{"id":15240,"date":"2014-02-04T08:26:31","date_gmt":"2014-02-04T06:26:31","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=15240"},"modified":"2014-02-04T05:05:41","modified_gmt":"2014-02-04T03:05:41","slug":"unberechenbarer-job","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2014\/02\/04\/unberechenbarer-job\/","title":{"rendered":"Unberechenbarer Job"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Zumindest jetzt noch (also vor einem Mindestlohn) ist es in Berlin so, dass Taxifahren nach Umsatz verg\u00fctet wird. Es gibt kaum Fahrer, die einen Grundlohn pro Stunde bekommen, einen reinen Stundenlohn gibt es so gut wie nirgends. Das erscheint den meisten Menschen aus anderen Branchen schwierig. Und ja, das ist es nat\u00fcrlich auch. Wir tragen selbst als angestellte Fahrer einen enormen Teil des Unternehmerrisikos und insbesondere in einer Stadt wie Berlin, in der man geradezu dem Glauben erliegen muss, jeder f\u00fcrs Gewerbe verantwortliche Mensch h\u00e4tte BSE im Endstadium, bringt es uns Fahrer dazu, uns f\u00fcr Hungerl\u00f6hne die R\u00e4der plattzustehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite ist das nicht alles. Ich hab selbst schon mehrfach erw\u00e4hnt, dass mir pers\u00f6nlich das Modell ganz gut passt, weil es einen Arbeitsanreiz liefert \u2013 und zudem gleicht sich am Ende alles aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft leider nicht, dass wir am Ende gut verdienen. Aber es hei\u00dft, dass man auf Wochen-, Monats- oder Quartalssicht doch durchaus auf ein halbwegs planbares Einkommen kommt. W\u00e4hrend einer einzelnen Schicht kann einem das aber durchaus die Laune v\u00f6llig verderben. (Andererseits kann es nat\u00fcrlich bei gutem Verlauf auch echt aufbauend sein!)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Samstag war bei mir so ein Tag. Eigentlich hatten die Ums\u00e4tze nach dem wirklich verheerenden Januar endlich wieder angezogen, aber ich hatte nur Pech. Auf der Stra\u00dfe war immer ein Kollege zwischen mir und den Winkern und am Stand hab ich nur die kurzen Touren abbekommen. Nach entsprechender Wartezeit versteht sich. So stand ich nach ungef\u00e4hr viereinhalb Stunden bei mageren 32 \u20ac Umsatz. Ich rechne das gerne noch einmal durch, dann bleiben n\u00e4mlich (32,20 \/ 4,5) * 0,45 = 3,22 \u20ac Bruttostundenlohn. Wenn man das am Ende netto betrachtet, helfen nicht einmal die eigentlich nicht schlechten 4,80 \u20ac Trinkgeld gro\u00df \u2013 ich war am Ende einfach bei rund 4 \u20ac Stundenlohn gelandet. Puh! Ich hab den Job wirklich gerne, aber ich nutze ihn auch, um meine Miete damit zu bezahlen. Und das lohnt sich nicht. So viel kann man gar nicht arbeiten \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also hab ich \u2013 obwohl mir klar war, dass es sicher noch besser werden w\u00fcrde \u2013 beschlossen, Feierabend zu machen. Das ist nat\u00fcrlich rechnerisch unklug, aber ich bin auch nur Mensch und hab meine Laune, und die ist manchmal eben im Keller, sorry.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Tour vom Ostbahnhof wollte ich noch mitnehmen. Und wie zu erwarten war, ging es blo\u00df bis in die Stra\u00dfmannstra\u00dfe. 6,00 \u20ac Umsatz, und daf\u00fcr hatte ich eine Dreiviertelstunde gewartet. Aber da kam die Sache mit der Unberechenbarkeit ins Spiel. Hatte ich die Stunden davor so lange an der Halte rumgegammelt, dass ich m\u00fcde wurde, hatte ich nun auf dem Weg nach Hause Winker. Einmal f\u00fcr 5,50 \u20ac wieder in die umgekehrte Richtung. Von dort wieder auf die Heimat gezielt. 500 Meter weit kam ich, dann eine Kurzstrecke Richtung Kreuzberg. Dort hab ich umgedreht, dann bekam ich eine Fahrt nach Neuk\u00f6lln. Ein knapper Zehner. Und dort, keine 50 Meter weiter, ging es dann f\u00fcr ganze 15 \u20ac zum Alex nach Mitte. 40 \u20ac Umsatz und 4 \u20ac Trinkgeld. In einer einzigen Stunde! Stundenlohn zwanzigirgendwas oder so!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin da leider doof. Ich bin trotzdem heimgefahren. Obwohl es sicher nicht sinnvoll war. Aber trotz netter Fahrg\u00e4ste war meine Arbeitslust hin\u00fcber. Und das ist f\u00fcr mich inzwischen ok. Gl\u00fccklicherweise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allgemein aber gilt im Taxi mehr als anderswo, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte und ggf. Durchhalteverm\u00f6gen braucht. Zumindest jetzt noch.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/bfe562451a434c3aa5455797c943cd72\" width=\"1\" height=\"1\" \/><br \/>\nDer Mindestlohn wird einiges \u00e4ndern, das kann ich mit Sicherheit sagen. Ich will mich nicht festlegen, ob daran alles positiv sein wird \u2013 aber es wird sich einiges \u00e4ndern \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zumindest jetzt noch (also vor einem Mindestlohn) ist es in Berlin so, dass Taxifahren nach Umsatz verg\u00fctet wird. Es gibt kaum Fahrer, die einen Grundlohn pro Stunde bekommen, einen reinen Stundenlohn gibt es so gut wie nirgends. Das erscheint den meisten Menschen aus anderen Branchen schwierig. Und ja, das ist es nat\u00fcrlich auch. 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