{"id":224,"date":"2009-02-15T07:48:22","date_gmt":"2009-02-15T06:48:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=224"},"modified":"2011-08-20T17:48:54","modified_gmt":"2011-08-20T15:48:54","slug":"die-beste-tour-des-abends","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2009\/02\/15\/die-beste-tour-des-abends\/","title":{"rendered":"Die beste Tour des Abends"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Naja, in der heutigen Nacht war ich nicht so wirklich ein Gl\u00fcckspilz. Ich hab eigentlich ganz ordentlich Touren bekommen, aber es waren immer kurze Strecken. Irgendwann nach 7 Stunden hatte ich mich dann langsam zu meinem Hunderter Umsatz durchgek\u00e4mpft. 98 \u20ac nach 14 Touren &#8211; das ist mies. Am Berghain stiegen dann zwei junge Leute ein, M\u00e4nnlein und Weiblein, offensichtlich aneinander interessiert. Oder so. Sie war in einem eher bedenklichen Zustand, er eher fitter. So die \u00fcbliche &#8222;Die hab ich abgef\u00fcllt und jetzt geht es zu mir nach Hause&#8220;-Tour&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dachte ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich stellte alsbald fest, dass er nur des Englischen, sie und ich des Deutschen und Englischen m\u00e4chtig waren. Viel zu sagen hatte sie dabei nicht, denn sie war wirklich in einem \u00fcblen Zustand. Am augenscheinlichsten wurde das in der ersten Kurve, nach der ich mich des Ger\u00e4uschs wegen sowohl um ihren Kopf, als auch um meine Scheibe hinten links sorgte. Ich kann Entwarnung geben: Allzuviel gemerkt hat sie davon offenbar nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er wohnte in einem Hotel nahe der Samariterstr., eine der \u00fcblichen 8\u20ac-Touren in dieser Nacht. Bevor wir dort ankamen, nannte sie mir jedoch als Fahrtziel eine Str. in Prenzlberg, naja, eher schon Pankow. Zun\u00e4chst wurden sie sich nicht einig, so stoppte ich an der Haltestelle Samariterstr. und gab den beiden Zeit zur Diskussion. Dann war klar: Wir fahren zu ihr. Na gut, mir sollte es recht sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gespr\u00e4che w\u00e4hrend der Fahrt bestanden zum einen aus der stetigen Nachfrage ihrerseits, ob ich auch wirklich zu ihr fahren w\u00fcrde, und aus seinen Versuchen, abzuchecken, ob er nicht vielleicht wenigstens bei ihr noch zum Zug kommen w\u00fcrde. Die Antwort fand ich ganz am\u00fcsant:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;No. I think, my boyfriend wouldn&#8217;t, oh I&#8217;m sooo fucking tired!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ihr treuer Freund seit einer Stunde, ein offenbar gl\u00e4ubiger Italiener, nahm das hin &#8211; und das, obwohl er das Taxi zu zahlen hatte. Naja, er kam daf\u00fcr in den Genuss einiger K\u00fcsse, die ich zumindest der Ger\u00e4uschkulisse nach als recht innig beschreiben w\u00fcrde. Was da wohl der &#8222;boyfriend&#8220; gesagt h\u00e4tte&#8230; Naja, sie lie\u00df sich dann ein paar Meter vor ihrer Haust\u00fcre absetzen, um noch frische Luft zu schnappen, was wiederum in Bewegungen m\u00fcndete, die alles andere als ungef\u00e4hrlich aussahen. Zudem war unklar, ob sie ihren Schl\u00fcssel zu benutzen in der Lage ist&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedenfalls bat mich ihr Zeitvertreib, ihr vorsichtig hinterherzufahren, damit wir sichergehen k\u00f6nnen, dass sie auch heil ins Haus kommt. Respekt. Ich h\u00e4tte das von mir aus auch gemacht &#8211; aber das gestaltet sich ja mitunter schwierig, wenn das Taxameter l\u00e4uft und ein Fahrgast hinten drin sitzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Minute sp\u00e4ter war sie tats\u00e4chlich weg, und ich durfte nun den Weg zur\u00fcck mit ihm antreten. Ein bisschen genervt war der gute Mann zwar schon, aber er hat es mit Humor genommen, und seinem Gott ein paar englische Fl\u00fcche entgegengeschmettert, sowie die Bitte, dieser soll wenigstens an diesen Abend und seine Gutm\u00fctigkeit denken, wenn sie sich mal treffen. Fand ich irgendwie irre komisch, ich kann mir nicht helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben uns hier und da \u00fcber dies und das unterhalten, und als wir ankamen, standen 25,50 \u20ac auf der Uhr. Ein wenig derb ist es zwar schon, nach so einer Tour kein Trinkgeld zu bekommen, aber irgendwoher muss ja der miese Ruf kommen, den Italiener in unserer Branche haben. \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gut. Er stieg aus, und ich habe nochmal nach hinten gesehen, ob irgendwas liegen geblieben ist. Tatsache: Ein goldener Ring! Ich fragte ihn, ob es seiner sei, woraufhin er wieder die Arme gen Himmel riss und seinen Gott fragte, ob das das Geschenk f\u00fcr diesen Abend sei?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die beiden ihre Nummern ausgetauscht haben, habe ich &#8211; entgegen aller guten Vors\u00e4tze &#8211; beschlossen, jetzt nicht den Ring einzufordern. Irgendwie glaube ich, dass die beiden sich \u00fcber einen Grund freuen, sich wiederzusehen&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/359a1b9280de437b9ae0d659a8b6bbb7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naja, in der heutigen Nacht war ich nicht so wirklich ein Gl\u00fcckspilz. Ich hab eigentlich ganz ordentlich Touren bekommen, aber es waren immer kurze Strecken. Irgendwann nach 7 Stunden hatte ich mich dann langsam zu meinem Hunderter Umsatz durchgek\u00e4mpft. 98 \u20ac nach 14 Touren &#8211; das ist mies. 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