie mir sogar auf 180. Und zwar ziemlich. Trotz meiner eher im Scherz zum im Fond langsam einschlafenden Zweitfahrgast gewandten Warnung reihert mir der Typ 15 Meter vor seinem Hotel ins Auto. 15 Meter! Ich war bereits so langsam, dass er sich h\u00e4tte rauswerfen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist komisch, sich in so einem Moment Gedanken zu machen. Der erste Gedanke war nat\u00fcrlich &#8222;Fake!&#8220;. Der zweite war &#8222;In was f\u00fcr Ritzen das jetzt wohl \u00fcberall reingepl\u00e4tschert ist&#8230;&#8220; und der dritte war ganz lapidar &#8222;die Schicht ist gelaufen.&#8220; Aber seltsamerweise war das gar nicht schlimm. Obwohl ich die Gefahr erst eine Sekunde vorher wahrgenommen hatte, war ich eigentlich total entspannt. Warum auch immer. Ich hab mir gedacht: &#8222;Mein Gott, das wird teuer. Pech f\u00fcr euch, Jungs &#8211; ihr wart mir eigentlich sympathisch&#8230;&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht ohne Grund sage ich zu eigentlich jedem englischen Fahrgast in bedenklichem Zustand den sicher falschen aber eindeutigen Satz:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Let me tell you one thing: Stopping the cab for 5 Minutes will cost 2 \u20ac. Pukin&#8216; in the car 200&#8230;&#8220; <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein plastischer Vergleich, der dem d\u00fcmmsten einleuchten sollte. Kurz anhalten: Kein Thema! Sich eine Viertelstunde auskotzen kostet 6 l\u00e4cherliche Euro und die T\u00fccher zum Abwischen gibt es gratis dazu. Aber kotzen geht ins Geld! Und auch in diesem Fall gab es erstaunte Gesichter und die Frage, ob es wirklich SOOO teuer w\u00e4re. Aber gebracht hat es nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun standen wir da &#8211; vor dem Hotel, das die Spa\u00dfv\u00f6gel alleine wohl kaum gefunden h\u00e4tten &#8211; und guckten dumm. Ich hab ihnen gesagt, dass das jetzt verdammt \u00e4rgerlich sei&#8230; und zwar f\u00fcr sie. Weil ich jetzt Geld sehen will. Bei allem Respekt, bei aller Freundlichkeit, da bin ich auch deutlich! Was es denn jetzt kosten w\u00fcrde?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hey, remember! The 200 I told you, were no joke!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;200?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja Mann!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben daraufhin erstmals die T\u00fcre hinten ge\u00f6ffnet und das Desaster einer Magenladung &#8222;beer and shots&#8220; verteilt \u00fcber Gummimatte, T\u00fcr, Vordersitz, Seitenschweller und nat\u00fcrlich Teppich wurde vom zweiten ernstlich beantwortet mit einem:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;What does that look like? Maybe 100?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab gedacht, ich h\u00f6re nicht richtig. So ziemlich alles, was versaut werden kann da hinten war versaut, und der \u00fcberlegt offenbar, dass es ja h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;I said 200.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich folgte das \u00fcbliche Dilemma: Nicht genug Geld dabei. L\u00f6sung war auch schnell gefunden: Bank, Geldautomat, L\u00f6sung!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig verst\u00f6rt und versch\u00fcchtert standen sie dann vor mir mit ein paar m\u00fcden Scheinchen in der Hand und haben <span style=\"text-decoration: line-through;\">um ihr Leben gefleht<\/span> versichert, dass das alles ist, was sie auf der Bank kriegen konnten: 95 \u20ac. Aus ihren Taschen haben sie dann noch einen Berg Kleingeld gefischt und mir panisch alles in die Hand gedr\u00fcckt und glaubhaft versichert, dass sie keinen m\u00fcden Cent mehr besitzen. Freie Kost und Logis hatten sie auf der Reise, ich h\u00e4tte ihnen also den letzten Clubabend versaut, aber selbst im Zimmer h\u00e4tten sie folglich nichts mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstmal hab ich ihnen versichert, dass mir durchaus bewusst ist, dass das f\u00fcr sie eine beschissene Geschichte ist, und ich sie deshalb sicher nicht gleich aufessen w\u00fcrde. So sinngem\u00e4\u00df. Dem Geruch sei Dank hatte sich mein Hunger auch schon lange erledigt&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst auf meine Drohung mit der Polizei haben sie &#8211; wenn auch ohne Panik &#8211; klargemacht, dass die ihnen auch nicht mehr Geld abnehmen k\u00f6nnte, als sie h\u00e4tten. Da war nat\u00fcrlich was wahres dran. Und was soll ich erwarten? Dass sie mir das Geld aus D\u00e4nemark \u00fcberweisen? Oder dass die Cops sie in ihrem Heimatland einknasten, weil sie in Deutschland ein Taxi vollgekotzt haben? W\u00e4re auch ein bisschen arg \u00fcbel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ich hatte offensichtlich meinen pragmatischen Abend und hab vorgeschlagen, dass das mit dem Geld jetzt in Ordnung sei, wenn sie mir beim Saubermachen helfen. Voller Erleichterung ist Mister Fl\u00fcssigkeitsverlust dann mit mir zusammen zur Tanke gecruist und hat eine Stunde lang zum Teil mit blo\u00dfen H\u00e4nden seine eigene Kotze aus dem Wagen geschaufelt. Ich hab ihm geholfen wo m\u00f6glich, aber die Drecksarbeit hab ich ihn erledigen lassen. Erstaunlicherweise war er wirklich wieder ziemlich n\u00fcchtern und lief offensichtlich nicht Gefahr, das Drama zu wiederholen. Dass er da ganz sch\u00f6n Schei\u00dfe gebaut hat, war ihm bewusst und er hat sich wirklich rangehalten. Muss ich jetzt auch wirklich lobend erw\u00e4hnen. Er hat nicht einmal gejammert, nein zwischenzeitlich hat er sogar gemeint, er h\u00e4tte jetzt wenigstens was spannendes zu erz\u00e4hlen. Ins Taxi gekotzt h\u00e4tte er schon einmal &#8211; aber eines danach auch noch sauber gemacht &#8211; das w\u00e4re mal was!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat sich tausendmal entschuldigt, sich daf\u00fcr bedankt, dass ich ihn von der Tanke noch zum Hotel gebracht habe (wo ich ihn ja weggeschleift habe) und mich mit liebenswert gro\u00dfen Augen angeschaut, als ich ihm zum Abschluss noch eine Kippe spendiert habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daf\u00fcr, dass die Aktion letztlich nur rund 2 Stunden in Anspruch genommen hat und ich kaum was machen musste, war der Preis, den sie zu zahlen hatten, eigentlich etwas hoch. Aber vielleicht dient es ja der Erziehung&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu guter Letzt (nachdem ich alleine nochmal nachgewischt habe) war selbst der Geruch so gut aus der Kiste draussen, dass ich tats\u00e4chlich noch ein paar Winker zum Generator mitgenommen habe, was bekanntlich quasi neben dem Abstellort meiner Kiste liegt. Dabei hab ich dann ein letztes Mal mehr als 5 \u20ac in M\u00fcnzen bekommen, was ich zu Beginn der Schicht so gut h\u00e4tte brauchen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend die ersten beiden F\u00fcnfziger mich so in Bedr\u00e4ngnis gebracht haben, h\u00e4tte ich mir am Ende gew\u00fcnscht, ich h\u00e4tte nicht auch noch zus\u00e4tzlich 30 \u20ac in Metall angesammelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 4.30 Uhr hab ich das Auto abgestellt und wie immer um 3 Minuten meine Bahn verpasst, was runde 20 Minuten in bitterer K\u00e4lte bedeutete. Fest entschlossen, mir zum Abschluss des Tages etwas vom D\u00f6ner zu g\u00f6nnen, habe ich dann feststellen d\u00fcrfen, dass am heutigen Morgen neben dem \u00fcblichen &#8222;Kein Fleisch&#8220; auch &#8222;Kein Salat&#8220; im Angebot war. Also hab ich immer noch etwas Hunger. Aber auch Geld, mir was zu essen zu kaufen \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00e4chsten Mittwoch mache ich aber wieder frei. So viel Gef\u00fchlsachterbahn vertr\u00e4gt ja keiner&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das mache ich normalerweise ja wirklich. Sonntag und Mittwoch sind meine freien Tage. Aber wenn ich Sonntags mal arbeite, dann ziehe ich Montag und Dienstag zu einem Zwei-Tages-Wochenende zusammen und arbeite eben auch Mittwoch. So wie gestern&#8230; Es war eine abartige Schicht. Selten lagen Kummer und Freude binnen einer Schicht so nahe beieinander. 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