{"id":16024,"date":"2014-07-02T10:22:09","date_gmt":"2014-07-02T08:22:09","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=16024"},"modified":"2014-07-02T06:52:23","modified_gmt":"2014-07-02T04:52:23","slug":"lehnt-keine-kurztouren-ab","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/07\/02\/lehnt-keine-kurztouren-ab\/","title":{"rendered":"Lehnt keine Kurztouren ab!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich <a title=\"GNIT \u2013 Bef\u00f6rderungspflicht\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/07\/02\/befoerderungspflicht\/\" target=\"_blank\">heute morgen nach Christians Beispiel <\/a>mal wieder so hart gegen die Kollegen gewettert habe, die kurze Fahrten ablehnen, bzw. Fahrg\u00e4ste nach hinten schicken, etc. pp., wollte ich mal einen (halbwegs) sachlichen Text f\u00fcr genau diese Kollegen schreiben. Um einfach eventuelle Missverst\u00e4ndnisse auszur\u00e4umen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum man keine kurzen Touren ablehnt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Ihr gewinnt dabei nix!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df, f\u00fcr die meisten von uns z\u00e4hlt in erster Linie mal der Kassenstand nach der Schicht. Unser angestrebtes Ziel erreichen wir dabei nicht immer, unser Wunschziel eigentlich nie. Und wenn man mal eine Stunde steht, will man auch eine 20\u20ac-Tour haben, um wenigstens noch eine Chance zu haben, das wieder reinzuholen.<br \/>\nDabei ist die Bezahlung der kurzen Touren doch nicht schlecht. Wir verdienen mehr an ihnen als an langen Fahrten. Unser Problem ist das Warten davor. Und ratet mal, was eines der ganz gro\u00dfen Kriterien f\u00fcr die Kunden ist, nicht Taxi zu fahren? Ja, im Ernst: dass es so stressig ist, eine kurze Strecke zu fahren! Die haben Angst, dass sie am Stand angemeckert oder sowieso nicht gefahren werden. Wenn sie mal m\u00fcssen, dann entschuldigen sie sich tausendfach und vermeiden es n\u00e4chstes Mal trotzdem wieder. Nat\u00fcrlich steigt nicht jeder Kunde auf eine Alternative um, aber wer langsam kackt, kriegt auch &#8217;nen Haufen \u2013 und ihr verkackt unser Gewerbe schon seit Jahrzehnten.<br \/>\nJa, das sieht man nicht am selben Abend auf dem Taxameter. Aber seid Ihr es nicht, die mir erz\u00e4hlen, dass fr\u00fcher alles besser war? Man braucht nicht Wirtschaftswissenschaften zu studieren, um den Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und Anzahl der Kunden zu verstehen. Und statistisch verlieren alle Taxifahrer Geld, wenn auch nur eine Fahrt wegf\u00e4llt. Ihr merkt das nicht sofort, aber irgendwann werdet auch Ihr auf die Fahrten l\u00e4nger warten m\u00fcssen.<br \/>\nIch wei\u00df, dass die Miete diesen Monat bezahlt werden muss. Aber in 5 Jahren ebenfalls \u2013 und billiger wird sie kaum werden bis dahin. Und wenn Ihr jetzt behauptet, dass Eure Ums\u00e4tze seitdem aber gestiegen sind: Sie h\u00e4tten noch mehr steigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Ihr nervt Leute, die nix f\u00fcr Eure schlechte Laune k\u00f6nnen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Glaubt Ihr wirklich, die Kunden wollen uns \u00e4rgern mit kurzen Strecken? Wann seid Ihr das letzte Mal umgezogen, um m\u00f6glichst weit vom Bahnhof weg zu wohnen, falls Ihr mal mit einem Taxi heim m\u00fcsst? Seit wie vielen Generationen ist es bei Euch in der Familie \u00fcblich, sich die Beine zu brechen, um Taxifahrer mit kurzen Strecken zu nerven? L\u00f6st Ihr im Bus immer ein Ticket f\u00fcr alle Zonen, damit sich das f\u00fcr die Verkehrsgesellschaft auch richtig lohnt?<br \/>\nWir sind \u00f6ffentlicher NAHverkehr und unsere Fahrg\u00e4ste nutzen uns dementsprechend. Es gibt unsere Jobs, weil Menschen von A nach B m\u00fcssen, nicht weil wir gerne Geld h\u00e4tten. Wenn man mit dem Taxi nicht mehr von A nach B kommt, interessiert sich auch keiner einen feuchten Dreck darum, ob wir dabei pleite gehen. Wenn Ihr immer nur dieselben Strecken fahren wollt, dann werdet Busfahrer! Au\u00dferdem zahlen unsere Kunden f\u00fcr kurze Strecken ein Schweinegeld, warum sollten wir sie da noch anmaulen? Ein Kilometer im Taxi kostet in Berlin einen F\u00fcnfer. Und das wir darauf ewig warten mussten, haben wir mehr Euch zu verdanken als dem Kunden, der gerade fahren will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Ihr versucht, Eure Kollegen abzuzocken!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl das auf den ersten Blick ein Widerspruch zu 1. zu sein scheint: indem Ihr versucht, Euch die langen Fahrten zu holen, beschei\u00dft Ihr alle ehrlichen Kollegen (und nein, nicht nur mich, auch Eure Kumpels!).<br \/>\nLangfristig verlieren wir alle Fahrten, aber davor betreibt Ihr auch noch Rosinenpicken. Wir haben so viele Freiheiten in dem Job, jeder kann durch seine Arbeitsweise auf vielerlei Arten versuchen, mehr Umsatz zu machen. Die richtige Zentrale w\u00e4hlen, mehrere Apps nutzen, Stammkunden werben, in die richtigen Ecken fahren, die besten St\u00e4nde zur richtigen Zeit anfahren, Kunden mehr Trinkgeld aus den Taschen zaubern \u2026<br \/>\nWarum stattdessen Fahrg\u00e4ste um ihr Recht und Kollegen um ihre Fahrten betr\u00fcgen? Seid Ihr so schlechte Taxifahrer, dass Ihr mich zugezogenen Neuling nicht anders \u00fcberbieten k\u00f6nnt? Nat\u00fcrlich fahre ich die Fahrg\u00e4ste, die Ihr zu mir nach hinten schickt. Weil ich nicht das von Euch aufgebaute Klischee von streitlustigen Taxifahrern erf\u00fcllen will und versuche, die Kunden zu halten, die Ihr beinahe vergrault h\u00e4ttet. Aber nat\u00fcrlich habe ich dadurch im Zweifelsfall eine kurze Fahrt mehr, und das, weil ich den Job mache, in dem Ihr schlicht und ergreifend versagt habt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Ihr wisst doch gar nicht, was passiert!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich: eine kurze Tour ist erst einmal kurz. Und dass direkt danach ein Winker eine lange Tour hat ist auch recht selten (obwohl es regelm\u00e4\u00dfig vorkommt). Aber von jeder einzelnen Tour h\u00e4ngt Eure komplette Schicht ab. Jeder Tag, an dem Ihr schlechten Umsatz macht, lag es sowohl an der abgelehnten 5\u20ac-Tour, als auch an der tollen 35\u20ac-Fahrt. Glaubt ja nicht, dass das Ablehnen einer Tour am Ende wirklich zu einer besseren Schicht f\u00fchrt. Es kann, und Eure Chancen steigen ein wenig, sicher. Aber oft genug hat genau der Depp, der Eure Tour hinter euch annimmt, einen Hammertag deswegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Ihr habt kein plausibles Rechenmodell!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Punkte oben zeigen schon ganz gut, dass Euer Ablehnen von kurzen Fahrten sicher berechenbar nur f\u00fcr den Moment gilt. Wenn Ihr nach 20 Minuten Warten bereits eine 8\u20ac-Tour ablehnt, solltet Ihr also konsequenterweise nach 40 Minuten auch eine 16\u20ac-, nach einer Stunde auch eine 24\u20ac-Fahrt ablehnen. Einfach, damit es Sinn ergibt, was Ihr tut. Um den Stundenschnitt zu halten, den Ihr glaubt, damit erreichen zu k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich lehnt keiner von Euch 24\u20ac-Touren ab, und kann ich mir recht simpel erkl\u00e4ren: Ihr seid mit absoluten Zahlen zu beeindrucken, die leider in der Regel kaum was aussagen. Eine 30\u20ac-Tour ist gut, fertig! Sicher, l\u00e4ngere kriegt man in der Innenstadt kaum \u2013 aber Ihr seid damit nicht weiter, als wenn Ihr den kurzen Stich nach kurzer Zeit angenommen h\u00e4ttet. Ganz davon abgesehen, dass es z.B. Trinkeld pro Tour gibt und es prozentual bei k\u00fcrzeren h\u00f6her ausf\u00e4llt. Glaubt es oder nicht: oft klaut Ihr damit eine Schachtel mit 10 Keksen, obwohl man Euch auf ehrlichem Wege 12 Kekse geschenkt h\u00e4tte. Und damit sind wir bei 6.:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Ihr begebt Euch auf d\u00fcnnes Eis!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu all den logischen Argumenten kommt noch das juristische: es ist schlicht illegal, was Ihr macht. Ihr regt euch vermutlich \u00e4hnlich wie ich gerade \u00fcber Uber auf und seid doch keinen Deut besser. Ihr versucht, auf illegalem Weg aus der Personenbef\u00f6rderung f\u00fcr euren eigenen Geldbeutel am meisten rauszuschlagen. Ohne R\u00fccksicht auf Verluste. Und mit jeder abgelehnten Fahrt riskiert Ihr, dass irgendwer Euch anzeigt oder eurem Chef Bescheid sagt. Und das erste Mal ist vielleicht nicht folgenreich, das zweite Mal auch nicht. Aber Ihr seid nicht gut in Statistik und im vorausschauenden Denken, da ist das alles eine Frage der Zeit. Und wenn ich euch meistens keine Aufmerksamkeit widmen kann, weil ich eure Kunden zu betreuen hab: meine Leser sind zahlreich und die k\u00f6nnt Ihr nicht an einer Konzessionsnummer oder einem Bild im Internet erkennen. Ihr k\u00f6nnt Euch nie sicher sein, wem Ihr da die Fahrt verweigert und irgendwann geratet Ihr mal an wen, der seine Rechte kennt \u2026 und gerade Ihr unterschreibt doch gerne, dass jedes Taxi weniger auf der Stra\u00dfe ein Erfolg ist, nicht wahr? \ud83d\ude09<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/55e1a073469b49bbb0e22c5ef4424523\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich heute morgen nach Christians Beispiel mal wieder so hart gegen die Kollegen gewettert habe, die kurze Fahrten ablehnen, bzw. Fahrg\u00e4ste nach hinten schicken, etc. pp., wollte ich mal einen (halbwegs) sachlichen Text f\u00fcr genau diese Kollegen schreiben. Um einfach eventuelle Missverst\u00e4ndnisse auszur\u00e4umen. Warum man keine kurzen Touren ablehnt: 1. Ihr gewinnt dabei nix! 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