{"id":15384,"date":"2014-03-05T09:15:51","date_gmt":"2014-03-05T07:15:51","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=15384"},"modified":"2014-03-05T09:15:51","modified_gmt":"2014-03-05T07:15:51","slug":"hinter-den-kulissen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/03\/05\/hinter-den-kulissen\/","title":{"rendered":"Hinter den Kulissen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Taxigeschichten sind gerade sonderbar rar. Ich hab den letzten Monat eigentlich f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse flei\u00dfig gearbeitet, aber die Kundschaft war oft schweigsam, einsilbig oder wollte einfach nur auf dem schnellsten Weg heim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht sollte ich mal wieder duschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">OK, Scherz beiseite. Im Gegensatz zum Rasieren \u2013 und selbst da lebe ich den Traum und mache das allerh\u00f6chstens zweimal die Woche \u2013 dusche ich durchaus, wenn ich sollte. Laut einigen Lesern falle ich damit schon mal positiv auf. Nun ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gesagt: Geschichten von der Kundschaft sind rar, da muss eben mal wieder die andere Seite ranhalten: <a title=\"Taxihaus-Berlin\" href=\"http:\/\/www.taxihaus-berlin.de\/\" target=\"_blank\">die Chefs<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige im Gewerbe schaffen es ja recht gut, die Fahrer zu vertreiben, ich bin trotz hundertfacher Konkurrenz ja immer noch da, wo ich angefangen habe. Dass ich mit den Leuten in der Firma gut klarkomme, wissen ja alle. Will ich auch gar nicht so drauf rumreiten, weil es immer ein bisschen wie Werbung klingt. Tats\u00e4chlich muss ich aber auch eines sagen: ich geh\u00f6re wahrscheinlich inzwischen zu der Minderheit an Taxifahrern, die es gar nicht so leicht bei der Jobsuche h\u00e4tten. Bei mir ist zwar nix mit dem F\u00fchrerschein, dem P-Schein, dem Punktekonto oder dem Vorstrafenregister im Unreinen, ja selbst mein Stundenumsatz ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut. Ich stelle auch keine hohen Anspr\u00fcche ans Auto, br\u00e4uchte nicht einmal einen Funk und gucke sogar relativ knuffig, wenn ich im B\u00fcro aufschlage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber eines mache ich nicht: viel arbeiten. Und das gilt irgendwie immer noch als Schl\u00fcsselqualifikation im Gewerbe. Da <a title=\"GNIT \u2013 Mindestlohn im Taxigewerbe\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/01\/09\/mindestlohn-im-taxigewerbe\/\" target=\"_blank\">der Mindestlohn<\/a> noch fern ist, ist das in aller Regel die erste und oft einzige Zahl, auf die die Unternehmen schauen: Wie viel f\u00e4hrt man monatlich ein? Und da schwirren Zahlen rum, die mir Bauchschmerzen verursachen. Ein Kollege hat sich bei einer anderen Firma verpflichtet, 4.500 \u20ac einzufahren. Verpflichtet! 150 \u20ac t\u00e4glich bei einem 30-Arbeitstage-Monat oder wie?<br \/>\nKlar, der macht das, weil er dann ein Auto f\u00fcr sich alleine hat. Und ich wei\u00df, dass er die Kohle ohnehin braucht. Aber wenn da mal jemand die Arbeitszeiten anschauen w\u00fcrde \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei mir frisst die Schreiberei Zeit. Eine Menge \u2013 und das meist auch noch unproduktiv passiv. Etwas, das meinen Chefs getrost am Arsch vorbei gehen k\u00f6nnte. In meinem Arbeitsvertrag stehen 40 Wochenstunden, so isses halt. Ich m\u00fcsste das Schreiben hinschmei\u00dfen oder mir m\u00fchsam andere Chefs suchen, wenn meine die Zeilen auf dem Papier auch nur ansatzweise durchsetzen wollten, da sitze ich am k\u00fcrzeren Hebel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen bin ich bei der letzten Abrechnung reingekommen und einer der beiden hat mich <a title=\"GNIT \u2013 Sash im Stern\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/01\/16\/sash-im-stern\/\" target=\"_blank\">zum letzten Interview<\/a> begl\u00fcckw\u00fcnscht und alles dazu wissen wollen. Ich war es dann, der eingeworfen hat, dass ich die Zeit beim Fotografen als Taxitour abgerechnet habe \u2013 anstatt dass ich gefragt wurde, wieso ich w\u00e4hrend meiner ohnehin sp\u00e4rlichen Arbeitszeit mit dem Firmenwagen f\u00fcr den Stern posiere. Obwohl es sie Monat um Monat Geld kostet, steht au\u00dferhalb der Familie kaum jemand so hinter meinen literarischen Ambitionen wie meine Firma. Das ist nicht mehr einfach nur nett, sondern regelrecht beeindruckend, wenn man davon ausgeht, dass das in erster Linie eine Gesch\u00e4ftsbeziehung ist oder sein &#8222;m\u00fcsste&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will das auch nicht sch\u00f6nreden. Ja, ich hatte letztes Jahr Gespr\u00e4che \u00fcber meinen sinkenden Umsatz. Und ja, wir haben uns auf einen Mindestumsatz geeinigt (was meines Wissens nach kein Kollege je gemacht hat). Aber genau: wir haben uns geeinigt. Und ich hab besagten Umsatz auch schon untererf\u00fcllt und dennoch keine Er- oder gar Abmahnung bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl mich das fr\u00fche Aufstehen und die einst\u00fcndige Fahrt zum B\u00fcro nerven: Jedes Mal (!) wenn ich Abrechnung mache \u2013 also meinen Chefs die H\u00e4lfte von meinem eingefahrenen Geld abgebe \u2013 laufe ich zufriedener wieder raus als ich reingelaufen bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das klingt jetzt auch schon wieder schw\u00fclstig, als h\u00e4tte ich vor, das Ganze mit Herzchen anstelle von i-Punkten und dazu parf\u00fcmiert in einen Umschlag zu stecken und als Liebesbrief abzuschicken. Und das kommt mir komischer vor als euch. Aber wenn ich meine Chefs hier oder auch wann anders mal lobend erw\u00e4hne, dann liegt das \u2013 ironischer Zirkelschluss der Geschichte \u2013 genau daran, dass ich die M\u00f6glichkeit habe, Texte wie diesen (und die anderen, interessanteren, nat\u00fcrlich!) zu schreiben. Mit anderen Worten: Ihr m\u00fcsstet meine Chefs eigentlich genauso m\u00f6gen wie ich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/f56be98635234b4da1e69daf0896e862\" width=\"1\" height=\"1\" \/><br \/>\nPS: Morgen arbeite ich wieder. Dann passiert hoffentlich mal wieder was interessantes. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Taxigeschichten sind gerade sonderbar rar. Ich hab den letzten Monat eigentlich f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse flei\u00dfig gearbeitet, aber die Kundschaft war oft schweigsam, einsilbig oder wollte einfach nur auf dem schnellsten Weg heim. Vielleicht sollte ich mal wieder duschen. OK, Scherz beiseite. 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