{"id":16140,"date":"2014-07-25T07:04:05","date_gmt":"2014-07-25T05:04:05","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=16140"},"modified":"2014-07-25T05:11:41","modified_gmt":"2014-07-25T03:11:41","slug":"besetzt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/07\/25\/besetzt\/","title":{"rendered":"Besetzt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gestern ist mir im Laufe der Debatte \u00fcber Uber <a title=\"GNIT \u2013 Kommentar von katapult\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/07\/23\/hamburg-verbietet-uber-pop\/#comment-50871\" target=\"_blank\">ein Kommentar von katapult<\/a> aufgefallen. Ohne jetzt die ganze UberPop-Debatte nochmal zu wiederholen (<a title=\"taxi-blog.de \u2013 Leserkommentare uberpruft, Teil 1\" href=\"http:\/\/www.taxi-blog.de\/wordpress\/sonstwas\/5594\/leserkommentare-uberpruft-teil-1\/\" target=\"_blank\">Torsten kam mir zuvor.<\/a> \ud83d\ude09 ) hat mich die Vorstellung davon, dass Uber sicher weniger Leerkilometer h\u00e4tte als MsTaxi zuvor von ihrer letzten Nachtschicht berichtet hatte, fasziniert. Bei ihr waren das 49 Besetztkilometer von 121 insgesamt. War keine tolle Schicht, hat sie selbst auch geschrieben.<br \/>\nkatapult setzte dann f\u00fcr Uber \u2013 sicher etwas vorschnell \u2013 90% Besetztkilometer an, weil die ja effektiv ans n\u00e4chste Auto vermitteln w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist das f\u00fcr Leute mit Ahnung vom Gewerbe nat\u00fcrlich als utopisch zu erkennen. Aber das ist ja genau so ein typischer Fall, wo sich andere Menschen \u2013 also auch Kunden \u2013 regelm\u00e4\u00dfig vertun: Sie haben eine unklare Datenlage, z.B. ihre letzte Fahrt oder auch mehrere; und rechnen das dann hoch. So landen manche auch bei der Einsch\u00e4tzung, wir verdienen 50 \u20ac in der Stunde: weil sie ja eben gerade in 20 Minuten f\u00fcr 20 \u20ac gefahren sind und der Sprit bei den paar Kilometern ja h\u00f6chstens einen Zehner kostet \u2026 sehr grob vereinfacht. Aber manche rechnen wirklich so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">90% Besetztkilometer sind weder f\u00fcr Taxen, noch f\u00fcr Limousinen oder dergleichen auch nur ann\u00e4hernd erreichbar. Selbst wenn Uber statt einem illegalen MyTaxi-Klon etwas wirklich innovatives programmiert h\u00e4tte, w\u00e4re an sowas im Traum nicht zu denken. Und die Begr\u00fcndung ist so simpel im gro\u00dfen Ganzen, wie sie im Detail kompliziert sein kann. Im gro\u00dfen Ganzen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind Individualverkehr und die Kunden leben alle anders und nur bedingt berechenbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein klassisches, sehr modellhaftes Bild: Wenn ich Leute zu einem beginnenden Konzert fahre, werde ich dort vermutlich erst nach dessen Ende anderthalb bis vier Stunden sp\u00e4ter wieder Kundschaft haben, die heim will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso ist z.B. zu meiner Arbeitszeit, am Wochenende nachts, in der Stadt viel Kundschaft unterwegs, aber ein nicht geringer Teil davon will in irgendwelche Au\u00dfenbezirke nach Hause. Dann stehe ich da drau\u00dfen in einem Wohngebiet, in dem ein Fenster erleuchtet ist: das meines Kunden eben, der bestimmt in den n\u00e4chsten 48 Stunden kein Taxi mehr braucht. Nat\u00fcrlich gibt es dort immer wieder einzelne Fahrten \u2013 aber in der gro\u00dfen Masse m\u00fcssen Taxen wieder in die City zur\u00fcckfahren, um dort f\u00fcr die Kundschaft dazusein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Kleiner Tipp am Rande: wenn ihr nachts etwas weiter drau\u00dfen ein Taxi nach noch weiter drau\u00dfen braucht und schon mal loslauft \u2013 achtet auf den Gegenverkehr! Dort werden mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit freie Taxen fahren.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und derartiges gibt es am laufenden Band. Taxen m\u00fcssen z.B. gelegentlich Tanken oder repariert werden. Alles Fahrten, die man ohne Kundschaft machen muss. Meist wohnen Taxifahrer auch nicht \u00fcber einer Kneipe, sondern m\u00fcssen erst einmal irgendwohin fahren. \u00dcberhaupt: selbst wenn es zahllose Taxen gibt: bei 90% Auslastung bedeutet das bei einer normalen Tour um die 5 km, dass man sowohl f\u00fcr die Anfahrt als auch die Abfahrt allerh\u00f6chstens 500 Meter fahren &#8222;d\u00fcrfte&#8220;. Es gibt Gegenden, da findet man in dem Umkreis nicht einmal ein eingeschr\u00e4nktes Halteverbot. Geschweige denn einen Taxistand oder einen anderen Ort, wo man mit Kundschaft rechnen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte heute nacht zum Ende hin einen prima Lauf. Der Ostbahnhof war mir zu unsicher, die Schlange war mir zu lang, also bin ich mal losgefahren. 2 Kilometer leer. Dann Winker. 2 Kilometer etwa. Direkt am Ziel stiegen gleich wieder welche ein. F\u00fcr nochmal 2 Kilometer. Dort das selbe: sofort eingestiegene Kundschaft. Mit einem Ziel in 5 Kilometern Entfernung. Perfekt! Aber das sind unter 90% Auslastung \u2013 noch gar nicht eingerechnet, dass ich zuvor bei der Tanke war und nach der letzten Tour 6 Kilometer bis zum Abstellplatz des Autos fahren musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das mit eingerechnet war ich wieder bei unter 50% Auslastung. Und das ohne einen Umweg gefahren zu sein, der mich vielleicht n\u00e4her an andere Kundschaft gebracht h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besetztkilometer notiere ich mir nicht gesondert. Auf den Abschreibern schon, aber f\u00fcr meine Statistik sind sie irrelevant. Am Ende kommt es darauf an, <a title=\"GNIT \u2013 Der Kilometerschnitt\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2010\/10\/26\/der-kilometerschnitt\/\" target=\"_blank\">wie viel ich pro Kilometer verdient hab<\/a> \u2013 und die Zahl hat nur indirekt damit zu tun. (kurze Fahrten sind z.B. pro km teurer)<br \/>\nWenn ich sch\u00e4tzen m\u00fcsste, liege ich auch bei 40 bis 50% mit Kundschaft an Bord. Das ist nat\u00fcrlich nur ein beispielhafter Wert. Schlie\u00dflich arbeiten die Kollegen alle unterschiedlich. Da ich den Funk aushab, bekomme ich unterwegs sicher weniger Fahrten \u2013 andererseits fallen daf\u00fcr Anfahrtswege und Fehlfahrten weg. Ich fahre gerne zu meinen Lieblingshalten in der Innenstadt zur\u00fcck und dabei gerne Umwege, die erfahrungsgem\u00e4\u00df bez\u00fcglich Winkern vielversprechend sind, andere Kollegen haben viel mehr und besser verteilte Halten oder Sektoren. Ich kann keine f\u00fcrs Gewerbe g\u00fcltige Durchschnittszahl nennen, aber ich bin mir 100%ig sicher, dass sie n\u00e4her an 40% als an 90% liegt.<br \/>\nUm das zu erreichen, m\u00fcssten die Kunden zu uns kommen und nicht umgekehrt. Und da sind wir dann bei dem, was man gemeinhin Linienverkehr nennt und mit Individualverkehr nicht viel gemein hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und um nochmal auf Uber zur\u00fcckzukommen: genau das Gl\u00fcck, das ich heute Nacht hatte, kann ein Uber-Fahrer nicht haben. Er mag unterwegs einen neuen Auftrag bekommen \u2013 aber dass Aus- und Einstiegsort derselbe sind, klappt vor allem, weil wir als Taxen erkennbar sind.<br \/>\nAu\u00dferdem: auch wenn Uber mit vermeintlicher Innovation rumprahlt: was die Fahrtvermittlung angeht, sind Taxen seit jeher sehr effizient gewesen. Wenn ich mich richtig erinnere, liegt die durchschnittliche Wartezeit in Berlin immer noch bei rund 4 Minuten oder so. Nat\u00fcrlich kann deswegen ein Gro\u00dfraumtaxi mit Kindersitz nach Marzahn-Nord trotzdem mal eine halbe Stunde brauchen oder sogar nicht verf\u00fcgbar sein. Aber die vielen Leute, deren Taxi nach 2 Minuten da ist, gleichen das statistisch wieder aus. Und das ist eine logische Konsequenz aus der schieren Masse an Taxen, die rumf\u00e4hrt. Die \u2013 das sei hier ganz explizit erw\u00e4hnt \u2013 einer der Gr\u00fcnde ist, weswegen es f\u00fcr den einzelnen Fahrer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig zu holen gibt, bzw. die Taxipreise so hoch sind. Auch Effizienz hat zwei Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uber versucht also nicht weniger als gen\u00fcgend Fahrer auf die Stra\u00dfe zu kriegen, um mit unseren Anfahrten gleichzuziehen. Dabei versprechen sie den Fahrern mehr Geld als ein Taxifahrer verdient, den Kunden mehr Qualit\u00e4t und niedrigere Preise \u2013 und sie selbst versuchen mehr Gewinn aus der Sache zu ziehen als z.B. meine Chefs, die das Gewerbe vor Ort seit 30 Jahren kennen. Man muss nicht mal an 90% Besetztkilometer glauben, um das f\u00fcr ein v\u00f6llig bescheuertes Unterfangen zu halten. Was gibt&#8217;s n\u00e4chste Woche? Wolpertinger-Steak mit Einhornsauce? Die eierlegende Wollmilchsau ist ja anscheinend schon \u00fcberholt worden \u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e74db5357ea74550b40d0ab742419a32\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern ist mir im Laufe der Debatte \u00fcber Uber ein Kommentar von katapult aufgefallen. Ohne jetzt die ganze UberPop-Debatte nochmal zu wiederholen (Torsten kam mir zuvor. \ud83d\ude09 ) hat mich die Vorstellung davon, dass Uber sicher weniger Leerkilometer h\u00e4tte als MsTaxi zuvor von ihrer letzten Nachtschicht berichtet hatte, fasziniert. 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