{"id":15823,"date":"2014-06-05T07:24:23","date_gmt":"2014-06-05T05:24:23","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=15823"},"modified":"2014-06-12T06:50:12","modified_gmt":"2014-06-12T04:50:12","slug":"uber-taxi-demos-und-all-das","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/06\/05\/uber-taxi-demos-und-all-das\/","title":{"rendered":"Uber, Taxi-Demos und all das"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">So wie es aussieht, wird es am 11.6.2014 eine Taxi-Demonstration <a title=\"GNIT \u2013 Illegale Taxen \u2013 uberhaupt kein Problem\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/04\/16\/illegale-taxen-uberhaupt-kein-problem\/\" target=\"_blank\">gegen Uber<\/a> in Berlin und anderswo geben. Ein gemeinschaftliches Aufbegehren der Taxifahrer in verschiedenen L\u00e4ndern. Die Infos dazu sind noch d\u00fcnn, aber das ist im Grunde auch egal. Ich weise auf die Demo zwar gerne hin, aber ich schreibe das hier nicht deswegen, sondern weil ich in letzter Zeit \u00f6fter mal kritische Kommentare \u00fcber die Gegenwehr der Taxler gelesen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist von Taxi-Kartellen die Rede, davon, dass wir ein Monopol sch\u00fctzen wollen und altbacken und technophob w\u00e4ren und einer revolution\u00e4ren App wie UberPOP den Zugang zum Markt verweigern wollten. Nun ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hey, ich bin ein kritischer Mensch und setze mich selbst als Taxifahrer mit dem Gewerbe entsprechend auseinander. Was also ist dran?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine gewisse Technophobie w\u00fcrde ich dem Gewerbe gerne unterstellen, schlie\u00dflich ist es mit dem Internet und den Apps noch nicht richtig warm geworden. ABER: Wie \u00fcberall betrifft das nur einen Teil, das Taxigewerbe ist wahnsinnig differenziert. Ich sch\u00e4tze z.B., unter den MyTaxi-App-Usern \u00fcber 40 Jahren ist der Anteil der Taxifahrer \u00fcberproportional hoch. Wenn es Geld bringt, machen Taxifahrer vieles. Schon alleine, weil wir bisher nur wenig Geld haben. Wie weit es solche Einstellungen in die h\u00f6heren Strukturen des Gewerbes schaffen, ist aber wieder eine ganz andere Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Taxifahrer gegen revolution\u00e4re \u00c4nderungen sind? Nun ja, da sind wir wohl \u00e4hnlich gespalten wie der Rest der Republik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein wichtigster Einwand richtet sich gegen die Monopol- und Kartell-Vorw\u00fcrfe. Denn das sind schwierige Fragen, die viele Menschen in ihrer Gesamtheit nicht wirklich nachvollziehen k\u00f6nnen und vielleicht deswegen falsch einsch\u00e4tzen. Ja, wir Taxifahrer wehren uns gegen die Angriffe von Uber und ja, wir verlangen in diesem Rahmen, dass man Sondergesetze beibeh\u00e4lt, die es unseretwegen gibt. Und selbst ich, der ich wirklich kein Freund von \u00fcbereifrigem Protektionismus bin, kann da mitgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir geht es weniger um meinen Geldbeutel als um Fairness. Und einen entscheidenden Part, den Uber und sicher viele andere vergessen: Wir Taxifahrer sind Teil des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs. Ich wei\u00df, f\u00fcr manchen da drau\u00dfen ist Taxifahren eine Luxusdienstleistung. F\u00fcr mich gewisserma\u00dfen auch. Ich fahre normalerweise mit der Bahn zur Arbeit. Aber wir schlie\u00dfen tats\u00e4chlich die letzte Mobilit\u00e4tsl\u00fccke in diesem Land. Wir sind auch da, wenn keine Bahnen fahren. Wir sind die letzte Rettung, wenn nichts mehr geht. Taxifahren ist nicht nur die bequemere und luxuri\u00f6sere Variante, in Berlin von einem Club besoffen nach Hause zu fahren, weil man keinen Bock auf Warten hat. Taxifahren ist auch, gehbehinderten Rentnern auf dem Land eine M\u00f6glichkeit zu geben, vom Arzt nach Hause zu kommen, wenn die n\u00e4chste Haltestelle mehrere Kilometer entfernt liegt.<br \/>\nUm das zu gew\u00e4hrleisten, werden uns Pflichten auferlegt. Jede Menge. Unsere Autos m\u00fcssen Spezifikationen erf\u00fcllen, die Fahrer m\u00fcssen Pr\u00fcfungen bestehen, wir m\u00fcssen eine gewisse Dienstzeit einhalten, wir d\u00fcrfen unsere Preise nicht frei bestimmen. Im Gegenzug erhalten wir staatliche Unterst\u00fctzung: es gibt Taxihaltepl\u00e4tze auf der Stra\u00dfe, wir m\u00fcssen nur 7% Mehrwertsteuer erheben, sowas eben. Damit sich das Ganze rechnet, sind wir nebenbei auch Anlaufstelle f\u00fcr Touristen, Betrunkene, Verirrte und Besserverdienende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Limousinen uns letztgenannte Kundschaft abspenstig machen wollen, ist prinzipiell ok. Wenn sie ein Angebot haben, das die Kunden sch\u00e4tzen, dann g\u00f6nne ich ihnen das. Ich bedauere ja selbst, dass im Taxigewerbe viel zu wenig auf die Qualit\u00e4t geachtet wird. Wenn sich entt\u00e4uschte Kunden andere Dienste suchen, ist das ihr gutes Recht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem an Angeboten wie UberPOP ist also wirklich nicht, dass sie uns Kundschaft abspenstig machen. Damit m\u00fcssen auch wir leben und gegebenenfalls einfach besser werden als die Konkurrenz. Das Problem ist, dass sie \u2013 gegen geltendes Recht \u2013 Fahrer ohne P-Schein einsetzen. W\u00e4hrend wir Taxifahrer uns einer harten Pr\u00fcfung bez\u00fcglich der Ortskunde stellen m\u00fcssen, k\u00f6nnen sich das die Uber-Fahrer sparen. Und sparen ist das richtige Wort, denn: Ausbildungen kosten Geld. Und w\u00e4hrend Uber im Falle eines Engpasses die Preise erh\u00f6hen kann, k\u00f6nnen wir Taxifahrer das nicht. UberPOP-Fahrer d\u00fcrfen Kunden ablehnen, wir nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df, in Berlin klingt das l\u00e4cherlich, hier sind so viele Taxen unterwegs, man kann sich Engp\u00e4sse kaum vorstellen. Aber wo bleibt die Mobilit\u00e4t, wenn wir einem Rentner mitteilen w\u00fcrden, dass seine Fahrt heute statt 10,20 \u20ac eher 56,40 \u20ac kosten w\u00fcrde? Einfach, weil am anderen Ende der Stadt eine Messe ist.<br \/>\nTaxifahren ist nicht billig. <a title=\"GNIT \u2013 FAQ zum Taxitarif (insb. Unterpunkt &quot;Warum ist Taxifahren so teuer?)\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/faq\/faq-zum-taxitarif\/\" target=\"_blank\">Kann es leider nicht sein<\/a>, denn auch wir Fahrer m\u00fcssen von irgendwas leben und es ist teuer, sich einen eigenen Angestellten mit einem teuren Ger\u00e4t zu mieten, sorry. Aber wir halten die Preise dadurch halbwegs im Zaum, dass wir gute Standpl\u00e4tze haben, wenig Steuern zahlen und hier und da auch mal eine lukrative Touristenfahrt haben. Deswegen wird das Taxigewerbe gesch\u00fctzt: damit es f\u00fcr die dort arbeitenden Menschen drin ist, zu festen und fast schon vorhersagbaren Preisen Menschen bef\u00f6rdern zu k\u00f6nnen, auch wenn es sich im Einzelfall mal nicht wirklich lohnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Es ist wirklich ein schwieriger Balanceakt, die Zahl der Taxen hoch genug zu halten, um auch in Sondersituationen den Ansturm zu meistern und andererseits in schwachen Zeiten trotzdem genug Geld f\u00fcr die Fahrer einnehmen zu k\u00f6nnen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt Platz f\u00fcr Mitbewerber. Der ist durch diese Einschr\u00e4nkungen nat\u00fcrlich begrenzt, aber mit begrenzten Ressourcen haben wir alle zu k\u00e4mpfen. In vielen St\u00e4dten gibt es z.B. Mietwagen (meist bekannt als &#8222;Minicars&#8220;), die diese L\u00fccke besetzen. Und eben Limousinenservices wie Uber ja eigentlich auch einer ist. Die Frechheit der Macher von UberPOP ist nicht, dass sie (teilweise \u2013 also wenn es passt) bessere Preise anbieten. Sondern dass sie sich gerne die zahlungskr\u00e4ftigen Kunden rauspicken, sich illegal \u00fcber Beschr\u00e4nkungen hinwegsetzen und damit das bislang halbwegs funktionierende Modell zerschie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um ehrlich zu sein: Ja, vielleicht ist UberPOP in diesem oder jenem Moment f\u00fcr die Kunden interessanter, da billiger. Und wir m\u00fcssen alle auf unser Geld achten, nicht wahr? Aber denkt daran, womit es erkauft ist. Ich k\u00f6nnte als Taxifahrer auch mal hier und da einwilligen, einen Festpreis von 12 \u20ac vom Ostbahnhof zum Flughafen Tegel zu machen \u2013 aber halt nur, wenn ich von Tegel aus dann die Touristen um einen Zehner prelle. Legal kann ich das nicht machen, da die Berlin-Heimkehrer zum gewohnten Preis gefahren werden m\u00fcssen \u2013 und so sehr ich stellenweise \u00fcber die beschr\u00e4nkte Flexibilit\u00e4t fluche, so ist es doch auch gut, dass man als Kunde vorher einsch\u00e4tzen kann, was es kostet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mal ganz davon abgesehen, dass man sich mal \u00fcberlegen sollte, wie die Uber-Fahrer bezahlt werden. Im Gegensatz zum Taxi werden 19 statt 7% Mehrwertsteuer f\u00e4llig. Im Gegensatz zu z.B. MyTaxi fallen 20% Provision an statt maximal 15. Rentabel wird das erst dadurch, dass eben allerlei Auflagen, mit denen wir Taxifahrer zu k\u00e4mpfen haben, nicht erf\u00fcllt werden. Und das, man kann es nicht oft genug wiederholen, illegal. Von den UberPOP-Fahrern wird noch nicht einmal eine Gewerbeanmeldung verlangt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich sind wir Taxifahrer nicht der Nabel der Welt, nicht unfehlbar und unersetzlich. Aber ich versuche das jetzt mal mit wenigen Worten zusammenzufassen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/71992429cce64791831176e8511c59b8\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Ein internationales Multimillionen-Dollar-Unternehmen steigt in die deutsche Personenbef\u00f6rderung ein. In ein Gewerbe, in dem tausende Einzel- und Kleinunternehmen mit M\u00fche und Not Geld unter dem angedachten Mindestlohn einfahren. Um das lukrativ \u00fcberhaupt leisten zu k\u00f6nnen, verzichtet es auf sage und schreibe alles, was machbar ist. Da die Fahrer keinen P-Schein brauchen und kein Gewerbe, f\u00f6rdern sie gleicherma\u00dfen Schwarzarbeit wie mangelnden Versicherungsschutz von Fahrern und Fahrg\u00e4sten. Die umfangreichen Ausbildungen oder die pingeligen Anforderungen an die Fahrzeuge ignoriert man gleich mit. Kostet ja alles Geld. Am Ende bieten sie eine 20\u20ac-Taxifahrt f\u00fcr 3 \u20ac weniger an. Wenn ihnen das passt. K\u00f6nnen auch mal 50 \u20ac mehr sein, ist aber ganz selten, versprochen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann stellen die sich in den Medien als arme von Taxi-Kartellen bedrohte sch\u00fctzenswerte Innovationsbude hin?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal j\u00e4hrlich T\u00dcV, einmal j\u00e4hrlich Taxameter eichen lassen \u2013 \u00fcberhaupt ein Taxameter kaufen!, Geld f\u00fcr Alarmanlagen, Dachschilder etc. pp. Ein halbes Jahr lernen auf die Ortskundepr\u00fcfung, ggf. die Schulung bei der IHK, mancherorts Geld f\u00fcr eine Konzession, das Einhalten von Arbeitszeiten, das Bezahlen von Steuern etc. pp \u2026<br \/>\nSicher, das alles wegzulassen, um am Ende 3 \u20ac billiger zu sein: das ist wirklich innovativ. Sch\u00e4tze aber, das wird bei den Richtern nicht das Wort der Wahl sein \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Personenbef\u00f6rderungsgesetz, gegen das das Unternehmen jetzt wettert, ist in erster Linie ein Verbraucherschutz. Damit nicht jeder Depp mit jedem Auto gewerblich Personen bef\u00f6rdern darf. Gleicherma\u00dfen sind die H\u00fcrden dort zumindest mal so niedrig, dass immer noch \u00fcber Taxifahrer geschimpft wird und es unz\u00e4hlige Mitbewerber in Deutschland gibt, die \u2013 ob mit Minicars oder Limousinen \u2013 auch ihre Nische gefunden haben. Und wir Taxifahrer im Speziellen haben gegen ein paar zus\u00e4tzliche Pflichten auch ein paar Sonderrechte, damit wir eine Versorgung garantieren k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Regelungen m\u00f6gen nicht perfekt sein, nicht ohne Grund wird auch bei uns im Gewerbe viel gemeckert. Aber es ist doch wohl nachzuvollziehen, dass wir uns nicht gefallen lassen, wenn die von Uber mit Dollarscheinen wedeln und behaupten, f\u00fcr sie w\u00fcrden die Regeln nicht gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle verlinke ich gerne den offenen Brief von Richard Leipold \u2013 jenem Unternehmer, der gegen Uber \u2013 allerdings den Limousinendienst, nicht UberPOP \u2013 eine einstweilige Verf\u00fcgung (in dem Fall wegen dem illegalen Bereithalten der Autos) erwirkt hat. Ein \u2013 Respekt daf\u00fcr! \u2013 wirklich sinnvoller und unpolemischer, fast schon sachlicher und konstruktiver Beitrag zur Debatte: <a title=\"berliner-taxi-vereinigung.de \u2013 Offener Brief zum Thema UBER\" href=\"http:\/\/www.berliner-taxi-vereinigung.de\/index.php?taxinewsID=342\" target=\"_blank\">Offener Brief von Richard Leipold<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, sicher: dem Taxigewerbe an sich geht es nat\u00fcrlich durchaus auch ums Geld. Es ist schwierig genug, in dem Gewerbe sein Auskommen zu haben und selbstverst\u00e4ndlich ist auch das ein Grund, sich zu wehren, wenn andere mit unfairen Methoden den Markt <del>kaputt<\/del> noch kaputter machen. Schlimm genug, dass man die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen nicht in den Griff bekommt \u2013 aber da verhallt unser Rufen nach dem Eingreifen der Politik ja auch seit Jahren. Wer glaubt, hier sei irgendein Kartell an der Macht, der sollte sich mal den Kampf der Gewerbevertretungen untereinander und den st\u00e4ndigen Clinch mit dem LABO reinziehen \u2026<\/p>\n<p>Zu guter Letzt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Leute von Uber,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Taxen im Preis unter-, in der Qualit\u00e4t aber \u00fcberbieten. Und dabei noch mehr Geld rausholen. Das ist ein echt hehres Ziel, Respekt! Aber seid Ihr wirklich so bescheuert, dass Ihr glaubt, wir h\u00e4tten noch nie in den letzten 100 Jahren versucht, besser, billiger und lukrativer zu werden? Was glaubt Ihr wohl, warum wir&#8217;s nicht geschafft haben?<br \/>\nDas ist kein Vertrauen in die eigene Innovation mehr, das ist dumm und naiv.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So wie es aussieht, wird es am 11.6.2014 eine Taxi-Demonstration gegen Uber in Berlin und anderswo geben. Ein gemeinschaftliches Aufbegehren der Taxifahrer in verschiedenen L\u00e4ndern. Die Infos dazu sind noch d\u00fcnn, aber das ist im Grunde auch egal. 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