{"id":19516,"date":"2017-02-02T08:12:38","date_gmt":"2017-02-02T06:12:38","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=19516"},"modified":"2017-02-02T07:42:26","modified_gmt":"2017-02-02T05:42:26","slug":"warum-journalisten-die-bescheuertsten-fahrgaeste-berlins-sind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2017\/02\/02\/warum-journalisten-die-bescheuertsten-fahrgaeste-berlins-sind\/","title":{"rendered":"Warum Journalisten die bescheuertsten Fahrg\u00e4ste Berlins sind"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Na gut, na gut, Ihr habt mich erwischt: Das war eine v\u00f6llig substanzlos \u00fcbergeigte \u00dcberschrift, die die Realit\u00e4t \u00fcberhaupt nicht widerspiegelt und gerade ich als nicht nur Taxifahrer (sondern auch Blogger und Autor) hab mit Journalisten auch schon <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/berlin\/taxifahrer-in-berlin-ueber-bordellbesucher-und-mickrige-loehne-1364700\">grandiose Erfahrungen<\/a> gemacht. Was kein Wunder ist, denn zum einen gibt&#8217;s tausende unterschiedliche Journalisten, zum anderen eint sie wenigstens ein Job, der ein Interesse an ihrem Gegen\u00fcber erfordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und eines verbindet dann uns Journalisten und Taxifahrer wirklich: Wir haben beide immer nur sehr wenig Zeit f\u00fcr ein bestimmtes Gegen\u00fcber und m\u00fcssen es in eine Schublade einsortieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle kommen wir an den Punkt, an dem ich ein Problem mit einem vor ein paar Tagen bei der Welt erschienenen <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article161563687\/Warum-eine-Taxifahrt-in-Berlin-die-ultimative-Demuetigung-ist.html\">Text<\/a> von <a href=\"https:\/\/twitter.com\/realDennissand\">Dennis Sand<\/a> (Link zu Twitter) habe. Ich als Taxifahrer und noch mehr als Taxiblogger packe meine Fahrg\u00e4ste nat\u00fcrlich auch in Schubladen. Gute wie schlechte, falsche wie richtige. Nat\u00fcrlich landet auch der einmal in 10 Jahren Betrunkene mal versehentlich in der Immer-Party-Schublade, andererseits sind F\u00e4cher wie &#8222;Axel-Springer-Journalisten, die glauben, das Taxigewerbe verstanden zu haben&#8220; dann doch eng genug gefasst, um Dennis Sand einfach mal unbesorgt reinzulegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eben genau so, wie f\u00fcr Journalisten alles was ein Taxifahrer macht darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass er Taxifahrer ist. Und die Absurdit\u00e4t zeigt sich schon am oberfl\u00e4chlichen Aufh\u00e4nger von Sands ganzem Artikel: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article161389242\/Warum-Cem-Oezdemir-in-Berlin-selten-ins-Taxi-steigt.html\">Dass Cem \u00d6zdemir wohl mehr als einmal in Berlin Probleme mit t\u00fcrkisch-nationalistisch eingestellten Taxifahrern hatte<\/a>. Ich will da nicht allzu pingelig sein, aber da hab ich als deutscher Antinationalist UND Berliner Taxifahrer jetzt ein paar kleine Schwierigkeiten mit der Anwendung dieser Pauschalkritik auf mich. Und das trifft ebenso auf die an dem Vollpfosten zu, der sich handgreiflich gewehrt haben soll, den Journalisten Sand eine kurze Strecke zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits habe ich dann neulich den netten Kollegen gesehen, dessen Taxi ihn v\u00f6llig bl\u00f6d auf Position zwei am Stand ausgeschlossen hat, was in dem Fall sicher bl\u00f6d&nbsp; f\u00fcr suchende Kunden ist, was aber nix daran \u00e4ndert, dass die erste Beschwerde hier an die Zentralverriegelungs-Konstruktionsabteilung von Opel oder die Werkstatt der Taxifirma gehen sollte anstatt an &#8222;DIE Berliner Taxifahrer&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir beide, Journalisten und Taxifahrer, liegen bei der Einsortierung oft daneben. Ebenso wie ich in diesem Leben wohl schwer noch zu einem t\u00fcrkischen Nationalisten werde, wird der Axel-Springer-Verlag zum Beispiel ehrlich genug, um zuzugeben, dass der b\u00fccherschreibende Taxifahrer der Bild kein Interview geben wollte und man deshalb Zitate aus der Welt zurechtgeschnitten hat, um diesen Eindruck zu erwecken. Wo k\u00e4men wir auch hin, wir&nbsp; haben eben alle unsere Prinzipien, nicht wahr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gut, genug von mir. Der betreffende Text von Dennis Sand tr\u00e4gt den geradezu poetisch anmutenden Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article161563687\/Warum-eine-Taxifahrt-in-Berlin-die-ultimative-Demuetigung-ist.html\">Warum eine Taxifahrt in Berlin die ultimative Dem\u00fctigung ist<\/a>&#8222;. Vier kuriose Fahrer ergeben da ein Gesamtbild von Berlins \u00fcber 10.000 Taxifahrern, aber was will ich als Berliner Taxifahrer schon sagen, denn Sand hat sie &#8222;alle erlebt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was rechnerisch unwahrscheinlich ist, von der Sache her aber potenziell m\u00f6glich erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits stellt sich dann schon die Frage, wie er bis dato an die &#8222;Seelenverwandtschaft&#8220; zwischen Journalisten und Taxifahrern glauben konnte, weil er und seinesgleichen ebenso wie die Taxifahrer das Vertrauen einer Person gewinnen m\u00fcssten. Sie nat\u00fcrlich wegen wichtiger Dinge und Taxifahrer wegen des Trinkgeldes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier ein kurzes &#8222;B\u00c4M, MOTHERFUCKER!&#8220; an die gutgl\u00e4ubigen Journalisten da drau\u00dfen: Das ist Bullshit! Ich versuch seit 8 Jahren ein netter Taxifahrer zu sein und so wie&#8217;s aussieht, ist das Trinkgeld bei uns langfristig fast auf den Cent genau gleich. Nur Kollegen, die unversch\u00e4mt betteln, machen wirklich ein Plus. So viel zur tieferen Informationsebene. &#8222;Die Fahrg\u00e4ste&#8220; als Gesamtpublikum sind sogar noch bescheuerter als &#8222;DIE Journalisten&#8220; oder&nbsp; &#8222;DIE Taxifahrer&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich&nbsp; hatte anfangs gedacht, dass ich den Text hier ein bisschen parodie\u00e4hnlich einfach entlang des verlinkten Artikels schreiben k\u00f6nnte, eine Art 1:1-Gegen\u00fcberstellung. Das hab ich nach dem Lesen allerdings aufgegeben, denn f\u00fcr mich als Taxifahrer liegt die Niveaugrenze eben \u00fcber dem Asphalt und f\u00fcr alle, die sowieso nicht gerne zur Welt verlinkt werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Sand ist es schlimm, dass Fahrer kurze Fahrten ablehnen, nicht da sind, lange Fahrten ablehnen, zu viel Trinkgeld erwarten, pampig sind oder t\u00fcrkische Nationalisten, Versch\u00f6rungstheorien verbreiten und einem den Tod w\u00fcnschen. Auch erw\u00e4hnt: allgemein eine schlechte politische Diskussionskultur und schlichtweg Menschenhass.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nicht vergessen: Diese Liste soll auf eine irgendwie geheimnisvolle Weise ausgerechnet das Berliner Taxigewerbe widerspiegeln, obwohl das fast schon das bestm\u00f6gliche Beispiel f\u00fcr eine Barnum-Aussage \u00fcber einen aufsichtslosen Gro\u00dfstadtkindergarten, die letzte Betriebsfeier eines Mittelst\u00e4ndlers oder die gesamte fucking Menschheit ist. Nat\u00fcrlich kann man da noch einiges hinzuf\u00fcgen, andererseits reicht die Bandbreite schon, um ganze D\u00f6rfer zu diskreditieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df &#8230; wer bis hierhin gelesen hat und vielleicht eher Sympathien mit &#8222;DEN Journalisten&#8220; hegt und Taxifahrer f\u00fcr eher so semi-proevolution\u00e4r h\u00e4lt: Ich hab Euch bis hierhin vorenthalten, wer Dennis Sands liebster Taxifahrer war &#8230;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Dann war da der Mann, der sich selber Ali Ferrari nannte und eigentlich ein wahnsinnig netter Kerl war, der mir aber erz\u00e4hlte, dass er dreimal (!) fast (?) seinen F\u00fchrerschein verloren h\u00e4tte, weil er beim Fahren gekokst und Speed konsumiert hat, was richtig \u201eschei\u00dfe von den Bullen\u201c gewesen w\u00e4re, weil er ja bald als Rapper durchstarten wollen w\u00fcrde und daf\u00fcr eben mit dem Taxifahren nebenbei Geld verdienen m\u00fcsste. Ali Ferrari, der mich beim Aussteigen fragte, ob Ali Ferrari nicht vielleicht doch ein bl\u00f6der Name sei (\u201eQuatsch, einen besseren Namen kann ich mir nicht vorstellen\u201c), ist der einzige Taxifahrer in Berlin, dem ich alles Gute w\u00fcnsche.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da muss ich passen. Das w\u00e4re, als w\u00fcrde ich Donald Trumps Twitter-Account &#8222;ironisch&#8220; einen Journalismuspreis f\u00fcr faire Berichterstattung \u00fcberreichen, da setzt&#8217;s einfach aus, sorry.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/7803b293b11e4f2784b3944c86defd9c\" alt=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ich eigentlich sagen wollte: Ja, wir haben alle andere Ansichten, andere Erfahrungshintergr\u00fcnde und andere Jobs. Und nat\u00fcrlich gibt&#8217;s da Muster und H\u00e4ufungen, reale und vermutliche. Und es gibt klischeebest\u00e4tigende tats\u00e4chliche Arschl\u00f6cher ebenso wie \u00fcberraschend vielschichtig Interessierte. Als Taxifahrer hab ich mich im Text von Dennis Sand nicht wiedergefunden. Mich w\u00fcrde jetzt interessieren, ob&#8217;s ihm als Journalist in meinem Text anders ging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>PS:<\/strong><br \/>\nIch danke <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Remmo_Lade\">@Remmo_Lade<\/a> (Link zu Twitter) und&nbsp; ein paar anonymen Lesern f\u00fcr den Hinweis!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Na gut, na gut, Ihr habt mich erwischt: Das war eine v\u00f6llig substanzlos \u00fcbergeigte \u00dcberschrift, die die Realit\u00e4t \u00fcberhaupt nicht widerspiegelt und gerade ich als nicht nur Taxifahrer (sondern auch Blogger und Autor) hab mit Journalisten auch schon grandiose Erfahrungen gemacht. 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