{"id":4948,"date":"2010-02-04T08:52:29","date_gmt":"2010-02-04T07:52:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=4948"},"modified":"2010-02-04T08:52:29","modified_gmt":"2010-02-04T07:52:29","slug":"ein-fast-normaler-tag-im-wahnsinn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/02\/04\/ein-fast-normaler-tag-im-wahnsinn\/","title":{"rendered":"Ein fast normaler Tag im Wahnsinn"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich schreibe so oft, dass ich Taxifahren f\u00fcr meinen Traumjob halte. Die meisten verstehen das nicht so wirklich und sehen meist nur die Zahlen vor dem Komma. Zugegeben, ich h\u00e4tte auch manchmal gerne noch eine Stelle mehr dort stehen, aber sonst wird unsere Bundeskanzlerin noch neidisch und das will ja keiner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die letzten 24 Stunden waren irgendwie so ein richtig chaotischer Tag und irgendwie doch auf ihre eigene Art normal, sodass ich sie gerne einfach mal schildern will. Normal war vor allem, dass ich nicht viel au\u00dfer Arbeit auf den Plan gekriegt habe, der Rest war das Chaos. Vielleicht gibt es ja einen besseren Einblick in mein Leben als es ein ausget\u00fcftelter R\u00fcckblick je kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 5.30 Uhr<br \/>\nUngew\u00f6hnlich fr\u00fch lasse ich mich auf meine Matratze fallen, was vor allem deswegen der Fall ist, weil ich so langsam Abrechnung machen muss und dazu dank einer Stunde Anfahrtszeit schon um 17 Uhr aus dem Haus muss und davor gerne noch einkaufen, duschen und so weiter erledigen will. Zur Bank muss ich auch noch. Au\u00dferdem bin ich m\u00fcde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 10.00 Uhr<br \/>\nWie immer wache ich zu einer meinem angestrebten Tagesablauf v\u00f6llig entgegenstehenden Zeit auf. Ich am\u00fcsiere mich \u00fcber die unfreiwillige Komik dahinter, lese eine Stunde im Internet rum und rauche ein paar Zigaretten. Dann geht es wieder ins Bett. Nach anderthalb Stunden bl\u00f6dsinnigem Sinnieren schlafe ich tats\u00e4chlich nochmal ein und schaffe es irgendwie, meinen Wecker um 15 Uhr zu \u00fcberh\u00f6ren. Irgendwie nur zu logisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 17.00 Uhr<br \/>\nIch habe es geschafft, ein paar Kommentare zu beantworten, ein bisschen Nahrung zu mir zu nehmen und mich zu reinigen. Die Rasur hat Zeit bis morgen und ich bin so oder so schon zu sp\u00e4t. Gut zu wissen, dass Cheffe am Monatsanfang immer l\u00e4nger im B\u00fcro ist. Ich mache mich auf den Weg und am\u00fcsiere mich dar\u00fcber, dass selbst die cleversten Stra\u00dfenr\u00e4uber nicht auf die Idee kommen w\u00fcrden, dass ich in meiner werbebedruckten Leinentasche fast 3000 \u20ac mit mir herumtrage. Die ausgebliebene Rasur unterst\u00fctzt meine Tarnung. Perfekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 18.15 Uhr<br \/>\nIch komme im B\u00fcro an und werde mit heillosem Durcheinander konfrontiert. Zwei von drei Cheffes sind nicht anwesend und der letzte verbleibende ist entsprechend besch\u00e4ftigt. Ich darf mein Geld selber z\u00e4hlen und zur Seite legen. Gut, dass ich meinen Chefs vertraue. Mir wird ein R\u00fcckruf versprochen, um meine Z\u00e4hlk\u00fcnste und damit den Geldeingang zu verifizieren. Na denn&#8230;<br \/>\nIch treffe Kollege J. und frage ihn spontan, ob er mich zu meinem Auto fahren k\u00f6nnte. Er kann. Mit dem Taxi zur Arbeit und dann auch noch Geld gespart! Als ob nicht jeder seinen Job f\u00fcr irgendwelche Verg\u00fcnstigungen nutzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 18.50 Uhr<br \/>\nIch komme am Auto an und mein Tagfahrer sitzt noch drin. Dank meines unsteten Lebenswandels hab ich ihn etwa zwei Monate nicht gesehen. Hab ihn dennoch wiedererkannt. Kurzer Smalltalk und eine Ermahnung an meine Adresse, ich solle doch im Winter die Handbremse nicht anziehen wegen Festfrieren und so. Ich gelobe Besserung, aber das ist nicht das erste Mal.<br \/>\nIch verziere den Abschreiber mit ein paar kryptischen Zahlen und fahre heim.<br \/>\nDas ist in der Tat was Besonderes, aber ich habe Ozie versprochen, den Abend zu Hause zu verbringen. Meine Statistiken sagen mir, dass die letzte Woche gut genug war, um heute lediglich 18 \u20ac einzufahren. Das schaffe ich auch nach 0 Uhr noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 19.30 Uhr<br \/>\nIch komme zur T\u00fcr rein und das Telefon klingelt. Chef. Die Abrechnung stimmt. Prima.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 20.00 Uhr<br \/>\nIch beschlie\u00dfe, meinen vegetarischen Monat an Ort und Stelle zu beenden und Ozie schl\u00e4gt Schinkenmakkaroni vor. Gebongt. Im Anschluss kaufen wir ein, kochen und essen. Nebenbei ziehen wir uns ein wenig &#8222;The Big Bang Theory&#8220; rein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 22.40 Uhr<br \/>\nOzie ist todm\u00fcde, mir geht es komischerweise nicht anders. Ich bringe Ozie ins Bett und beschlie\u00dfe eine Stunde Mittagsschlaf vor Arbeitsbeginn. Naja, anderthalb. Der Wecker steht auf 0.20 Uhr<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittwoch, 23.30 Uhr<br \/>\nIch bin noch nicht eingeschlafen und beschlie\u00dfe, es nicht mehr zu versuchen. In der K\u00fcche braue ich mir kurz einen schwarzen Tee zusammen und sehe mir noch kurz das Internet an. Es ist noch da.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Donnerstag, 0.00 Uhr<br \/>\nIch fahre erstmals an diesem Tag mit ernsthaftem Interesse am Geldverdienen los. Waghalsiges Ziel sind 20 bis 40 \u20ac. Bis fast zum Ostbahnhof komme ich. Dann eine Kurzstrecke. Ziel, ich komme dir n\u00e4her!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Donnerstag, 2.25 Uhr<br \/>\nIch habe fast 60 \u20ac auf der Uhr. Als ob es das normalste der Welt w\u00e4re in der Nacht auf Donnerstag. Meine M\u00fcdigkeit ist verflogen, ich beschlie\u00dfe, ein wenig weiterzufahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Donnerstag, 5.08 Uhr<br \/>\nDer Hunni ist drin, noch einmal kurz Winker, dann fahre ich das Auto mit respektablen 118 \u20ac zum Abstellplatz. Ich bin \u00fcberzeugt davon, ich h\u00e4tte weniger verdient, wenn ich um 19 Uhr die Schicht begonnen h\u00e4tte. Suggestion ist m\u00e4chtig. Halbe Schichten f\u00fcr ein Halbjahr legitimiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Donnerstag, 6.00 Uhr<br \/>\nInzwischen warte ich seit 15 Minuten auf meine Bahn. Gl\u00fccklicherweise habe ich heute nur meine Sommerjacke dabei. So komme ich bei -2\u00b0C nicht so leicht ins Schwitzen. Noch drei Minuten. Immerhin: Die Bahn ist p\u00fcnktlich. Ist ja keine S-Bahn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Donnerstag, 6.20 Uhr<br \/>\nIch bin zuhause. Ozie ist schon wach. Meine intellektuelle Leistung in der n\u00e4chsten Stunde besteht aus einem f\u00fcnfzeiligen Blogeintrag (siehe unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Donnerstag, 7.25 Uhr<br \/>\nOzie verl\u00e4sst das Haus. Ich auch. Brot kaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt sitze ich seit fast einer Stunde an diesem Eintrag und wenn der fertig ist, werde ich noch ein bisschen Trackmania zocken. Und dann gem\u00fctlich 8 Stunden ausschlafen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir ist klar, dass es jetzt eine Menge ratlose Gesichter gibt, die vor verschiedensten Monitoren diesen Beitrag lesen und sich fragen: What the Fuck? Ich weiss es auch nicht. Alles, was ich damit eigentlich wollte, ist zum Nachdenken anzuregen, wo Chaoten wie ich bessere Lebensbedingungen finden w\u00fcrden als im Taxigewerbe. Nat\u00fcrlich war das nicht normal. Aber eben doch irgendwie typisch. Glaubt mir, ich mag mein Chaos \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schreibe so oft, dass ich Taxifahren f\u00fcr meinen Traumjob halte. Die meisten verstehen das nicht so wirklich und sehen meist nur die Zahlen vor dem Komma. Zugegeben, ich h\u00e4tte auch manchmal gerne noch eine Stelle mehr dort stehen, aber sonst wird unsere Bundeskanzlerin noch neidisch und das will ja keiner. 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