{"id":13353,"date":"2013-03-25T14:25:00","date_gmt":"2013-03-25T12:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=13353"},"modified":"2013-03-26T01:55:55","modified_gmt":"2013-03-25T23:55:55","slug":"kaum-brennt-die-kippe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2013\/03\/25\/kaum-brennt-die-kippe\/","title":{"rendered":"Kaum brennt die Kippe \u2026"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>schon kommt der Bus.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will hier keine Werbung f\u00fcr Zigarettenmarken machen, aber diejenigen unter Euch, die in den Neunzigern schon offenen Auges durch dieses Land marschiert sind, werden sich wahrscheinlich an die Plakate erinnern. Und auch wenn man mal weg geht von den Drogen, man kennt das ja: Kaum hat man sich mal mit einer vermeintlich oder wirklich schlimmen Option abgefunden, \u00e4ndert sich was. Ein Paradebeispiel f\u00fcr Selbstt\u00e4uschung, denn in Wahrheit passiert nat\u00fcrlich \u00e4hnlich oft einfach gar nix. Best\u00e4tigungsfehler oder Confirmation bias nennt man das in der Psychologie. Aber es macht halt Spa\u00df, sich solche Zusammenh\u00e4nge einzureden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so bin ich im Nachhinein auch versucht, den gelungenen Abend von Henni und mir der Tatsache geschuldet zu sehen, dass wir uns \u00fcber den versauten Abend aufgeregt hatten. Und so dolle war&#8217;s wirklich nicht. Es ist zwar bekannt, dass die Kuh hinten den Schwanz hebt in den Wochenendschichten, aber wir standen nun beide nach 4 Stunden an einem Freitagabend da und hatten allenfalls 35 \u20ac Umsatz in der Tasche. Wir haben beide schon dar\u00fcber nachgedacht, die Flinte ins Korn zu werfen, uns nach Hause zu trollen. Aber jetzt standen wir schon eine Stunde am Bahnhof \u2013 die eine letzte Tour wollten wir dann wenigstens noch machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Nat\u00fcrlich war uns klar, dass wir noch mindestens einen weiteren Anlauf irgendwo wagen w\u00fcrden, aber der Gedanke an einen schnellen Feierabend wirkt ja auch wieder motivierend.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich stand neben Henni ein recht kleiner Mann mit Brille, Hut und einem zwei Nummern zu gro\u00df wirkenden Trenchcoat.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Sagen Sie, was w\u00fcrde es denn bis Eberswalde kosten?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ma&#8216; nachdenken \u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">meinte Henni in einer Coolness, die mir in solchen Situationen oft nicht gegeben ist.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Also ich hab noch hundert. Wenn das noch f\u00fcr eine Cola und einen D\u00f6ner reichen w\u00fcrde, dann w\u00e4r&#8217;s sch\u00f6n \u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Kriejen wir hin.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Fahrgast einstieg, feixte Henni mir zu, seine Schicht war schon mal wieder auf Vordermann gebracht. 90, vielleicht 95 \u20ac sind f\u00fcr eine Tour nach Eberswalde v\u00f6llig ok. Kein total \u00fcberteuerter, aber doch ein guter Preis. Irgendwo glaubte ich, eine Uhr die nullte Stunde ank\u00fcndigen zu h\u00f6ren, dann war auch ich an der Reihe.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ich m\u00fcsste einmal zum Zoo, also da in die N\u00e4he, bisschen weiter. Kantstra\u00dfe.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Komm&#8217;n se rin&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8222;k\u00f6nn&#8216; se rausgucken&#8220; hab ich mir noch gedacht.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naja, am Ende kamen fast 18 \u20ac dabei raus, war eine schweigsame aber angenehme Fahrt. Ich hab danach einen Blick auf&#8217;s Taxameter geworfen: B\u00e4h, ich hatte mich bei den paar Kr\u00f6ten auch noch verrechnet: gerade mal 51 \u20ac bisher \u2026<br \/>\nUnd wenn ich jetzt ehrlich h\u00e4tte abbrechen wollen, w\u00e4re auch noch ein R\u00fcckweg durch die halbe Stadt n\u00f6tig gewesen. Arg weit bin ich mit dem Denken gar nicht gekommen, denn in der Budapester winkte es bereits. Hermannplatz, Neuk\u00f6lln, zu zwei verschiedenen Adressen. Waren auch schnelle 16,80 \u20ac. Eine Kurzstrecke in die Sonnenallee und ein paar Winker vom Kottbusser Damm aus sp\u00e4ter stand ich in Mitte an der Torstra\u00dfe. Zwei lustige Japaner sch\u00e4lten sich aus den Sitzen, da stand pl\u00f6tzlich ein verlebt aussehender Typ neben mir, ledrige Haut, mit Falten, die man in der Gr\u00f6\u00dfe sonst f\u00fcr gew\u00f6hnlich in zerknautschten Bettdecken findet.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Bringst ma ins B\u00f6tzowviertel?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den Partyg\u00e4ngern von der Warschauer zum Watergate hab ich es dann, ein Uhr drei\u00dfig war gerade durch, bereits auf meinen ersten Hunni in der Nacht geschafft. Henni hab ich in der Nacht nicht mehr gesehen. Vielleicht hat er ja tats\u00e4chlich Feierabend gemacht. Sein Stundenschnitt d\u00fcrfte aber deutlich besser ausgefallen sein als vorher. Ich hab mich, frisch motiviert, am Ende noch bis nach 6 Uhr auf der Stra\u00dfe rumgetrieben. So einen guten Lauf hatte ich freilich kein zweites Mal \u2013 aber unzufrieden war ich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, nat\u00fcrlich, es ist wie ich oben geschrieben habe: das passiert selten. Viel zu selten. Und ich wei\u00df das. Es f\u00fchlt sich trotzdem nach so einem Abend irgendwie sinnvoll an, an der Halte \u00fcber den Umsatz zu meckern. Und wer wei\u00df \u2026 \ud83d\ude09<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/8a554533f4444c3c88906f6ebaa12dcf\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>schon kommt der Bus. Ich will hier keine Werbung f\u00fcr Zigarettenmarken machen, aber diejenigen unter Euch, die in den Neunzigern schon offenen Auges durch dieses Land marschiert sind, werden sich wahrscheinlich an die Plakate erinnern. 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