{"id":19866,"date":"2017-10-04T06:24:02","date_gmt":"2017-10-04T04:24:02","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=19866"},"modified":"2017-10-04T01:32:42","modified_gmt":"2017-10-03T23:32:42","slug":"never-weg-oder-ganz-weg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2017\/10\/04\/never-weg-oder-ganz-weg\/","title":{"rendered":"Never weg. Oder ganz weg."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Nachhinein sehen Touren, die am Ende schei\u00dfe ausgehen, ja immer so vorhersehbar aus, dass es geradezu nervig ist. Drei volltrunkene Polen in Marzahn, die kaum erkl\u00e4ren konnten, wo sie hinwollten. Ich h\u00f6re die Kollegen schon schreien, dass ich das ja h\u00e4tte besser wissen k\u00f6nnen. Sei es wegen des Alkohols, wegen Marzahn und &#8211; ach, Polen, nat\u00fcrlich, wei\u00df man ja!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, ich sag&#8217;s gleich vorneweg: Wegen dieser einen Tour von besoffenen Vollpfosten, die halt alle zwei Jahre dann auch mal vorkommt, werde ich trotzdem nicht xenophob. Das bin ich all den grenzdebilden Russen schuldig, die mir Extratrinkgeld f\u00fcr eine lustige Fahrt spendiert haben. Und die sind nunmal in der \u00dcberzahl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gut, nun diese Baggage. Ich hab sie keine 500 Meter von meiner Haust\u00fcre entfernt aufgegabelt und die Verst\u00e4ndigung war sehr schwer. Aber das kommt vor. &#8222;Newerweg five&#8220; war die Zieladdresse und nat\u00fcrlich gab&#8217;s die nicht. Weder im Navi, noch bei Google. Unser Stopp in der Pr\u00e4rie dauerte eine Weile. Am Ende hab ich einem der drei meinen Stromanschluss zur Verf\u00fcgung gestellt und es war dann halt doch &#8222;Neuer Weg 5&#8220; in K\u00f6penik. Mit Reverse Engineering gab dann sogar das &#8222;Kompaninsk&#8220; in ihren Hinweisen Sinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00fcckblickend f\u00e4llt es mir schwer, die Typen sympathisch zu nennen, aber sie waren zu echter Begeisterung f\u00e4hig, als wir das Ziel endlich identifiziert hatten und die Aussicht auf gerademal 20 Minuten Heimweg schien ihnen sehr zuzusagen. Bis zu diesem Punkt wirkte das vermutlich deswegen so glaubw\u00fcrdig, weil sie nat\u00fcrlich wirklich froh waren, so schnell heimzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ja: Auch beim Preis (30\u20ac) gab es kein Zucken, gerade der Typ neben mir hat eh die ganze Zeit besoffen vor sich hingel\u00e4chelt und ungef\u00e4hr alle anderthalb Minuten erneut nachgefragt, ob ich sie in den Newerweg five bringen w\u00fcrde. Ganz im Ernst: F\u00fcr einen Sonntagmorgen um 3.00 Uhr waren die nicht weit vom Durchschnitt entfernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u00e4nderte sich erst am Ziel. Am Neuen Weg sollte ich vorbeifahren, aber so komisch das mit all dem nachtr\u00e4glichen Wissen klingt: Dass es da einen Hintereingang gibt &#8230; das w\u00e4re so unlogisch nicht gewesen. Nur mal so f\u00fcr alle, die dann ankommen und sagen, dass man da ja was h\u00e4tte bemerken m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also Stopp an der n\u00e4chsten Kreuzung. Mein Beifahrer meinte beim Aussteigen &#8222;Funf Minut&#8220;, woraufhin ich beim Feststellen, dass die anderen beiden auch gleich ausstiegen, sofort ein &#8222;Stop, one Moment Guys!&#8220; in die Runde geworfen habe. Denn nein, die Typen h\u00e4tte ich ohne Pfand nicht gehen lassen wollen. Aber den Braten haben sie schnell gerochen und noch bevor ich den Satz beendet hatte, fl\u00fcchteten sie. Und das, zugegeben, geschickt: Entgegen der Fahrtrichtung des Autos, zwei in die eine, einer in die andere Stra\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ich sie nicht schnell einholen w\u00fcrde, war mir klar. Also mal ganz ab von meiner miesen Sprint-Performance: Ich sa\u00df noch angeschnallt im Auto.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ich nun nicht v\u00f6llig bescheuert bin, hab ich erst einmal nachgedacht: Wir hatten so einen Stress, die Adresse zu finden und die Kandidaten waren besoffen. Die haben niemals eine andere Stra\u00dfe angegeben! Also bin ich gleich mal zur\u00fcckgefahren und doch in den Neuen Weg eingebogen. Eine Einfamilienhaussiedlung, \u00fcppige G\u00e4rten um die H\u00e4user, enge Stra\u00dfen. Da sie gesagt hatten, sie arbeiteten hier, h\u00e4tte ich mich nicht gewundert, sowas wie ein Arbeiterwohnheim oder sowas zu finden. Aber nix da. Und gerade Nummer 5 war eindeutig ein Familiendomizil und ja, ich habe mal kurz gecheckt, ob der Name an der Klingel vielleicht doch zuf\u00e4llig osteurop\u00e4isch klingt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich wollte ich wegfahren, aber dann hab ich mir gedacht, dass ich trotz guter Samstagsschicht nat\u00fcrlich wenigstens pro forma mal die Cops informiere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Notruf musste ich locker zwei Minuten in der Warteschleife verbringen. Ich gebe zu, ich hatte da ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil es mir eigentlich ziemlich egal war und andere sicher dringendere Probleme hatten, aber da war ich dann am Ende doch trotzig. Das bl\u00f6de Grinsen meines Beifahrers wollte ich wirklich nicht als letzten Sinneseindruck von dieser Tour haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber klar: Der Typ, der nach der Warteschleife ranging, hat mir auch nur gesagt, dass ich mir eigentlich keine Hoffnung machen sollte und falls ich eine Anzeige aufgeben wolle, doch bitte zur n\u00e4chsten Wache fahren sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber just in dem Moment, in dem ich sagen wollte, dass ich es dann vielleicht doch lieber lasse, sah ich, dass offenbar zwei der Typen in rund 100 Metern Entfernung geduckt in eben genau den Neuen Weg gehuscht kamen und dann schnell auf einem Grundst\u00fcck verschwanden. Also hab ich die Kawallerie doch noch herbeordert. Ganz so falsch lag ich mit meiner Idee, dass zumindest die Stra\u00dfe (eine 150m-Sackgasse) durchaus richtig war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber um es kurz zu machen: Gebracht hat das nat\u00fcrlich nix. Ich konnte von meiner Position aus nicht sehen, ob sie auf das erste oder zweite Grundst\u00fcck gefl\u00fcchtet waren (mit 100% Gewissheit nicht einmal, dass es welche von den Typen sind) und in keinem der anliegenden H\u00e4user brannte anschlie\u00dfend wenigstens verr\u00e4terisch Licht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und noch bevor mir am Ende die Beamten versucht haben, das behutsam zu erkl\u00e4ren, war mir klar &#8211; und das wird immer meine \u00dcberzeugung sein! &#8211; dass die Polizei nicht mal eben um 3.30 Uhr bei f\u00fcnf Nachbarn Sturm klingeln kann, nur weil irgendwo in der Gegend ein paar Typen sich eine Dienstleistung im Wert von 30\u20ac erschlichen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl eine Zivilstreife noch ein paar Minuten durch die Siedlung gegurkt ist, war das f\u00fcr mich am Ende eine kurze Sache inklusive Pro-Forma-Anzeige, die ich schon gerne hab, um meinen Chefs was in die Hand dr\u00fccken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich h\u00e4tte ich die Kohle gerne, aber nat\u00fcrlich werde ich sie nie sehen. Manchmal ist das Leben schei\u00dfe, so ist es halt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df, dass sich viele Kollegen in solchen Situationen gerne in Hasstiraden ergehen, die die letzten 500 Jahre Zivilisationsgeschichte auf einen Schlag vergessen machen. Ich will deshalb, obwohl ich mich \u00fcber das Grinsen meines Beifahrers weiter aufrege, etwas vers\u00f6hnlicher schlie\u00dfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei Typen haben mich um am Ende vielleicht 13\u20ac geprellt (und meine Chefs um vielleicht noch einmal einen F\u00fcnfer). Also netto. Und ehrlich gesagt: Eigentlich kann ich das verkraften. Nat\u00fcrlich will ich das nicht hinnehmen, aber jetzt, wo&#8217;s so gelaufen ist, hoffe ich einfach, dass der Zehner, der jedem dieser Typen durch die Schei\u00dfe erspart geblieben ist, ihnen wenigstens mehr wert ist als mir mein Geld. Ich f\u00e4nd&#8217;s schei\u00dfe, wenn (was ich vermute) die drei sich jetzt einfach nur den Arsch ablachen \u00fcber den dummen Taxifahrer. Aber falls es wider Erwarten so sein sollte, dass die wirklich mehr gewonnen haben als ich verloren, dann bitte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Aber dann mal unter uns, Jungs: Ich h\u00e4tte Euch dann trotzdem gerne wenigstens den verdienten Tritt in den Arsch mitgegeben!)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/11560622932d46b9a0491cad28f549a0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Nachhinein sehen Touren, die am Ende schei\u00dfe ausgehen, ja immer so vorhersehbar aus, dass es geradezu nervig ist. Drei volltrunkene Polen in Marzahn, die kaum erkl\u00e4ren konnten, wo sie hinwollten. Ich h\u00f6re die Kollegen schon schreien, dass ich das ja h\u00e4tte besser wissen k\u00f6nnen. 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