{"id":308,"date":"2008-12-12T23:19:22","date_gmt":"2008-12-12T22:19:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=308"},"modified":"2012-11-01T06:25:05","modified_gmt":"2012-11-01T04:25:05","slug":"gute-laune-und-es-wird-hell-naja-bald","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2008\/12\/12\/gute-laune-und-es-wird-hell-naja-bald\/","title":{"rendered":"Gute Laune, und es wird hell &#8230;naja bald!"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">So, eine Schicht mehr runtergerissen. Wobei runtergerissen eine bl\u00f6de Umschreibung ist. Ich bin nat\u00fcrlich fertig &#8211; wie das halt so ist, wenn man 9 Stunden mehr oder minder im Auto sa\u00df. Ansonsten war aber nicht viel von Stress zu sp\u00fcren. Ich bin erst sp\u00e4t aus dem Haus, weil ich zum einen noch W\u00e4sche trocknen musste, zum anderen &#8211; und wichtigeren &#8211; noch ein wenig genie\u00dfen wollte, mein Ozie zu sehen. Den heutigen Tag \u00fcber wird das wohl nicht der Fall sein &#8211; au\u00dfer ich versumpfe jetzt beim Bloggen. Das ist definitiv das harte an der Nachtschicht. Ansonsten genie\u00dfe ich es wahnsinnig, einen anderen Rhytmus zu haben wie die meisten anderen. Wenn ich mit der Bahn zu meinem Auto fahre, sehe ich mir die Leute an und denke mir: Mein Gott, seid ihr schon fertig! Und wenn ich morgens heimfahre, denke ich mir immer: \u00c4tsch, ich kann jetzt gleich schlafen!<br \/>\nKeine Sorge, mir ist bewusst, dass das umgekehrt genauso funktioniert. Das Sch\u00f6ne ist: Ich f\u00fchle mich so, ich rede mir das nicht ein um mein Elend ertr\u00e4glicher zu machen. Ich hab das Auto erst kurz vor 21.30 Uhr an der \u00dcbergabestelle abgeholt. Es war blitzblank und topp wie immer. An dieser Stelle muss ich meinen Tagfahrer H. echt mal lobend erw\u00e4hnen. Bisher hat da immer alles mehr als astrein geklappt. So soll es laufen. Ich hoffe, dass es auch immer seinen W\u00fcnschen entspricht, wie ich die Kiste abstelle. Sollte aber ok sein &#8211; ich gebe mir M\u00fche. Um halb zehn war dann die Taxe mit dem Sash am Steuer einsatzbereit. Ich bin wie immer halbwegs direkt zum Ostbahnhof gegurkt, allerdings mache ich das inzwischen m\u00f6glichst ohne \u00fcbertrieben viele Hauptstra\u00dfen, da viele Winker nebenbei in den kleineren Stra\u00dfen warten. War aber nichts. Nach einer gem\u00fctlichen Runde hier und da lang habe ich mich dann an den Bahnhof gestellt, weil da einfach immer was geht. Man wartet vielleicht ewig, aber man kriegt was. Am Ostbahnhof sogar verdammt oft, wenn man weiter hinten in der Reihe steht, weil der Nachr\u00fcckplatz vor dem InterCity-Hotel vorbeif\u00fchrt.<br \/>\nEs war dann schon um 22 Uhr etwa, als ein reichlich desillusioniert wirkender junger Mann mich fragte, ob ich ihn zur Machlewskistr. mitnehmen w\u00fcrde. Bl\u00f6de Frage! Klar. Zwei Kollegen vorher waren sich offenbar zu fein f\u00fcr die kurze Tour. Dabei standen wir am Stand, will hei\u00dfen: Kurzstreckentarif ist nicht drin, obwohl es keine zwei Kilometer sind. Ich weiss ja, dass es scheisse ist, auf eine 5\u20ac-Tour eine Stunde zu warten. Aber dann soll man sich nicht eine Stunde anstellen. Das mit den Kundenw\u00fcnschen ist das Roulette beim Taxifahren &#8211; und eigentlich ist es auch das Sch\u00f6ne &#8211; wenn man nicht verbissen nach jedem Cent schielt. Die Tour brachte 5,10 \u20ac, ich durfte 6,50 draus machen &#8211; also eigentlich gar nicht soo schlecht \ud83d\ude42<br \/>\nDa es noch fr\u00fch am Abend war, bin ich gleich wieder zum Bahnhof gegurkt. So hatte ich keine halbe Stunde sp\u00e4ter eine Fahrt in die Siedlung Wartenberg. Das ist eine 20\u20ac-Tour. Also nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der Schnitt in Berlin 10,70 \u20ac sind. War ein \u00e4lteres Ehepaar, das beim Elton-John-Konzert war. Hat der Gute scheinbar recht kurz gespielt&#8230; aber die beiden meinen, es war gut &#8211; und entsprechend war auch die Laune. Prima! Leider ist der R\u00fcckweg aus dem tiefsten Osten eigentlich immer eine Leerfahrt. Zumindest momentan noch. Wo sich da um 23 Uhr jemand finden soll, der in die City will&#8230; wer weiss? Immerhin hat&#8217;s in F-Hein noch zu einer kurzen Fahrt f\u00fcr 4,50 \u20ac gereicht. Nachdem an den umliegenden Clubs nichts los war, stand ich wieder am Bahnhof. Nun folgten gleich zwei Touren mit Opeth-Fans, die bei einem Konzert waren. Die erste Tour grob Richtung Prenzlberg &#8211; wo mir eine Metal-Kneipe empfohlen wurde &#8211; und eine an den Rosenthaler Platz. Letztere war insofern erw\u00e4hnenswert, als ich drei Israelis an Bord hatte, die im Grunde wegen des Konzertes in Berlin waren und das Ganze mit einer kleinen Reise \u00fcber Prag durch Mitteleuropa genutzt haben. Waren beides 10\u20ac-Touren, guter Schnitt halt.<br \/>\nAls ich dann nach verschlungenen Wegen wieder an meinem Heimatbahnhof gelandet bin, bot sich mir ein seltenes Bild: Kein Taxi! Aber ein Wartender. Also nichts wie hin! War ein ziemlich junger Pizzabote aus Hamburg, den Bargeldsorgen qu\u00e4lten. Ich habe seines Fahrtziels wegen das erste Mal einen Blick in den Stadtplan geworfen, weil ich nicht mehr sicher wusste, ob der Bahnhof Charlottenburg wirklich der am Stuttgarter Platz war. Peinlich, ich gebe es ja zu. W\u00e4hrend wir uns \u00fcberlegten, wo wir hin m\u00fcssen und wie er zu einer Deutschen Bank kommt, sammelten sich allerlei Taxi-W\u00fctige am Bahnhof, doch von Kollegen keine Spur. Im Laufe des Trubels habe ich vergessen, den Kollegen per Funk Bescheid zu sagen. Egal, das hat sich schon geregelt&#8230; Ich hatte nun eine echt entspannte Fahrt f\u00fcr \u00fcber 17 Euro, bei der ich am Ende dank des Trinkgeldes keine Bedenken hatte, meinem Fahrgast noch eine Kippe zu spendieren (das w\u00e4re aber auch so kein Thema gewesen!). Dann ging es Schlag auf Schlag: Zun\u00e4chst ein etwas schweigsamer Geselle vom Hotel Zoo nach Wilmersdorf, dann eine sehr unterhaltsame Dreiergruppe Afrikaner von dort nach Wedding.<br \/>\nAber das war es dann erstmal. Mein Lieblingsgebiet westlich des Alex gab keine Fahrg\u00e4ste her. Irgendwie ist es immer wieder skurril zwischen all den Prostituierten langzufahren, und wenn man erkennt, wer der Gegen\u00fcber ist, dann denken wir wahrscheinlich beide immer: Hmm, kein zahlener Kunde&#8230;<br \/>\nUnd so landete ich auf abstrusesten Wegen wieder am&#8230; (dreimal raten!) Ostbahnhof. Ich weiss nicht so recht, ob das ein Fehler war. Ich hab mich als Zweiter angestellt, aber passiert ist: NIX!<br \/>\nNaja, das w\u00e4re gelogen, denn nach einer halben Stunde vielleicht kam mein Kollege T., mit dem ich mich gerne mal \u00fcbers Gesch\u00e4ft unterhalte. Er ist selber erst zwei Wochen l\u00e4nger im Betrieb als ich und kann dennoch immer mal wieder mit netten Stories oder guten Tipps aufwarten. Wir haben uns dann zu zweit die Zeit vertrieben und uns die verstreichende Ankunftszeit der ersten Z\u00fcge am fr\u00fchen Morgen (ab 4.25 Uhr) sch\u00f6ngeredet. Ich habe mehrmals innerlich beschlossen, trotz einer eigentlich miserablen Ausbeute von 90 \u20ac Feierabend zu machen. Aber irgendwie blieb dieses &#8222;Die eine Tour noch, wann immer sie kommt&#8230;&#8220;<br \/>\nDann kamen zwei nette junge Damen auf mich zu und sind nach dem Verladen einer Tasche eingestiegen: &#8222;Wo soll&#8217;s denn hingehen zu so fr\u00fcher Stunde?&#8220;, fragte ich wie immer gut gelaunt (und das nicht einmal gespielt, denn neue Fahrg\u00e4ste erfreuen einen immer!). Die Antwort hat mir dann f\u00fcr einen unbemerkten Moment die Gesichtsz\u00fcge entgleisen lassen: &#8222;Tegel! Zum Flughafen!&#8220; F\u00fcr alle Nicht-Berliner: Das sind um die 16 km, also \u00fcber 20 \u20ac, und damit eine sehr angenehme Tour &#8211; insbesondere bei netten Leuten. Und das waren sie. Sie haben mich ausgequetscht \u00fcber die Taxi-Pr\u00fcfung und haben mir ein weiteres sehr sch\u00f6nes Kompliment gemacht:<br \/>\nSie: &#8222;Und wie sind sie zum Taxifahren gekommen?&#8220;<br \/>\nIch: &#8222;So seltsam es klingen mag: Aus Interesse!&#8220;<br \/>\nSie: &#8222;Ja, ich hab mir das schon gedacht. Das merkt man!&#8220;<br \/>\nDanach ging&#8217;s gut gelaunt und finanziell nur knapp unter den Erwartungen zur\u00fcck zum Tanken, Waschen und Abstellen. &#8222;Lemon Tree&#8220; von Fool&#8217;s Garden k\u00f6nnte \u00fcbrigens echt meine Taxi-Hymne werden, denn das lief dann auf dem R\u00fcckweg und hat mich zudem an eine meiner ersten Touren &#8211; die erste richtig ordentliche Party-Tour &#8211; erinnert, als das den ganzen M\u00e4dels in meiner Kiste den kurzen Weg zum Spindler und Klatt zum Vorfeiern diente.<br \/>\nWas will ich sagen: Ich liege finanziell immer noch hinter dem, was ich erreichen will. Das ist aber wirklich derma\u00dfen zweitrangig, weil mir der Job so viel Spa\u00df macht, dass es schon nicht mehr feierlich ist. Es ist manchmal komisch, wenn man bedenkt, dass die anderen Leute feiern, w\u00e4hrend ich arbeite. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit! Wenn ich mir \u00fcberlege, dass ich \u00e4hnlich gute Laune bei der Sache habe, dann kann doch nur irgendwas in meinem Leben verdammt richtig gelaufen sein, oder?<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, eine Schicht mehr runtergerissen. Wobei runtergerissen eine bl\u00f6de Umschreibung ist. Ich bin nat\u00fcrlich fertig &#8211; wie das halt so ist, wenn man 9 Stunden mehr oder minder im Auto sa\u00df. Ansonsten war aber nicht viel von Stress zu sp\u00fcren. 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