{"id":15634,"date":"2014-04-23T07:22:58","date_gmt":"2014-04-23T05:22:58","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=15634"},"modified":"2014-04-23T07:27:17","modified_gmt":"2014-04-23T05:27:17","slug":"will-ichs-wissen-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/04\/23\/will-ichs-wissen-1\/","title":{"rendered":"Will ich&#8217;s wissen? (1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Meine letzten Fahrg\u00e4ste waren vor einem Kilometer erst ausgestiegen und hatten mich an diesem Sonntag auf 50 \u20ac Umsatz gebracht. Auf den Punkt genau. Das h\u00e4tte egal sein k\u00f6nnen, aber ich hatte mir vorgenommen, diesen Umsatz als Marke zu nehmen, um anschlie\u00dfend das Auto zu betanken. 70 \u20ac wollte ich in meiner halben Schicht einfahren, aber ich tanke gerne vor der letzten Tour, falls sie mich in eine Gegend verschl\u00e4gt, von der aus ich dann weite Umwege zu einer der Erdgas-Tankstellen fahren m\u00fcsste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da schnellte ein Arm hoch und ich legte ein ziemlich apruptes Bremsman\u00f6ver auf der Torstra\u00dfe hin. Aber alles im gr\u00fcnen Bereich: kein einziges Auto weit und breit auf der Stra\u00dfe au\u00dfer mir. Der winkende Arm geh\u00f6rte zu einer jungen asiatisch aussehenden Frau und die n\u00e4chsten zwei Minuten verbrachten wir mit leichten Kommunikationsschwierigkeiten und dem Versuch, das Fahrtziel zu er\u00f6rtern. So grob war es schnell klar \u2013 die Herzbergstra\u00dfe. Aber welche Ecke da genau war ein bisschen schwierig. Direkt damit zusammenh\u00e4ngend: Was es etwa kosten w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich taxierte schnell mal 15 \u20ac, aber da sie irgendwie verunsichert wirkte, gab ich mal einen Stra\u00dfennamen ein, der eigentlich weiter weg h\u00e4tte liegen sollen \u2026<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Naja, eher so 12 bis 13 \u20ac.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war es dann erst einmal mit der Unterhaltung, denn sie telefonierte. Und das in \u2013 vermutlich \u2013 ihrer Muttersprache. Ich verstand kein Wort und wurde aus dem Alltagstrott, den das stumme Fahren halt darstellt, rausgerissen, als sie mir dann pl\u00f6tzlich den Weg zu einer anderen Kreuzung als erwartet wies. Als sie mich dann dort auch noch auf eines der riesigen Industriegel\u00e4nde einbiegen lies, neiget sich die Uhr deutlich \u00fcber 13 \u20ac. Ich h\u00f6rte die junge Frau am Telefon weinen und neben mir unbekanntem Vokalsalat das Wort &#8222;Taxi&#8220; jammern. In der Hoffnung, ihren offensichtlich schlechten Tag ein wenig aufzuheitern, hab ich die Uhr dann bei 14,00 \u20ac ausgemacht, obwohl wir noch am Fahren waren. Aber arg weit konnte es auch nicht mehr sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie lotste mich ein paar hundert Meter zwischen nicht mehr ganz benutzbar aussehenden Industriebaracken hindurch und ich folgte geduldig. Am Ende standen wir im tiefsten Lichtenberg (und doch nicht einmal weit vom Abstellplatz des Autos entfernt) mitten im Hof und sie stieg panisch telefonierend aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist es ja so, dass es bessere Situationen gibt, als als Taxifahrer in einem verlassenen Industriegebiet bei einsetzendem Regen alleine rumzustehen, w\u00e4hrend die Kundschaft telefonierend fl\u00fcchtet. Viele Kollegen unterstellen mir gerne Leichtsinnigkeit bei solchen Fahrten, aber ich hab die Lage durchaus vern\u00fcnftig versucht einzusch\u00e4tzen. Trotz Dunkelheit hatte ich gute Sicht in alle Richtungen. Mir standen drei Fluchtwege offen und der Gro\u00dfteil meines Geldes war gut versteckt. Und ich behielt meine Kundin vorerst immer genau im Auge, obgleich sie selbst eher ver\u00e4ngstigt als gef\u00e4hrlich wirkte. Der Z\u00fcndschl\u00fcssel steckte, der Motor lief und ich hab beschlossen, dass ich jetzt einfach mal abwarte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In alle drei verf\u00fcgbaren Richtungen rannte die junge Frau jeweils bis zu 100 Meter weit, nie jedoch au\u00dfer Sichtweite. Was beruhigend war. Obwohl ich langsam Zweifel hatte: Ich wollte die 14 \u20ac von ihr schon haben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwann bin ich ihr dann tats\u00e4chlich ein paar Meter hinterhergerollt, erst in die eine, dann wieder zur\u00fcck in die andere Richtung. Sie fluchte und heulte am Telefon und ich wusste so langsam gar nicht mehr, woran ich war. W\u00e4hrend ich mich \u00e4rgerte, dass sich das in die L\u00e4nge zog und die Uhr aus war, verschwand die junge Dame pl\u00f6tzlich um eine Hausecke \u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/63e1325574db4bcaafce3cf8bb330c61\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fortsetzung folgt heute Mittag um 15 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine letzten Fahrg\u00e4ste waren vor einem Kilometer erst ausgestiegen und hatten mich an diesem Sonntag auf 50 \u20ac Umsatz gebracht. Auf den Punkt genau. 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