{"id":18009,"date":"2015-08-19T07:40:47","date_gmt":"2015-08-19T05:40:47","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=18009"},"modified":"2015-08-19T07:40:47","modified_gmt":"2015-08-19T05:40:47","slug":"die-schwierigsten-zum-abschluss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2015\/08\/19\/die-schwierigsten-zum-abschluss\/","title":{"rendered":"Die Schwierigsten zum Abschluss"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich war auf dem Heimweg. Schon wieder. Die Schicht war blendend gelaufen und ich war schon zweimal auf dem Heimweg rangewunken worden und nun &#8222;absolut sicher&#8220;, dass ich nicht noch mal halten w\u00fcrde. Ich hatte sogar die Fackel schon ausgeschaltet, was ungef\u00e4hr ein j\u00e4hrlich einmaliges Ereignis ist. Aber die illustre Runde aus drei M\u00e4nnern winkte dann doch und ich hab doch auch noch gehalten. Einer der drei schien schwer angeschlagen zu sein, eigentlich h\u00e4tte ich mir nichts weniger gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber genau der Typ musste nat\u00fcrlich auch gefahren werden. Mir wurde eine Stra\u00dfe genannt, die ich erst einmal ins Navi eingeben musste. Und klar: Nat\u00fcrlich entgegengesetzt meiner Richtung \u2026 aber immerhin nicht sehr weit und bequem \u00fcber Hauptstra\u00dfen zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Typ um die 40 entschuldigte sich auch gleich f\u00fcr seinen Zustand, das w\u00e4re eine Ausnahme, es h\u00e4tte was famili\u00e4res zu Feiern gegeben und au\u00dferdem m\u00fcsse er \u2013 schei\u00dfe, so sp\u00e4t schon!? \u2013 morgen auch wieder fr\u00fch raus, weil er Besuch bek\u00e4me. Autsch. Eine kurze Nacht war f\u00fcr ihn sicher die H\u00f6llenfolter schlechthin, so blau wie er war. Er ist im Taxi auch umgehend eingeschlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hausnummer hatte ich nicht gleich erfragt, die wollte ich vor Ort von ihm einholen \u2013 was schwierig war, weil ich ihn dazu erst einmal aufwecken musste. Und w\u00e4hrend ich so mitten in der kleinen Nebenstra\u00dfe stehe, die aber nat\u00fcrlich unglaublich verwinkelt war \u2013 Plattenbausiedlungen und so \u2013 und ihn wachr\u00fcttele, schleicht ein Streifenwagen vorbei. Mit zwei Cops drinnen, die mich misstrauisch be\u00e4ugen. Ich hab ihnen kurz den Daumen nach oben gegeben und sie sind weitergefahren, vermutlich auch froh, sich so sp\u00e4t nicht noch mit irgend so einer Taxigeschichte abgeben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fragte den Typen, wie ich weiterfahren solle, er sagte kurz &#8222;25!&#8220; und trat umgehend wieder weg. &#8222;Ja, danke, Du Scherzkeks!&#8220;, dachte ich mir. Ich stand an einer Kreuzung, in der alle abgehenden Stra\u00dfen gleich hie\u00dfen und hatte keine Ahnung, in welcher Richtung die 25 liegt. Die richtige Abzweigung hab ich genommen \u2013 trotzdem war es am Ende die letzte Nummer, an der ich vorbeigefahren bin, ohne nochmal was doppelt abzugrasen. Wie gesagt: Verschachtelte Stra\u00dfenverl\u00e4ufe, immer eine Freude. Dabei war die Stra\u00dfe aber kurz genug, um eben nicht 20 Meter vor dem Ziel das Navi nochmal umzuprogrammieren. Hatte ich zumindest gedacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gut, ich hab im Vorbeifahren auf einem Schild schon gelesen, dass es irgendeine Hilfseinrichtung war. Ich hoffte von Herzen, dass ich da nicht gerade einen Alkoholiker mit R\u00fcckfall im Gep\u00e4ck hatte. Aber ich wei\u00df es nicht, ehrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab den Kerl auch ein zweites Mal wachgekriegt, er hat sich \u00fcberschw\u00e4nglich bedankt und mir die Fahrt samt kleinem Trinkgeld anstandslos bezahlt. OK, das Suchen der Scheine hat etwas gedauert, aber ich hatte gef\u00fchlt ja eh schon Feierabend \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende stieg er aus, schwankte, hangelte sich an der Autot\u00fcr entlang und fiel dann wie ein K\u00e4fer auf den R\u00fccken, noch dazu quer \u00fcber die Bordsteinkante. Sein Rucksack hat da offenbar einiges abgemildert, aber angenehm war das nicht, das ist mal klar. Ich bin also schnell rausgesprungen und hab ihm mit beiden Armen unter die Achseln gegriffen, um ihn wieder in die Senkrechte zu bringen. Er freute sich, sch\u00e4mte sich aber auch sichtlich, jetzt von einem Taxifahrer aufgehoben werden zu m\u00fcssen. Nein, der war definitiv nicht auf allt\u00e4glicher Sauftour und im \u00fcblichen Umstand prall heimgekehrt, der hatte das offenbar wirklich alles so nicht gewollt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab ihn dann noch bis zur Haust\u00fcr ein wenig gest\u00fctzt, ab da aber lehnte er dann jede weitere Hilfe ab. Da w\u00e4re ja gleich der Aufzug, hier kenne er sich ja aus. Sollte mir recht sein \u2013 obwohl ich ja nun schon durch meine Vergangenheit im Behindertenfahrdienst auch vergleichsweise wenig Scheu hab, Leute noch in die Wohnung zu begleiten und noch dies und das herzurichten. Wobei ich nat\u00fcrlich auch froh bin, wenn sowas vorher abgesprochen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende war ich froh, dass ich die Tour noch gemacht habe. Was w\u00e4re gewesen, wenn die ein Kollege mit R\u00fcckenproblemen erwischt h\u00e4tte? Oder einer mit null Bock?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Stelle war dann aber wirklich gut. Ich h\u00e4tte noch den schwankenden Winker auf dem R\u00fcckweg mitnehmen k\u00f6nnen und vielleicht h\u00e4tte das auch noch eine tolle Geschichte ergeben. Aber irgendwann ist Feierabend eben auch im Taxi wirklich Feierabend. Und man soll ja bekanntlich aufh\u00f6ren, wenn&#8217;s am sch\u00f6nsten ist. \ud83d\ude09<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/a83642957c914890b59a68865b7bcca8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war auf dem Heimweg. Schon wieder. Die Schicht war blendend gelaufen und ich war schon zweimal auf dem Heimweg rangewunken worden und nun &#8222;absolut sicher&#8220;, dass ich nicht noch mal halten w\u00fcrde. Ich hatte sogar die Fackel schon ausgeschaltet, was ungef\u00e4hr ein j\u00e4hrlich einmaliges Ereignis ist. 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