{"id":13255,"date":"2013-03-12T07:00:54","date_gmt":"2013-03-12T05:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=13255"},"modified":"2013-03-12T06:57:31","modified_gmt":"2013-03-12T04:57:31","slug":"zeit-und-magenmanagement","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2013\/03\/12\/zeit-und-magenmanagement\/","title":{"rendered":"Zeit- und Magenmanagement"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Bestellungen von euch Lesern sind immer angenehme Touren gewesen. Rein statistisch kommt zwar sicher mal ein Psychopath auf die Idee, mir pers\u00f6nlich zu sagen, wie schei\u00dfe er mich findet, aber bislang hatte ich da Gl\u00fcck. \ud83d\ude42<br \/>\nSo gesehen ist das Sch\u00f6ne schon einmal, dass ich mir bei den Fahrg\u00e4sten sicher bin, meist kommen auch noch ganz ansehnliche Strecken oder gutes Trinkgeld zusammen. Im besten Fall l\u00e4uft es wie am Samstag, da traf auf eine Fahrt, die ich <a title=\"GNIT \u2013 Einfach perfekt\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/12\/14\/einfach-perfekt\/\" target=\"_blank\">schon zum zweiten Mal<\/a> gemacht hatte, alles oben genannte zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun haben aber auch die sch\u00f6nsten Dinge Schattenseiten \u2013 und bei Leserfahrten bedeutet das, dass es eben meist vorbestellte Touren sind. Und die haben die Angewohnheit, deutlich mehr Zeit zu kosten als sie eigentlich dauern: man kriegt einfach selten punktgenau eine Fahrt zum entsprechenden Zeitpunkt in die entsprechende Richtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Samstag lief ja blendend. Es war ziemlich schnell klar, dass die Leser-Tour um 4 Uhr meinen Umsatz in extremen H\u00f6hen landen lassen w\u00fcrde, denn davor gab es kaum Pausen. Als die Uhr 3.10 Uhr anzeigte, war mir trotzdem klar, dass die nun folgende Fahrt die letzte davor sein w\u00fcrde, danach w\u00e4re es einfach zu eng. Dann stand es pl\u00f6tzlich vor mir, das junge P\u00e4rchen, und wollte nach Hellersdorf.<br \/>\nIch hab mit mir gerungen, denn die Tour versprach gegens\u00e4tzlichstes: zum einen war es insbesondere der Wetterlage wegen eine ziemlich abenteuerliche Vorstellung, vom Ostbahnhof nach Hellersdorf zu fahren und von dort ans Kottbusser Tor \u2013 in 50 Minuten. Zum anderen gab das aber ziemlich genau die Kohle, die ich noch brauchen w\u00fcrde, um mein Wochenziel zu erreichen und nach der langen Leserfahrt ins Umland nach 10 bis 11 Stunden Feierabend zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal siegt der Geldbeutel \u00fcbers ungute Gef\u00fchl \u2013 ich hab sie eingeladen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie eine resolute junge Frau mit blondem Kurzhaarschnitt und Lippenpiercing, er eher so ein bisschen im Britpop-Stil unterwegs, dank Alkohol jedoch eher weniger eloquent und selbstsicher. Aber das war ok. Sie machte die Ansagen und l\u00e4sterte dar\u00fcber, dass er etwas viel getrunken h\u00e4tte. Er spielte das Spiel mit, gut gelaunt.<br \/>\nW\u00e4hrend ich mich durch ein paar kleinere Nebenstra\u00dfen in Richtung Landsberger Allee durch den Schnee k\u00e4mpfte, zog es pl\u00f6tzlich kalt an meinem R\u00fccken, ich merkte, dass er das Fenster runterkurbelte. Beinahe zeitgleich rief ich &#8222;FUCK!&#8220; und trat die Bremse durch (was dank vereistem Boden ein extrem angenehmes Anhalten war) w\u00e4hrend Madame fragte: &#8222;Alles ok, Schatz?&#8220; und selbiger mehr gewollt als gekonnt aus dem Fenster spuckte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es ist recht wichtig, dass er noch nicht ernsthaft kotzte. Da kam zwar was hoch, aber er hat daraufhin das Fenster aufgemacht, um es einfach auszuspucken. Hat halbwegs geklappt, einen einzelnen kleinen Fleck an der Scheibe konnte ich gleich entfernen. Aber es war ja klar, dass das nicht alles gewesen sein w\u00fcrde, wenn wir die Fahrt einfach fortgesetzt h\u00e4tten. Ich hab ihm die T\u00fcr aufgemacht, ihn rausgelassen und das Auto am Stra\u00dfenrand in eine L\u00fccke man\u00f6vriert. Der Kollege, der sich an mir vorbeizw\u00e4ngte, sah mich fragend und mitleidsvoll an, ich hab den Daumen gereckt und gegrinst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War ja nix passiert. Mein Fahrgast stand auf dem Gehsteig und versuchte, beim Kotzen die Balance zu halten. Hat geklappt, sah aber irre komisch aus. \ud83d\ude42<br \/>\nMit der Freundin hab ich \u00fcber meinen Zeitplan gesprochen, sie aber auch beruhigt, dass ich schon wesentlich peinlicheres erlebt habe. Und ich hab angeraten, dass er ruhig alles rauslassen sollte, weil sie nicht wissen will, was ich an diesem guten Abend f\u00fcr ein vollgekotzes Auto f\u00fcr eine Rechnung ausstellen w\u00fcrde. Neben meiner Ansprache hab ich ihm T\u00fccher angeboten und als er abgelehnt hat, hab ich gefragt, ob er wenigstens ein Bonbon gegen den Geschmack haben wolle. Er nahm an und formulierte seinen Dank wie folgt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Also schbin ja jetz \u2013 oh, sdess peinlich! \u2013 schier mit kotzn unn so, nee! Aber weissu: Du bis mal echt der wirklich voll total netteste Tassifahr, den ich jejeabtab!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab&#8217;s etwas sachlicher beantwortet:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hey, ich will genauso wie ihr, dass wir die Fahrt ohne Probleme \u00fcber die B\u00fchne bringen, klar?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zeit eilte mir davon, der Minutenzeiger lag bereits im unteren Viertel des Ziffernblattes. Wir haben uns trotzdem die Minute genommen, ihm zu erkl\u00e4ren, warum ich ihn nicht mehr an der T\u00fcr mit Kindersicherung sitzen haben will und dass er gef\u00e4lligst nicht dran denken soll, ob ein Stopp peinlich w\u00e4re \u2013 sondern allenfalls, ob notwendig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann ging&#8217;s auf die Landsberger, die restliche Fahrt ging bis auf einmal Abbiegen immer nur geradeaus. Das hat sicher geholfen. Mir sa\u00df ein wenig die Angst im Nacken, obwohl ich\u00a0 ihn nun beobachten konnte. Wie alle Alkoholopfer, die sich von ihrem Mageninhalt \u00fcberraschen lassen, war er n\u00e4mlich ein fertiges, zittriges H\u00e4ufchen Elend, bei dem man nie so genau wusste, ob er am einnicken oder wegkippen war. Da werden 10 Kilometer verdammt lang. Nat\u00fcrlich hab ich mich ein bisschen verflucht daf\u00fcr, die Fahrt angenommen zu haben \u2013 aber jetzt, in dem Zustand, konnte ich die beiden gleich dreimal nicht irgendwo rauslassen. Also gute Miene zum b\u00f6sen Spiel und am Ende ein immerhin recht schnelles Absetzen direkt vor der Haust\u00fcre. Keine Sekunde zu fr\u00fch, direkt aus dem Wagensitz hat er nochmal eine Ladung nachgeschoben. Aber brav nach drau\u00dfen. Wenigstens zurechnungsf\u00e4hig war er am Ende dann doch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas missmutig hab ich am Ende festgestellt, dass auch der wirklich voll total netteste Tassifahr eine Tour von 25,40 \u20ac auf den Cent genau bezahlt bekommen kann. \ud83d\ude41<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen hatten wir 3:43 Uhr. Da half alles nichts. Also hab ich telefonisch dazu angeregt, die Lesertour auf 4:10 Uhr zu verschieben. Dank extrem gutem Timing haben wir uns schon 4:09 Uhr getroffen und der Weg f\u00fcr die Abschlusstour war frei. Nochmal 20% Umsatz und 50% Trinkgeld auf die bisherige Schicht obenauf, wichtiger allerdings: eine nette Tour ohne jeden \u00c4rger mit viel Spa\u00df. Und danach hab ich Feierabend gemacht. Bei meinem Gl\u00fcck h\u00e4tten mich dieses Mal auf dem R\u00fcckweg <a title=\"GNIT \u2013 Ein Jahr im Taxi (1)\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/12\/15\/ein-jahr-im-taxi-1\/\" target=\"_blank\">die selben T\u00f6ffel wie damals<\/a> angehalten und das w\u00e4re mir echt zu viel gewesen \u2026<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/ab71e18858024064b52a22524c4430fc\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bestellungen von euch Lesern sind immer angenehme Touren gewesen. 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