{"id":18258,"date":"2015-11-05T07:55:52","date_gmt":"2015-11-05T05:55:52","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=18258"},"modified":"2015-11-05T07:31:22","modified_gmt":"2015-11-05T05:31:22","slug":"abschlusstour-in-extrablutig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2015\/11\/05\/abschlusstour-in-extrablutig\/","title":{"rendered":"Abschlusstour in extrablutig"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr ein Abend: Endlich lief es mal wieder, dann aber musste ich aus privaten Gr\u00fcnden nochmal eine l\u00e4ngere Pause einlegen. Sowas passt ja immer wie Arsch auf Eimer. Aber: Kannste nix machen.<br \/>\nAls ich dann f\u00fcr vier kl\u00e4gliche Reststunden nochmal rausgefahren bin, lief es wie eigentlich erwartet erst richtig. Ich bekam recht schnell meine Touren \u2013 und sie waren fast alle vergleichsweise lang. Waren es am Vortag eher so die 8-12\u20ac-Fahrten, hie\u00df es jetzt: Ab 20 \u20ac aufw\u00e4rts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann bekam ich eine Fahrt bis an die Stadtgrenze, zudem ziemlich in Richtung Heimat. 30 \u20ac. Und ich war damit bis auf einen Zehner an mein Ziel heranger\u00fcckt. Nun war guter Rat teuer: Die M\u00fcdigkeit rief, ich h\u00e4tte leer wieder in die Stadt m\u00fcssen, es waren &#8222;ja nur 10 \u20ac weniger&#8220;, was also sollte ich \u2026 oh, ein Winker!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich stoppte fix und er freute sich. Er sei fertig und m\u00fcsste in ein Kaff einige Kilometer au\u00dferhalb. Also wenden. Aber zuvor solle ich doch bitte nochmal kurz etwas stadteinw\u00e4rts fahren.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wieso das?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Na, ich sag&#8217;s mal so: Kumpel und ich haben dicke Lippe und er ist in Richtung der Tanke da abgehauen \u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ja. Bin ich mit ihm also \u00fcber das ausgestorbene Gel\u00e4nde einer Tanke gegurkt, wo nix zu sehen war \u2013 dann ging&#8217;s doch wieder raus aus der Stadt. Aber hey, schon mal 8 \u20ac bis zum Ausgangspunkt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun erbat mein Fahrgast Licht und begutachtete sich im Schminkspiegel. Au weia! Aufgeplatzte Lippe, Blutspuren am Hemd und:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hier, kiek mal meine Hose: Ist das auch Blut?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem tat sein R\u00fccken weh, er war betrunken \u2013 und er musste dringend jemanden anrufen, um \u00fcberhaupt rauszufinden, wer ihn verpr\u00fcgelt hatte. WTF?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage blieb weitgehend unbeantwortet, daf\u00fcr meldete Kumpel sich aber. Er w\u00e4re in der Bahn. Also schnell mal gekl\u00e4rt, dass wir ihn am n\u00e4chsten S-Bahnhof einsammeln. Und da standen wir dann auf dem Parkplatz, ein paar Minuten Wartezeit kamen also auch zusammen, am Ende aber rief Kumpel wieder an: Er sei nat\u00fcrlich in der U-, nicht in der S-Bahn. Also weiter zu einem etwas abwegig gelegenen Bahnhof. Da fanden wir ihn auch bald\u00a0 \u2013 und hatte ich bis dahin noch Sorgen, mein bisheriger Fahrgast h\u00e4tte einen miesen Abend gehabt, dann hat der zweite das noch um Klassen getoppt. V\u00f6llig betrunken, ebenfalls mit aufgeplatzter Lippe, dazu noch eine \u00fcberaus besorgniserregende Wunde an der Stirn. Viel gesagt hat er kaum, au\u00dfer &#8222;Danke&#8220;. Der pendelte nur noch zwischen Koma und Sabbern hin und her. Au Backe!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sehr ich mir Gedanken gemacht hab, was denn nun genau der Grund f\u00fcr die wie auch immer gearteten Vorf\u00e4lle gewesen sein mag: Ich hab nicht weiter nachgefragt. In dem Zustand haben sogar Arschl\u00f6cher das Recht, nach Hause gebracht zu werden, die waren vollkommen fertig. Schlimmer konnte es deren Gegen\u00fcber kaum erwischt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da das Umland so oder so nicht meine B\u00fchne ist, hab ich hektisch auf der Karte hin- und weggezoomt, am Ende war mein Beifahrer aber eigentlich ein guter Wegweiser. Als wir in seinem Dorf und an seiner Stra\u00dfe angekommen waren, reichte er mir 10 \u20ac in M\u00fcnzen und sagte, er m\u00fcsse f\u00fcr den Rest kurz raufgehen. &#8222;Der Rest&#8220; waren zu diesem Zeitpunkt ungef\u00e4hr 38 \u20ac.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann aber war da ja noch Kumpel, der eloquent rumbr\u00fcllte:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Alla, lassma mitn Schei\u00dfjeld, machdid, machdid!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also auf Deutsch:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Werter Freund, mach Dir keine M\u00fche, das mit dem Geld regele ich schon!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ich nun nicht einmal den Hauch einer Ahnung hatte, was Kumpel so noch mitbekommen hat, hab ich mahnend mit dem Finger auf die Uhr gezeigt und gesagt, dass wir nun schon bei rund einem Fuffi w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">&#8222;<em>Fuffi, Fuffi, fick&#8217;n Fuffi hin oder her, bring&#8216; ma heeme!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ja, so war es (leider): Ausgerechnet Kumpel wollte noch weiter. Ins n\u00e4chste Nest, ein paar Kilometer weiter. Wohin genau durfte ich anscheinend nicht wissen, zumindest bestand er darauf, mir das zu zeigen. Er, der er eher zu schlafen schien und seine Stirn mit der klaffenden Wunde rhythmisch an der Seitenscheibe hin- und hergeschoben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstaunlicherweise klappte das halbwegs. Ich \u00f6mmelte durchs tiefste Brandenburg, begegnete mehreren Wildtierarten ohne direkten Kontakt, schaltete st\u00e4ndig zwischen Fern- und Abblendlicht hin und her und war mit der Zeit geradezu erstaunt, dass mein verbliebener Kunde nicht kotzte oder abgesehen von der Verschmutzung der Seitenscheibe* irgendwas zu tun gedachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende waren bei Kumpel noch Pi mal Daumen 49 \u20ac offen. Und ein Fuffi hin oder her sollte ja nix ausmachen. Mit all seinem Kleingeld hat es trotz beachtlicher Dankbarkeit am Ende auf sage und schreibe 33 Cent Trinkgeld gereicht. Punktlandungen kann ich also immer noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Tour mit nunmehr ann\u00e4hernd 60 \u20ac f\u00fcr eine mehr als dezente \u00dcbererf\u00fcllung der Schicht gesorgt hatte \u2013 und ich sowieso hier und da meine Sorgen bez\u00fcglich Friedlich- und Ehrlichkeit der Kundschaft hatte, war ich damit dennoch mehr als zufrieden und enorm erleichtert, als ich endlich auf dem Heimweg war. Manchmal sind ja gerade die sch\u00f6nsten Touren unsch\u00f6n. Oder umgekehrt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/30041ec651ac4f6d83f7b50736e060a5\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">*Ich hab das ignoriert, weil es sowieso ab dem ersten Anlehnen seinerseits egal war, ich die Scheibe sowieso putzen wollte und es an diesem Abend ohnehin mein letzte Tour sein w\u00fcrde. Blutflecken am Taxifenster sind eklig, nat\u00fcrlich. Aber ob es nun zwei oder vier sind, ist dann wirklich erstaunlich egal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein Abend: Endlich lief es mal wieder, dann aber musste ich aus privaten Gr\u00fcnden nochmal eine l\u00e4ngere Pause einlegen. Sowas passt ja immer wie Arsch auf Eimer. Aber: Kannste nix machen. Als ich dann f\u00fcr vier kl\u00e4gliche Reststunden nochmal rausgefahren bin, lief es wie eigentlich erwartet erst richtig. 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