{"id":16593,"date":"2014-09-11T07:08:48","date_gmt":"2014-09-11T05:08:48","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=16593"},"modified":"2014-09-11T06:29:25","modified_gmt":"2014-09-11T04:29:25","slug":"die-hoeflichen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/09\/11\/die-hoeflichen\/","title":{"rendered":"Die H\u00f6flichen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen all den schr\u00e4gen Figuren und den durch die Berliner Schnauze so &#8222;authentischen&#8220; Einheimischen vergisst man sie als Kundschaft fast: die ganz leisen und h\u00f6flichen Gesellen. Und zu dieser Sorte geh\u00f6rte der junge Mann ganz offensichtlich, der mich am Ostbahnhof an der dritten R\u00fccke ansprach. Ob ich ihn zur Singerstra\u00dfe bringen k\u00f6nnte, fragte er in gebrochenem Deutsch, ebenso wie viel es kosten w\u00fcrde. Ich fragte zur\u00fcck, wohin in der Singerstra\u00dfe genau \u2013 und als er, offensichtlich vorbereitet, sagte, dass es in der N\u00e4he der Lichtenberger Stra\u00dfe sei, konnte ich schon einmal ziemlich gut eingrenzen, um was f\u00fcr eine Fahrt es gehen w\u00fcrde:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Das sind zwischen 5 und 6 \u20ac.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;OK, vielen Dank. Und w\u00e4re das in Ordnung, wenn ich \u2026 w\u00fcrden Sie mich fahren?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher nicht die lukrativste Tour des Abends, aber nat\u00fcrlich hab ich angenommen. Der Kerl war noch keine 20 Jahre alt und trotz der ziemlich guten Sprache vermutlich das erste Mal in Deutschland. Gut vorbereitet, dem Internet sei Dank \u2013 aber eben nur so weit, wie Google Maps einen bringt. Im Reallife sah das f\u00fcr ihn offensichtlich alles nochmal schwieriger aus. Er nutzte die zwei Minuten, mich alles \u00fcber den Taxitarif in Berlin zu fragen und als wir nahe des Ziels waren, sah er sich angestrengt um.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ist da etwa was, was ich kennen k\u00f6nnte? Ein Hostel oder so \u2026&#8220;,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">fragte ich nicht ohne Hintergedanken.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Oh ja, eine Hostel, der, die Nummer 109.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ich wei\u00df, wo das ist. Hir im Hinterhof. Nochmal rechts, dann links \u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da standen wir dann, er mit dem Rucksack in der Hand und sichtbar stolz, dass sein Deutsch f\u00fcr eine gute Taxifahrt gereicht hatte. Die Uhr habe ich bei 5,60 \u20ac auf dem Display gestoppt, da stellte er dann die Frage, die sich viele nicht zu stellen trauen: ob man denn im Taxi Trinkgeld geben w\u00fcrde. Ich hab&#8217;s bei der Wahrheit belassen: dass es \u00fcblich ist und man sich gerne an 10% orientieren kann, es aber freiwillig ist. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte ich auch 20% nennen k\u00f6nnen, oder darauf hinweisen, dass viele bei so kurzen Strecken deutlich mehr geben etc. pp. Selbst Taxifahren ist ja nicht nur der Kampf um die letzten paar Cent, die man aus einem anst\u00e4ndigen Neukunden noch rausholen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat dann halbwegs eloquent auf 6 \u20ac aufgerundet und sich weiterhin h\u00f6flich verabschiedet und sich f\u00fcr die Fahrt bedankt. Ein zufriedener Kunde, ein guter erster Eindruck, ich hoffe, dass sich sowas auszahlt. Mehr Geld hab ich zweifelsohne mit den besoffenen Engl\u00e4ndern 4 Stunden sp\u00e4ter gemacht, die mir nach 120 ins Ohr gelallten Fucks ihre 11,20 \u20ac auf 15,00 \u20ac aufgerundet haben \u2013 aber man kann sich insgeheim ja auch mal \u00fcber die anderen Fahrten freuen, auch wenn man noch so hart im Nehmen ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/9e36b9962c764e38926f57b0ceb00917\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen all den schr\u00e4gen Figuren und den durch die Berliner Schnauze so &#8222;authentischen&#8220; Einheimischen vergisst man sie als Kundschaft fast: die ganz leisen und h\u00f6flichen Gesellen. Und zu dieser Sorte geh\u00f6rte der junge Mann ganz offensichtlich, der mich am Ostbahnhof an der dritten R\u00fccke ansprach. 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