{"id":13267,"date":"2013-03-14T07:00:10","date_gmt":"2013-03-14T05:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=13267"},"modified":"2013-03-14T08:22:41","modified_gmt":"2013-03-14T06:22:41","slug":"der-bruller","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2013\/03\/14\/der-bruller\/","title":{"rendered":"Der Br\u00fcller"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wahrscheinlich wird das wieder so was, bei dem ich Gegenwind von Kollegen kriege. Egal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man hat als Taxifahrer ja eine Menge Freiheiten. Deswegen mache ich den Job ja beispielsweise so gerne. Das tolle an Freiheiten ist, dass man sich aussuchen kann, ob man sie nutzt. Sonst \u2013 kluge K\u00f6pfe werden schon drauf gekommen sein \u2013 haben sie mit Freiheit nicht mehr viel zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine dieser Freiheiten besteht darin, sich seine Besch\u00e4ftigung am Taxistand weitgehend auszusuchen. Ganz ohne Einschr\u00e4nkungen geht nichts, so sagt die <a title=\"derinnenspiegel.de \u2013 Taxiordnung Berlin\" href=\"http:\/\/www.derinnenspiegel.de\/taxitarife\/berlin\/st_berlin_to.php\" target=\"_blank\">Berliner Taxiordnung<\/a> in \u00a74 Abs. 1 folgendes:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>Auf einem Taxenstandplatz oder einem als &#8222;Nachr\u00fcckbereich&#8220; ausgewiesenen Taxenstandplatz d\u00fcrfen nur dienstbereite Taxen stehen. Taxen sind in der Reihenfolge ihrer Ankunft aufzustellen. Jede L\u00fccke ist durch unverz\u00fcgliches Nachr\u00fccken der nachfolgenden Taxen aufzuf\u00fcllen. Die Taxen m\u00fcssen fahrbereit und so aufgestellt sein, dass Fahrg\u00e4ste ungehindert ein- und aussteigen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dienstbereit m\u00fcssen wir also sein. Das ist nat\u00fcrlich mal wieder ein Begriff, den man als Jurist sicher unterschiedlich bewerten kann. Ich f\u00fcr meinen Teil lege das recht eng aus: ich muss als Taxifahrer in der Lage sein, binnen Sekunden eine Fahrt antreten zu k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus ist es aber in meinen Augen recht irrelevant, ob ich gerade lese, twittere, dem Funk zuh\u00f6re, esse, schreibe, mich mit Kollegen unterhalte oder Origami-Kraniche falte.<br \/>\nDas sollte jetzt nicht unbedingt so laufen, dass man erst einmal sein siebeng\u00e4ngiges Men\u00fc wieder in Tupperdosen packt, um es anschlie\u00dfend unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschl\u00e4ge im Kofferraum m\u00fchselig anzugurten und anschlie\u00dfend das Auto noch einer Grundreinigung zu unterziehen, bis der Fahrgast einsteigen kann.<br \/>\nAber die T\u00fcr entriegeln, einen Sitz umklappen oder ins Auto einsteigen ist meines Erachtens nach v\u00f6llig normal. Meist muss man ja ohnehin irgendwas f\u00fcr die Kunden tun: Sitz verschieben, Kofferraum aufmachen, erst einmal kl\u00e4ren, was sein Anliegen ist \u2026 wir fahren ja letztlich keine Fluchtwagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so stand ich neulich mit zwei Kollegen am Ostbahnhof. Wir waren die drei Fahrer auf den Top-Pl\u00e4tzen. Ralf auf der eins, Udo auf der zwei, ich selbst war dritter. Wir standen vor Udos Mercedes, damit hatte Ralf als erster beispielsweise seine Heckklappe in Reichweite. Wir haben ein bisschen gequatscht, wie immer mit einem Auge auf den Gehweg schielend. Keiner will eine Fahrt verpassen oder unnahbar wirken, ist ja klar.<br \/>\nAber am Ostbahnhof ist stets viel Publikumsverkehr. Die Leute laufen in alle Richtungen um einen herum und steigen auch am Taxistand gerne auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite ein. Das Aussortieren von Kundschaft unter den ganzen Passanten kann auch mal schiefgehen. Ist es in dem Fall gar nicht, aber ein Typ ist ohne uns Beachtung zu schenken am Stand vorbeigelaufen und hat dann \u2013 durchaus zu unserem Erstaunen direkt hinter mir an der Ecke ein fahrendes Taxi rangewunken. Ich hab etwas die Augen verdreht, weil man jetzt am Stand ja nicht unbedingt Kunden einladen muss, wo andere Kollegen warten \u2013 letztlich hab ich dann aber auch gedacht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Schei\u00df drauf. Der wollte wahrscheinlich eine Kurzstrecke, und jetzt isses eh schon passiert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Abend wie tausend andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis dann pl\u00f6tzlich ein &#8222;Kollege&#8220; auf der anderen Seite seine T\u00fcr ge\u00f6ffnet und Ralf ohne irgendwelche einleitenden Worte angebr\u00fcllt hat:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;SAMMAL! WIE W\u00c4R&#8217;S VIELLEICHT MAL MIT ARBEITEN, DU VOGEL! DIE SCHEISS-KUNDEN STEIGEN HIER SCHON IN FAHRENDE TAXEN, WEIL DU HIER BL\u00d6D RUMSTEHST! SO EINE SCHEISSE, DU DEPP! DER ERSTE FAHRER MUSS IM TAXI SITZEN!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reichlich panne, vor allem in Hinblick darauf, dass der Kerl in rund einem Kilometer Umkreis alle potenziellen Taxikunden abgeschreckt hat. Mal ganz davon abgesehen, dass \u2013 selbst wenn man sich \u00fcber was nicht einig ist \u2013 das einfach kein ad\u00e4quater Gespr\u00e4chsanfang ist. Ich will hier jetzt nicht mit Knigge und Manieren anfangen, aber das geht einfach nicht. Ich hab in der Situation ein bisschen bewundert, wie locker und schlagfertig Ralf war. Er hat den Kollegen einfach im Satz unterbrochen und gemeint:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Mach die T\u00fcr zu, is kalt hier drau\u00dfen!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat er dann gl\u00fccklicherweise auch gemacht. Ich hab den &#8222;Kollegen&#8220; zuvor nie gesehen, seitdem auch nicht mehr. Was sehr sch\u00f6n ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und? Eure Meinung?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/b479892c699b4cd296c534dc6cd42865\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahrscheinlich wird das wieder so was, bei dem ich Gegenwind von Kollegen kriege. Egal. Man hat als Taxifahrer ja eine Menge Freiheiten. Deswegen mache ich den Job ja beispielsweise so gerne. Das tolle an Freiheiten ist, dass man sich aussuchen kann, ob man sie nutzt. 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