{"id":18087,"date":"2015-09-12T07:14:57","date_gmt":"2015-09-12T05:14:57","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=18087"},"modified":"2015-09-12T07:32:43","modified_gmt":"2015-09-12T05:32:43","slug":"den-hunni-inner-fresse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2015\/09\/12\/den-hunni-inner-fresse\/","title":{"rendered":"Den Hunni inner Fresse"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Udo Vetter <a href=\"https:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2015\/09\/11\/rabiater-fahrgast\/\" target=\"_blank\">hat im Lawblog mal wieder ein Urteil zu einem Taxi-Fall ausgegraben<\/a>: Ein Fahrgast wurde zu 500 \u20ac Schmerzensgeld verurteilt, weil er zun\u00e4chst angepisst \u00fcber die (zu langsame) Fahrweise des Taxifahrers, sp\u00e4ter dann \u00fcber den Umstand, dass er auch bei einem (gew\u00fcnschten) Abbrechen der Fahrt zu zahlen hatte, war. Und das dann nicht etwa verbal \u00e4u\u00dferte, sondern einen Hunderter nahm und ihn dem Fahrer gewaltsam in den Mund stopfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">OK, vorweg muss nat\u00fcrlich eines stehen: WHAT THE FUCK!?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst mal begl\u00fcckw\u00fcnsche ich den Kollegen nat\u00fcrlich zum gewonnenen Prozess. Vollsuff der Kundschaft hin oder her: Alles muss man sich nicht gefallen lassen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ich nutze das hier auch mal, um das grunds\u00e4tzliche Thema \u2013 uns Taxifahrer zum Rasen \u00fcberreden \u2013 erneut anzuschneiden. Denn auch da bleibt eigentlich nur ein generelles WTF!?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich: Fragen darf man alles. Ich wurde alleine heute nacht schon gefragt, ob ich eine Tour schwarz fahre, Gras verticke oder einen Champagner trinken will. Alles nicht rechtens, aber dr\u00fcber reden ist nat\u00fcrlich kein Verbrechen. Und ich bin ja sogar offen f\u00fcr Kritik an meinem Fahrstil und sehe zu, dass ich die W\u00fcnsche der Kunden \u2013 auch wenn sie es eilig haben \u2013 irgendwie umsetzen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber bei dieser Fahrg\u00e4ste-versuchen-uns-zum-\u00dcbertreten-der-Gesetze-zu-\u00fcberreden-Geschichte muss ich als Taxifahrer doch auch mal folgendes klarstellen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Ich bin nicht schuld!<\/strong><br \/>\nWenn jemand es eilig hat, dann ist das nicht meine Schuld. Ob es nun schlechte Planung des Fahrgastes oder das b\u00f6se Leben an sich war \u2026 egal: Ich bin es nicht!<\/li>\n<li><strong>Mir ist es schei\u00dfegal, ob jemand zu sp\u00e4t kommt!<\/strong><br \/>\nAuch wenn das jetzt bewusst hart ausgedr\u00fcckt ist, sollte man das ruhig auch mal so sagen. Nat\u00fcrlich freue ich mich, wenn ich meiner Kundschaft helfen kann, aber bei dieser asymmetrischen Fahrgast-Fahrer-Beziehung hab ich komplett andere W\u00fcnsche, Sorgen, N\u00f6te, Bed\u00fcrfnisse und Gedanken als mein Gegen\u00fcber. Nat\u00fcrlich ist mir mein F\u00fchrerschein wichtiger als irgendein Meeting \u2013 und wenn&#8217;s eines von Bill Gates ist und es um eine Milliarde Euro geht.<\/li>\n<li><strong>Es lohnt sich f\u00fcr mich nie!<\/strong><br \/>\nEs f\u00e4ngt schon damit an, dass die meisten Taxifahrten mir selbst weniger bringen als auch nur das geringste Bu\u00dfgeld (ein Zehner) mich kosten w\u00fcrde. Und w\u00e4hrend ich im Zweifelsfall schlecht die Gesetze beugen kann, h\u00e4tte ja selbst ein Vertrag mit einem Fahrgast, dass er eventuelle Bu\u00dfgelder bezahlt, nur wenig Aussicht darauf, vor Gericht standzuhalten. Abgesehen davon hat so ein Monat Fahrverbot f\u00fcr einen Taxifahrer (ggf. inkl. Chef) schnell einen Gegenwert von 2.000 bis 5.000 \u20ac \u2013 mehr als es die meisten kosten w\u00fcrde, einen kompletten Monat lang mit dem Taxi zur Arbeit zu fahren, bei vermutlich geringerem Verdienst noch dazu.<\/li>\n<li><strong>Ich bin der Fahrer. Ende!<\/strong><br \/>\nDas klingt l\u00e4cherlich, ist aber ein wichtiger Punkt. Ich als Fahrer habe die Verantwortung w\u00e4hrend der Fahrt. Wenn ich mir diese Kurve nur bei Tempo 30 zutraue und der Fahrgast sie mit 50 nehmen w\u00fcrde, dann ist das egal. Selbst wenn ich ein untauglicher Fahrer sein sollte, dann ist das ggf. eine Frage, die die F\u00fchrerscheinstelle zu entscheiden h\u00e4tte oder ein Amtsarzt \u2013 aber sicher nicht irgendein Fahrgast. Egal, ob ich irgendwo langsamer fahre, weil mich h\u00f6here Geschwindigkeiten \u00fcberfordern, weil sie illegal w\u00e4ren und da vorher noch ein Blitzer stand \u2013 oder weil ich glaube, eine Gef\u00e4hrdung erkannt zu haben: Das ist MEINE Entscheidung! Wer so viel schneller und besser f\u00e4hrt als ein Taxifahrer, der sollte vielleicht kein Taxi nehmen, sondern selbst fahren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab&#8217;s jetzt mal bewusst so drastisch ausgedr\u00fcckt, damit da keine Zweifel aufkommen. Wie weiter oben schon geschrieben: Das hei\u00dft nicht, dass man nicht mal in netter \u00dcbereinkunft ein bisschen die Grenzen des M\u00f6glichen ausreizen kann. Aber auch wenn die Verkehrsregeln in Deutschland irgendwie gef\u00fchlt Auslegungssache sind und auch wenn viele Taxifahrer immer wieder gegen dieses oder jenes Gesetz versto\u00dfen: Diese Anspruchshaltung, die offenbar viele da drau\u00dfen haben, kann und will ich nicht nachvollziehen. Vor Jahren hat mir in den Kommentaren mal eine Leserin gesagt, sie f\u00fchle sich verarscht, wenn ein Taxifahrer in einer 30er-Zone 30 f\u00e4hrt. Da fragt man sich dann schon, ob solche Leute sich auch verarscht f\u00fchlen, wenn in einem 4kg-Kartoffelsack 4kg Kartoffeln sind \u2013 und nicht 5kg. Oder dass die Bank nur 1,5% Zinsen auszahlt und nicht doch gelegentlich mal 2%.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will nicht abstreiten, dass auch ich hier und da mal schneller als erlaubt fahre. Ich bin sogar schon illegal abgebogen, entgegen einer Einbahnstra\u00dfe gefahren oder hab mich bei kirschgr\u00fcn noch \u00fcber eine Kreuzung gedr\u00fcckt. Bin ja kein Engel. Aber das einzupreisen und am Ende ausrasten, wenn ein Fahrer sowas nicht einfach von sich aus macht f\u00fcr die 6,50 \u20ac, die er an der Tour gerade verdient, das geht wirklich gar nicht, da hab ich null Verst\u00e4ndnis f\u00fcr!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/43d1584b55ed4704b9a3f5820e5b039d\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Udo Vetter hat im Lawblog mal wieder ein Urteil zu einem Taxi-Fall ausgegraben: Ein Fahrgast wurde zu 500 \u20ac Schmerzensgeld verurteilt, weil er zun\u00e4chst angepisst \u00fcber die (zu langsame) Fahrweise des Taxifahrers, sp\u00e4ter dann \u00fcber den Umstand, dass er auch bei einem (gew\u00fcnschten) Abbrechen der Fahrt zu zahlen hatte, war. 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