{"id":20148,"date":"2018-03-13T02:24:16","date_gmt":"2018-03-13T00:24:16","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=20148"},"modified":"2018-03-13T02:32:11","modified_gmt":"2018-03-13T00:32:11","slug":"handy-zurueckgegeben-und-wie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2018\/03\/13\/handy-zurueckgegeben-und-wie\/","title":{"rendered":"Handy zur\u00fcckgegeben. Und wie!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als ich gestern schrieb, dass ich mir bez\u00fcglich des gefundenen Handys auch weiterhin einen interessanten Verlauf vorstellen k\u00f6nnte, hatte ich mit viel gerechnet, aber nicht mit Oleg. Oleg war der Besitzer des Handys, der mich im Laufe des Morgens noch vor dem Weckerklingeln ungef\u00e4hr 30-mal angerufen hat. Was ich 29-mal ignorieren konnte, aber irgendwann ist halt Schluss. Aber ich will nicht l\u00fcgen: So nervig ich es in dem Moment fand, war ich froh drum. Denn \u00fcbers Fundamt h\u00e4tte das alles viel l\u00e4nger gedauert. Au\u00dferdem hatte ich bei unserer Fahrt herausgeh\u00f6rt, dass Oleg wohl nur zu Besuch in Deutschland war und das alles sonst vielleicht nur \u00fcber viele weitere Umwege geklappt h\u00e4tte, ihm das Telefon zukommen zu lassen. Und wenn ich mir den ganzen Mist aufb\u00fcrde, den ja selbst die Zentrale als &#8222;immerhin sehr nett&#8220; bezeichnet, dann ja wohl, um jemandem eine Freude zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Gehirn ist da altmodisch: Es sch\u00fcttet Endorphine aus, wenn ich Leuten helfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Telefon stellte sich schnell raus, das Oleg noch weniger deutsch oder englisch konnte, als ich es im Ged\u00e4chtnis hatte. Mit M\u00fche und Not schafften wir es, uns auf die Stra\u00dfe, in der ich ihn und seinen Kumpel (allerdings an einem Imbiss mit anderer Nummer) eingeladen hatte, eine Hausnummer und eine Zeit &#8211; 11 Uhr &#8211; zu einigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann bin ich hingefahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seinen Namen hab ich an der Klingel nicht gefunden, also hab ich erst einmal abgecheckt, ob es nicht ein Zahlendreher gewesen sein k\u00f6nnte. Aber die Nummer gab es gar nicht erst. Dann hab ich in der Not tats\u00e4chlich geschafft, auf einem auf moldawisch gestellten Telefon mittels der Kontaktliste eine Nummer zu finden, unter der ich Oleg erreichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Juhu?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den meisten unter uns passiert das selten, selbst mir, aber nun hatte ich diesen ganz seltenen Fall, dass unsere Sprachkenntnisse sich so wenig deckten, dass wir es einfach nicht geschafft haben, miteinander zu kommunizieren. Oleg konnte seine Adresse fehlerfrei auf deutsch sagen, verstand im Gegenzug aber nicht, dass ich bereits vor Ort war und nur wissen musste, wo ich klingeln soll. Und nat\u00fcrlich handelte es sich um ein Hochhaus mit dr\u00f6lfzig Namen, die ich wirklich nicht verdachtsweise durchprobieren wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich sanken mit der Zeit zwischen unseren fruchtlosen Telefonaten meine Hemmungen, aber am Ende hatte ich nur ein paar der offensichtlich osteurop\u00e4isch klingenden Namen auf dem Klingelbrett gedr\u00fcckt. Mit Rumsuchen nach der eventuell anderen Hausnummer und all den Verz\u00f6gerungen zwischen unseren Telefonaten und SMS summierte sich das auf atemberaubende anderthalb Stunden auf, w\u00e4hrend er in der Wohnung seines Cousins sa\u00df und ich im Grunde meist vor seiner Haust\u00fcre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hab ich zigmal \u00fcberlegt, wieder heimzufahren und das Handy einfach ans Fundamt zu schicken. Aber Oleg war halt nur ein fucking Berlin-Besucher, der kein Deutsch konnte (abgesehen von beinahe ausnahmslos St\u00fccken wie &#8222;Vielen Dank&#8220;, &#8222;sehr nett&#8220;, &#8222;freue mich&#8220;, &#8222;gut&#8220; und &#8222;sch\u00f6n&#8220;), der sein Handy mit Bildern seiner Tochter verloren und mir 15 Stunden zuvor das beste Trinkgeld der Woche gegeben hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht einmal mehr, welche Kombination aus meinen Worten (jetzt, hier, waiting, \u00f6ffnen, T\u00fcr, door, open, now, please) am Ende den Ausschlag gegeben hat, dass er mit Schamesr\u00f6te im Gesicht runterkam. Aber ich wei\u00df noch, was seine ersten Worte waren:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Tschuljung, tschuljung, Sascha! Wieviel? Wieviel Geld?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er reichte mir direkt einen Zehner und ich gebe zu, dass ich in dem Moment noch etwas angepisst war, weil ich \u00fcber eine Stunde telefonierend in der Hellersdorfer Pr\u00e4rie rumgesessen war. Aber ich habe gesagt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Komm, passt schon. Ist ok!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und er hat sichtlich zerknirscht einen weiteren Zehner gez\u00fcckt und &#8222;Bijette, bijette, ok!?&#8220; gesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn ich f\u00fcr die Chose am Ende alleine 5,60 \u20ac Fahrtkosten hatte &#8230; ich hab&#8217;s dankend angenommen und ihm auf die Schulter geklopft. Manche Dinge passieren eben, wenn auch gl\u00fccklicherweise nicht jede Woche. \ud83d\ude09<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/a06b560a964b44e0b06e414e7323c6b7\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich gestern schrieb, dass ich mir bez\u00fcglich des gefundenen Handys auch weiterhin einen interessanten Verlauf vorstellen k\u00f6nnte, hatte ich mit viel gerechnet, aber nicht mit Oleg. Oleg war der Besitzer des Handys, der mich im Laufe des Morgens noch vor dem Weckerklingeln ungef\u00e4hr 30-mal angerufen hat. 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