{"id":17416,"date":"2015-03-19T08:00:57","date_gmt":"2015-03-19T06:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=17416"},"modified":"2015-03-19T16:54:18","modified_gmt":"2015-03-19T14:54:18","slug":"uber-ist-verboten-und-thomas-knuewer-ist-traurig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2015\/03\/19\/uber-ist-verboten-und-thomas-knuewer-ist-traurig\/","title":{"rendered":"Uber ist verboten und Thomas Kn\u00fcwer ist traurig"},"content":{"rendered":"<p>Gestern kam dann \u2013 was lange abzusehen war \u2013 das Frankfurter Landgericht zu dem Entschluss, <a title=\"spiegel.de \u2013 Gericht verbietet Uber deutschlandweit\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/uber-urteil-gericht-verbietet-uber-deutschlandweit-a-1024214.html\" target=\"_blank\">dass Uber bundesweit verboten sein soll, Fahrten an Privatfahrer zu vergeben.<\/a> Die Urteilsbegr\u00fcndung steht noch aus, aber ich vermute, es wird grob vereinfacht darauf rauslaufen, dass man illegale Fahrten auch nicht vermitteln darf, wenn man nicht selbst f\u00e4hrt. (<a title=\"GNIT \u2013 UberPop-FAQ\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/faq\/uberpop-faq\/\" target=\"_blank\">Hier meine UberPop-FAQ<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Legalit\u00e4t von UberPop habe ich so viel geschrieben, es h\u00e4tte ein eigenes Buch werden k\u00f6nnen \u2013 weswegen ich das Thema in &#8222;<a title=\"&quot;Gestern Nacht im Taxi&quot; bei Amazon (Ref-Link)\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3954514974\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3954514974&amp;linkCode=as2&amp;tag=gnit-standard-21&amp;linkId=MDNL3GMFE5GWZAFC\" target=\"_blank\">Gestern Nacht im Taxi<\/a>&#8220; gar nicht erst angeschnitten habe. Aus der rein legalistischen Sicht war die Sache lange klar, zumindest f\u00fcr die Fahrten an sich. Uber hat ja auch nur noch versucht, sich rauszureden, sprich: sich gar nicht an der tats\u00e4chlichen Dienstleistung aufzuhalten, sondern sich auf die Vermittlerfunktion zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist der legalistische Ansatz nat\u00fcrlich nicht der einzige. Die Gesellschaft ver\u00e4ndert sich und Uber selbst hat ja auch oft einfach gesagt, &#8222;die Gesetze seien veraltet&#8220;. Und so sehr einen das vielleicht \u00e4rgern mag, wo man den Status quo liebgewonnen hat: Das ist ja ein legitimer Ansatz. Letztlich m\u00fcssen viele neue Regelungen erst erk\u00e4mpft werden, manche \u00e4ndern sich erst durch den gesellschaftlichen Umschwung \u2013 und gerade das Internet zeigt uns das in den vergangenen 20 Jahren recht deutlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so liest sich auch <a title=\"Indiskretion Ehrensache \u2013 DXSW 2015: die Sache mit Uber\" href=\"http:\/\/www.indiskretionehrensache.de\/2015\/03\/sxsw-2015-uber\/\" target=\"_blank\">Thomas Kn\u00fcwers Artikel bei Indiskretion Ehrensache<\/a> eher in diese Richtung. Ein bisschen &#8222;Das war rechtlich vermutlich ok, Uber ist auch nicht toll, aber es ist schon doof, dass es so l\u00e4uft&#8220;. Ich mag Kn\u00fcwers Technikoptimismus, ich lese das Blog nicht ohne Grund seit Ewigkeiten. Er sagt einige wahre Dinge \u00fcber den digitalen Wandel da drau\u00dfen, ich sch\u00e4tze seine Kompromislosigkeit, ich will ihn also sicher nicht pers\u00f6nlich angreifen, obwohl das bei solchen Themen immer eine lustige Alternative w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Artikel allerdings \u2026 naja, Herr Kn\u00fcwer \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die positiven Erfahrungen mit Uber-Fahrern glaube ich unbesehen. Und das nicht grundlos. Die Personenbef\u00f6rderung, noch dazu wenn man sie eher ein bisschen locker nebenher betreiben kann, kann eine wunderbare Arbeit sein. Kein Wunder also, dass man da auch auf Menschen trifft, die da voll bei der Sache sind und es lieben. Die ein oder anderen haben vielleicht gemerkt, dass es mir bisweilen auch so geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Kn\u00fcwer nun also die Fahrer verst\u00e4ndlicherweise lobt, dann ist im Kern nichts dagegen einzuwenden, sehr wohl ist aber die Frage zu stellen, warum denn die Uber-Fahrer gef\u00fchlt besser sind. Und das ist leider ein ziemlich komplizierter Punkt. Da spielt zum einen rein, dass sie meist jung und unverbraucht sind, neues erleben wollen, teilweise auch die Tatsache, dass manche das &#8222;nur nebenbei&#8220; machen. Nichts davon gibt es im Taxi nicht auch. Aber \u2013 und das soll keine Rechtfertigung f\u00fcr Arschlochkollegen sein \u2013 im Taxi gibt es halt auch Leute, die das schon eine ganze Weile machen. Und so sehr ich den Job liebe: Es ist wirklich nachvollziehbar, dass man nach 30 Berufsjahren mit einer Aussicht auf einen dreistelligen Rentenbetrag in Gegenwart schn\u00f6seliger Fahrg\u00e4ste auch mal weniger enthusiastisch ist. Das ist nicht toll, aber der Effekt ist nur auf das geringe Alter der Firma Uber zur\u00fcckzuf\u00fchren und kurzfristiger Natur.<br \/>\nUnd auch wenn es daf\u00fcr sicher noch keine Daten gibt, ich bin da sehr sicher. Zum einen sind in den USA die Fahrer vielfach angepisst <a title=\"GNIT \u2013 &quot;Aber UberPop ist besser als Taxifahren!&quot;\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/faq\/uberpop-faq\/aber-uberpop-ist-besser-als-taxifahren\/\" target=\"_blank\">und lassen das durchaus teilweise die Kunden sp\u00fcren<\/a> \u2013 zum anderen hat auch Kn\u00fcwer mit MyTaxi ein gutes Beispiel f\u00fcr eine neue Technik in der Branche gebracht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;[\u2026] ich habe aber das Gef\u00fchl, irgendwas funktioniert da nicht mehr: \u00dcber MyTaxi gebuchte Fahrten sind im Schnitt genauso (un)erfreulich wie die \u00fcber Taxizentralen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau das Gleiche habe ich von der anderen Seite, von Kollegen, geh\u00f6rt. Zigfach. Am Anfang war die Begeisterung gro\u00df. Die MyTaxi-Kunden waren \u00fcberdurchschnittlich nett, hatten lange Touren, gaben gutes Trinkgeld \u2026 aber mit der Zeit haben sich auch die letzten Dorfprolls MyTaxi installiert und die Touren glichen sich dem Durchschnitt an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da sind wir beim Hauptproblem, das ich auch gerne zugunsten netter Geschichten unter den Tisch fallen lasse: Personenbef\u00f6rderung ist kein Ponyhof! Auf Dienstleiser- wie auf Kundenseite gibt es Arschl\u00f6cher noch und n\u00f6cher; am Ende ist es eine Gesch\u00e4fts- und keine Liebesbeziehung. Unsch\u00f6ne Dinge passieren allerorten, tausendfach; und dieses Problem l\u00e4sst sich nicht durch die Art der Vermittlung bek\u00e4mpfen. Die Vermittlung ist ein unbedeutender und vielfach grundlos hochgehypter Teil der Dienstleistung. Am Ende sitzen zwei Parteien in einem Auto und m\u00fcssen miteinander klarkommen. Im schlimmsten Fall zwei Arschl\u00f6cher \u2013 und dann ist es vollkommen egal, wer die zusammengebracht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kn\u00fcwer f\u00fchrt den Vorteil, den Uber hat, jedoch auf das Menschliche zur\u00fcck. Was zumindest in Teilen wohl so verstanden werden kann, dass bei UberPop eben keine Profis, sondern Menschen &#8222;wie Du und ich&#8220; arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tja, nun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Loblied auf die Sharing Economy muss zwangsl\u00e4ufig da ein Ende finden, wo Personenbef\u00f6rderung nicht mehr lustiges Hipster-cruist-Hipster-durch-die-Gegend ist. Ich finde die Idee, gleichgesinnte nette Leute durch die Gegend zu fahren und mir damit ein paar Euro nebenbei zu verdienen auch ganz nett. Aber selbst wenn die gehbehinderte Oma auf dem Land ein zu populistisches Beispiel ist: Wie lassen sich Samstagabends in der Stadt 1.000 betrunkene Andrea-Berg-Fans wegwuchten, wenn nicht mit Leuten, die das beruflich machen? Finden die alle Freiwillige, die &#8222;ja sowieso nebenbei am Wochenende noch ein bisschen rumfahren&#8220;?<br \/>\nUnd wenn Leute das beruflich machen: Wie sollen die die Zeit zwischen den Konzerten verbringen, wenn andere Leute den das ausgleichenden, eintr\u00e4glichen Teil des Gesch\u00e4fts einfach spa\u00dfeshalber als Scheinselbst\u00e4ndige f\u00fcr die H\u00e4lfte des Mindestlohns erledigen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wenn es um Uber geht, kramen alle die schlimme \u00dcberregulierung des Taxigewerbes heraus. Und die ist nat\u00fcrlich nicht immer grenzenlos toll. Mir geht es sicher nicht darum, Menschen zu verbieten, auch mal f\u00fcr einen Zehner heimzukommen, wo ich f\u00fcnfzehn Euro nehmen muss. Wenn ich mich gegen Uber positioniere, dann habe ich aber im Kopf, dass Fahrg\u00e4ste \u2013 wenn sich Taxifahren erst einmal gar nicht mehr lohnt \u2013 auf diese Fahrt eventuell eine Dreiviertelstunde warten m\u00fcssen, einen beschissenen Fahrer kriegen und am Ende 80 Euro zahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich freue mich f\u00fcr Thomas Kn\u00fcwer, dass er bei Uber gute Fahrer bekommen hat, ich bin da nicht pissig oder nachtragend. Die Frage, die ich diesbez\u00fcglich aber gerne stellen m\u00f6chte: Wo geht das \u00fcber Anekdoten hinaus, die bisher unzureichende Daten liefern? Wo ist dieses &#8222;gewisse Etwas&#8220;, das Uber haben soll? Wo bitte geht diese Firma auch nur ein einziges von den Problemen an, das bisher bei der Personenbef\u00f6rderung nicht gel\u00f6st werden konnte?<br \/>\nAls Taxifahrer gelte ich \u2013 zu Recht \u2013 immer gleich als befangen bei dem Thema. Das ist schade, aber ok. &#8222;Cui bono?&#8220; und so. Aber all die von Uber begeisterten haben wie Thomas Kn\u00fcwer bislang allenfalls &#8222;War gut!&#8220; oder &#8222;Ist neu und geil!&#8220; geschrieben. Und so leid es mir tut: Das ist zu wenig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/87a9779f63b1419f8325f14def803af0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern kam dann \u2013 was lange abzusehen war \u2013 das Frankfurter Landgericht zu dem Entschluss, dass Uber bundesweit verboten sein soll, Fahrten an Privatfahrer zu vergeben. Die Urteilsbegr\u00fcndung steht noch aus, aber ich vermute, es wird grob vereinfacht darauf rauslaufen, dass man illegale Fahrten auch nicht vermitteln darf, wenn man nicht selbst f\u00e4hrt. 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