{"id":14587,"date":"2013-10-12T07:06:02","date_gmt":"2013-10-12T05:06:02","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=14587"},"modified":"2013-10-12T04:59:11","modified_gmt":"2013-10-12T02:59:11","slug":"von-zielen-und-so","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2013\/10\/12\/von-zielen-und-so\/","title":{"rendered":"Von Zielen und so \u2026"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ach, wie oft fragen mich die Fahrg\u00e4ste:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Und, wie lang musste heute noch?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei ist einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Job bei mir, dass ich nicht &#8222;muss&#8220;. Wobei das jetzt auch ein bisschen zu locker r\u00fcberkommt. Nat\u00fcrlich brauche ich eine gewisse Geldsumme am Monatsende und mein Nebenjob (das hier) wirft nicht gerade Reicht\u00fcmer ab. Aber am Ende z\u00e4hlt die Kohle auf dem Taxameter immer mehr als meine Stunden. Nat\u00fcrlich nehme ich mir an gut laufenden Wochenendtagen vor, m\u00f6glichst lange zu fahren, damit ich entsprechend Geld verdiene \u2013 meist aber ist das Ziel ein Euro-Betrag. Wenn der \u00fcberraschend schnell auf der Uhr steht, dann gebe ich das Steuer gerne aus der Hand. Und wenn&#8217;s mal gar nicht werden will, erh\u00f6he ich halt mein Ziel f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag oder die n\u00e4chste Woche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will nicht sagen, dass das Konzept besser ist, es hat auch seine Schw\u00e4chen. Aber da sich die Ums\u00e4tze im Laufe der Zeit zumindest halbwegs absch\u00e4tzen lassen \u2013 nicht f\u00fcr eine Stunde oder einen Tag, aber f\u00fcr die Woche dann doch genau genug \u2013 ist es mit ein bisschen Disziplin durchaus drin, die Arbeitszeiten weit flexibler zu halten als viele andere. Da ich es jetzt grunds\u00e4tzlich eher nicht so mit Disziplin habe, bin ich aber manchmal dann doch hart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Wochenende ist ein sch\u00f6nes Beispiel. Ich mache heute und morgen frei. Heute ist ein hoffentlich lustiges Twitter-Treffen in Berlin, und da m\u00f6chte ich was trinken. Ergo: Danach in die Nacht starten geht nicht. Als Nachtschichtler h\u00e4tte ich zwar gut Zeit, wenigstens bis Sonntagabend wieder ausgen\u00fcchtert und v\u00f6llig fit und einsatzbereit zu sein, aber ich kenne meine Arbeitslaune, wenn ich am Tag zuvor zu tief ins Glas geschaut habe. Da das Treffen lange geplant war, hab ich das mit meinen Ums\u00e4tzen auch gemacht und zwei freie Tage vorausgesetzt. Da das letzte Wochenende schon \u00fcber den Erwartungen lag, hab ich gestern und vorgestern mit eigentlich l\u00e4cherlichen Zahlen gerechnet. Ich hab sogar extra noch 100 \u20ac f\u00fcr n\u00e4chste Woche mit in den Plan gepackt, damit ich nicht unsinnig f\u00fcr drei Stunden nur rausfahre. Aber am Ende blieb es bei bescheidenen 103 \u20ac f\u00fcr die vergangene Schicht. Bescheiden nicht, weil die sich im Taxi grunds\u00e4tzlich leicht verdienen \u2013 sondern, weil es Freitag Abend war. Da muss man gl\u00fccklicherweise keine 8 oder 9 Stunden f\u00fcr sowas einplanen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Hoffnung war, so gegen 2 Uhr heimzufahren. Das klappte nicht. Um 2 Uhr fehlten mir noch rund 19 \u20ac. 18,80 \u20ac um genau zu sein. Dann wurde ich via Twitter angefragt, eine Lesertour, die schon einmal prima geklappt hatte. Gut, keine 18,80 \u20ac im Umfang, aber die vorletzte Tour, so viel war sicher \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun passieren Dinge. Manchmal lustige, manchmal nervige. Und manchmal beides zusammen. In dem Fall war es eine Ampel. Ich h\u00e4tte sie umfahren k\u00f6nnen, daran hab ich aber zu sp\u00e4t gedacht. Und die Kundschaft war ja gl\u00fccklicherweise auch nicht von der nervigen Sorte. Aber die Ampel wollte nicht gr\u00fcn werden, obwohl sie eh schon ein unn\u00f6tiger kleiner Umweg war. Verdammte Axt!<br \/>\nIch bin am Ende bei rot r\u00fcber, es schien wirklich ein Defekt zu sein. Naja, nun war die Lage so, dass ich an der Tour sicher 2 bis 3 \u20ac mehr verdient habe, als es unter optimalen Umst\u00e4nden der Fall gewesen w\u00e4re. Nicht nur das: Ich kam bedrohlich nahe an meine hei\u00dfersehnten 18,80 \u20ac heran. Die Uhr sprang irgendwann auf 18, dann 18,20 \u20ac \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und am Ende dr\u00fcckte ich bei 18,60 \u20ac Kasse. Und ich hatte mir SOOO fest vorgenommen, mein Ziel als Untergrenze zu sehen, es also &#8222;auf jeden Fall&#8220; zu erreichen. Wenn man diesen psychischen Druck mal aufgebaut hat, treibt er einen zu komischen Dingen. Ein Kollege von mir hat sich mal aus Verzweiflung eine Kurzstrecke auf dem Heimweg reingehauen, die er dann quasi mit sich selbst gefahren ist. Einfach, um endlich den verdammten Hunni vollzukriegen. Obwohl er die damit zu \u00fcber 50% selbst bezahlt hat, was die Sache v\u00f6llig ad absurdum gef\u00fchrt hat.<br \/>\nIch jedenfalls hab auch mit mir gerungen. 20 Cent? Schei\u00df auf 20 Cent! Die sind nat\u00fcrlich v\u00f6llig irrelevant. Auf meiner Gehaltsabrechnung werden daraus 9 Cent. Brutto. Und ich verschenke gro\u00dfz\u00fcgig Kippen an Schnorrer \u2026<br \/>\nIch h\u00e4tte die Uhr ja auch &#8222;versehentlich&#8220; noch einen Ticken weiterlaufen lassen k\u00f6nnen. Zack! 20 Cent mehr Umsatz, 20 Cent weniger Trinkgeld, passt schon und sieht in der Statistik richtig aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ich eh nicht so richtig Lust hatte, h\u00e4tte ich das fast gemacht. So ein kleiner Selbstbetrug: Ja, ich hab zwar 11 Cent verloren, aber daf\u00fcr \u2013 ol\u00e9 \u2013 das Tagesziel erreicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann hab ich&#8217;s gelassen. Ich musste das Auto eh noch waschen und betanken. Und um 3 Uhr an einem Samstag Morgen wird ja wohl irgendwo ein Winker \u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/130abe08b8c5458a8fd52b50c4284369\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kleiner Spoiler: Ich hab mein Tagesziel noch erreicht. Aber die Tour war zu sch\u00f6n, um sie jetzt hier als kleines Anh\u00e4ngsel an diesen arbeitspsychologischen Exkurs zu pappen. Die gibt es dann morgen. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ach, wie oft fragen mich die Fahrg\u00e4ste: &#8222;Und, wie lang musste heute noch?&#8220; Dabei ist einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Job bei mir, dass ich nicht &#8222;muss&#8220;. 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