{"id":16363,"date":"2014-08-25T06:42:56","date_gmt":"2014-08-25T04:42:56","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=16363"},"modified":"2014-08-25T08:20:19","modified_gmt":"2014-08-25T06:20:19","slug":"wie-wundercar-die-shareconomy-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/08\/25\/wie-wundercar-die-shareconomy-entdeckt\/","title":{"rendered":"Wie Wundercar die Shareconomy entdeckt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im uber-gebeutelten Personenbef\u00f6rderungsgewerbe hat sich einiges bewegt. Wenn man dem Wall Street Journal glauben will, dann hat sich in letzter Zeit \u2013 unbemerkt von mir \u2013 was getan. Nicht nat\u00fcrlich bei Uber, die verhalten sich nach wie vor wie ein ausbeuterischer Schei\u00dfhaufen; daf\u00fcr aber bei Wundercar. Die sind zwar auf der selben Hype-Welle mitgeschwommen, lassen auch Privatleute Fahrg\u00e4ste mitnehmen, aber ich hab sie mir aus Gr\u00fcnden nie so zur Brust genommen wie Uber. Ja, nat\u00fcrlich kratzen auch sie an \u00a71 des PbefG und man tut gut daran, sie unter dem Aspekt kritisch zu begleiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was in der Uber-Pop-Debatte zwischen all dem aufgew\u00fchlten Dreck gerne immer wieder unterging, war, dass das Bohei um die Fahrtenvermittlung von Privat zu Privat nur unter dem Gesichtspunkt wirklich schwierig wird, wo die Fahrt &#8222;entgeltlich&#8220; erfolgt. Und an der Definition, das muss man gestehen, kratzt Wundercar sp\u00e4testens jetzt nur noch ein bisschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"wsj.de \u2013 Wie Wundercar der Uber-Falle entfliehen will\" href=\"http:\/\/www.wsj.de\/nachrichten\/SB10001424052970204088004580107651510555716\" target=\"_blank\">Das WSJ hat gestern berichtet<\/a>, dass Wundercar seit dem Eingreifen der Hamburger Beh\u00f6rden die vorgeschlagene &#8222;Trinkgeld&#8220;-Summe f\u00fcr die Fahrten auf 20 Cent pro Kilometer gesenkt hat und nunmehr als &#8222;Betriebskosten&#8220; ausweist. Gut, nat\u00fcrlich ist letzteres bewusst ein Zitat aus dem Gesetz, um der Regelung zu entkommen \u2013 aber wenn der Betrag stimmt, dann ist das nicht ernsthaft gelogen. Da f\u00fcr eine Fahrt immer Betriebskosten anfallen und diese mit ziemlicher Sicherheit diese 20 Cent \u00fcbersteigen, halte ich diese Definition f\u00fcr soweit fair.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor Gericht wird sicher noch einmal kritisch be\u00e4ugt, wer \u00fcber das Fahrtziel bestimmt, aber wenn ihr mich pers\u00f6nlich und als Taxifahrer fragt, dann ist das so eine der Fragen, \u00fcber die man diskutieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn ohne die Gewinnerzielungsabsicht des Fahrers durch h\u00f6chstwahrscheinlich nicht kostendeckende Bezahlung ist die Chance nur minimal, dass dabei ein Gehirntr\u00e4ger eine gewerbsm\u00e4\u00dfige Personenbef\u00f6rderung betreiben wird. \ud83d\ude09<br \/>\nWundercar verbietet den Fahrern, Geld zu verlangen (dass sie das durchsetzen bleibt zu hoffen), somit wird vermutlich tats\u00e4chlich oft der vorgeschlagene Betrag \u2013 oder bei miesen Fahrten weniger \u2013 liegenbleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und w\u00e4hrend wir alle noch dar\u00fcber streiten, warum Taxis gelegentlich teurer als UberPop sind, frage ich nun mal mit dem Modell von Wundercar im Ged\u00e4chtnis zur\u00fcck: wieso kostet eigentlich bei Uber etwas, das als total coole neue Shareconomy feilgeboten wird, mindestens fast so viel wie ein Taxi und manchmal sogar ein Vielfaches des Taxipreises?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und mit dieser viel leiseren und deswegen auch unter meinem Radar gelaufenen Wundercar-Debatte ergeben sich so viele neue Geschichten, es ist mir ein inneres Blumengie\u00dfen, ehrlich! Denn unter anderem auch dadurch kriegen wir in der Diskussion mal wieder ein bisschen Boden unter den F\u00fc\u00dfen. Auch wenn ich damit einigen Branchenvertretern ans Bein fahre, weise ich hier noch einmal darauf hin, dass ich noch kein einziges Mal gegen eine Mitfahrzentrale gewettert\u00a0 habe oder das Car- oder Bikesharing, geschweige denn die Fahrradrikschas oder gar Bus und Bahn angegriffen hab, weil sie Konkurrenz sind. Sonst w\u00e4re ich schon vor UberPop am Fluchen gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Ich hab ja nicht einmal bei der Einf\u00fchrung von UberBlack anno dazumal, als sie noch an den Erfolg glaubten, gemeckert \u2013 <a title=\"GNIT \u2013 \u00dcbertriebene Konkurrenz\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2013\/01\/18\/ubertriebene-konkurrenz\/\" target=\"_blank\">sondern zur Ruhe gemahnt<\/a>.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will hier keine Werbung f\u00fcr Wundercar machen. Die sind auch neu, auch da gibt es offene Fragen und ebenso wie bei uns bei einer Tariferh\u00f6hung oder einer \u00c4nderung des PbefG wird man bei ihnen bei Neuerungen hingucken m\u00fcssen, ob das so jetzt immer noch passt. Und deswegen ist es auch kein b\u00f6ser Affront, dass sich Gerichte mit der App befassen \u2013 seit Uber glaubt die Welt hierzulande ja scheinbar, dass sich Gerichte davor noch nie mit irgendwas befasst haben. Dabei ist das auch im Personenbef\u00f6rderungsgewerbe und angrenzenden Branchen das normalste der Welt in einem Rechtsstaat und nicht das schlechteste Zeichen \u2013 auch wenn&#8217;s einem pers\u00f6nlich gerade mal nicht passt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gerade dadurch, dass es sich f\u00fcr Wundercar-Fahrer nicht lohnt, f\u00fcr den dicken Reibach 5 Stunden in der Stadt umherzugurken (was Uber von seinen Fahrern f\u00fcr gewisse Boni bisweilen verlangt und viel \u00fcber deren Idee des &#8222;Teilens&#8220; und den damit einhergehenden Umweltaspekten etc. zeigt), sieht die Sache bei Wundercar ganz entscheidend anders aus. Ehrlich! Ja, vielleicht wird ein Gericht noch eine Trinkgeld-Obergrenze festlegen oder festschreiben, dass die Strecke vom Fahrer vorher festgelegt werden muss. Wird man sehen. Und ggf. im Einzelfall diskutieren oder anfechten, das mag sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dann kann ich mir Wundercar prima als Service auf unseren Stra\u00dfen vorstellen. Denn:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erkl\u00e4rung f\u00fcr Kunden:<\/strong><br \/>\nIch hab&#8217;s immer wieder gesagt, vielleicht glaubt es ja jetzt wer: es geht nicht um die Konkurrenz. Oder um starre alte Regeln, die das l\u00e4ssige Teilen verhindern. Es ging immer nur um sinnvolle Spielregeln und allenfalls nebenbei um den Schutz des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs. Regeln m\u00fcssen sich auch mal \u00e4ndern, und das haben sie immer schon getan. Deswegen pauschal jedem mit Geld wedelnden Arschloch entgegenzukommen, kann jedoch nicht das Ziel sein, so lange es gesellschaftliche Interessen gibt. Und den gesellschaftlichen Interessen widmet Uber weltweit nicht einen Finger breit Toleranz, sondern bek\u00e4mpft sie ohne R\u00fccksicht auf Verluste, stets ausschlie\u00dflich den Anlegern und deren Geldbeuteln verpflichtet. So lange es allerdings nur um eine Erweiterung von M\u00f6glichkeiten geht \u2013 und im Gegensatz zu gewerblicher Personenbef\u00f6rderung, nur eine Stufe ausbeuterischer; ist unkommerzielles Ride-Sharing eine Erweiterung im Sinne aller Teilnehmer \u2013 geht das in Ordnung. DAS sind die Ver\u00e4nderungen, \u00fcber die man ergebnisoffen diskutieren kann und die uns am Ende eventuell weiterbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erkl\u00e4rung f\u00fcr Taxifahrer:<\/strong><br \/>\nIch wei\u00df, ich &#8222;sollte&#8220; Wundercar jetzt nicht gut finden, stimmt&#8217;s?<br \/>\nZum einen aber tue ich das nur unter den oben genannten Bedingungen. An die Regeln halten geh\u00f6rt dazu. F\u00fcr all die, die grunds\u00e4tzlich jedes positive Erw\u00e4hnen von Konkurrenz irgendwie schlimm finden: spart Euch eure Energie f\u00fcr Uber und \u00e4hnliche auf!<br \/>\nWenn Wundercar das Ridesharing so einsetzt, wie sie es vorhaben, dann sollten wir ihnen Erfolg w\u00fcnschen. Denn der Trend geht weg vom Privat-PKW und Angebote wie dieses f\u00f6rdern diese Entwicklung. Und allen Unkenrufen zum Trotz ist unser gr\u00f6\u00dfter Konkurrent auch in 10 Jahren nicht ein \u00fcbergeschnappter Kalanick sondern die vor jedem Haus stehende Kiste, in die alle bei Bedarf gef\u00fchlt umsonst einsteigen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/589847e90e87492893c26aecb457d5c8\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PS: In Teilen ist dieser recht positive Artikel auch der Tatsache geschuldet, dass ich es nicht mehr gewohnt bin, \u00fcber Apps zu schreiben, deren CEOs mich nicht pers\u00f6nlich beleidigen und meine Arbeit zumindest unterschwellig als bescheuert bezeichnen. Ich wollte dem im Sinne der Diskussionskultur Rechnung tragen und klarstellen, dass ich Beleidigungen nicht zwingend als Mittel der Wahl sehe, sondern sie nur dort einsetze, wo die soziale Kompetenz meiner Gegen\u00fcber mich zu drastischer Ausdrucksweise zwingt um verstanden zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im uber-gebeutelten Personenbef\u00f6rderungsgewerbe hat sich einiges bewegt. Wenn man dem Wall Street Journal glauben will, dann hat sich in letzter Zeit \u2013 unbemerkt von mir \u2013 was getan. Nicht nat\u00fcrlich bei Uber, die verhalten sich nach wie vor wie ein ausbeuterischer Schei\u00dfhaufen; daf\u00fcr aber bei Wundercar. 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