{"id":12995,"date":"2013-01-28T13:05:06","date_gmt":"2013-01-28T11:05:06","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=12995"},"modified":"2013-01-28T13:06:21","modified_gmt":"2013-01-28T11:06:21","slug":"keine-poblem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2013\/01\/28\/keine-poblem\/","title":{"rendered":"Keine Poblem!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Cottbus also. Viel gesehen habe ich in der Nacht nicht von der Stadt, aber sie wirkt nachts recht beschaulich. Wie ja fast alles in Deutschland. Die R\u00fcckfahrt war an sich sch\u00f6n, 100 Kilometer unbeschwerter Heimflug mit bereits verdientem Geld \u2013 besser geht es ja kaum. Aber gezogen hat es sich. Heute taut der ganze Schnee bereits weg, auf der Autobahn nach Berlin hat man sich nach 5 Minuten gef\u00fchlt, als w\u00fcrde man auf einen Win98-Screensaver starren, Schneeflocken \u00fcberall. Eine gewisse Hirbeligkeit im Kopf machte sich breit. Ich hab&#8217;s dann auch langsam angehen lassen, dem Tempomat die Geschwindigkeit unter der maximal erlaubten diktiert und zwei Coffees gegen die aufkommende M\u00fcdigkeit eingeworfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da arbeitet man 4 Jahre in der Nachtschicht und hat seinen Biorhythmus immer noch nicht umfassend verarscht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuletzt hab ich die hellen und abwechslungsreichen Stra\u00dfen Berlins geradezu herbeigesehnt. Ich war zwar erst rund 6 Stunden auf der Stra\u00dfe, aber daf\u00fcr weite Teile durchgehend \u2013 ist man ja als Taxifahrer auch nicht gerade gew\u00f6hnt. Kurzum: ich dachte an einen fr\u00fchen Feierabend. Aber wie immer schaltete ich die Fackel nicht einfach aus. Kann man ja nicht machen, schon gar nicht an einem Sonntag Morgen um 3 Uhr!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wurde umgehend wieder fitter in der Stadt und beschloss, zumindest den Gastank schon mal wieder aufzuf\u00fcllen. Kleiner Umweg zur n\u00e4chsten Tanke, ansonsten hab ich mal grob in Richtung Heimat gezielt. Nach dem Tanken kurz Winker, kleine Tour, unter 8 \u20ac. Kam mir irgendwie mickrig vor. Egal, weiter!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war bereits gef\u00fchlt in Marzahn, eierte die Rhinstra\u00dfe hoch, da winkte es tats\u00e4chlich noch. Ein bereits reichlich verlebt aussehender Typ, um die f\u00fcnfzig vielleicht, offenbar asiatischer Abstammung. Ich hoffte auf eine schnelle Tour, die mich der Heimat n\u00e4her bringen w\u00fcrde, stattdessen meinte er:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Kenndu Casino, Lessandaplas?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hm, Casino am Alex?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Opossdaplaas!? Possdaplaas!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Aber ein Casino? Am Potsdamer Platz. Die Spielbank?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Bielank! Ja!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es mag undankbar erscheinen, aber sonderlich gefreut habe ich mich nicht \u00fcber diese zehn Kilometer lange Fahrt, zu der ich umgehend wenden musste und mit der meine Heimat langsam im R\u00fcckspiegel verschwand. Auf der anderen Seite war es aber eben eine fette 20\u20ac-Winkertour. Trotz Cottbus ist das eine tolle Sache. W\u00e4hrend ich mich innerlich also mit meinem Schicksal arrangierte, indem ich mir meinen Verdienst ausrechnete, ermahnte mein Fahrgast mich:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Biee snell fahe!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;OK, ich sehe, was ich tun kann.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schnell fahren. Das ist nachts um halb vier nicht wirklich ein Problem, aber an gewisse Verkehrsregeln hat man sich als professioneller Fahrer dann halt doch zu halten. Wenigstens so grob \u2026<br \/>\nDass ich ganz knapp \u00fcber der erlaubten H\u00f6chstgeschwindigkeit war, nicht einmal ihm, sondern eher mir zuliebe, nahm er wortlos zur Kenntnis und neigte umgehend zum Wegnicken. Nach einer knappen Minute standen wir an der Rechtsabbiegerampel, die uns auf Alt-Friedrichsfelde, die gro\u00dfe Ost-West-Achse, f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Oje. Kenne Lampe. Is lange Waatn!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ach ja \u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Keine Poblem! Einfa faahe!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na klar. Vom Beifahrersitz aus redet sich das ja sch\u00f6n daher. Aber ein flei\u00dfiger Gesetzesh\u00fcter in der Ecke und ich h\u00e4tte \u2013 dieses Mal zu Recht \u2013 <a title=\"GNIT - Die gr\u00fcnen M\u00e4nnchen\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2009\/02\/09\/die-grunen-mannchen\/\" target=\"_blank\">wieder den ganzen Mist wegen \u00fcberfahrenen Rotlichts an der Backe<\/a>. Nicht nur, dass ich eigentlich recht stolz bin auf meine 0 Punkte in Flensburg, ein beknackter Versto\u00df wie der h\u00e4tte mich mehr gekostet als die ganze Nacht gebracht hatte. Inklusive Cottbus, inklusive Trinkgeld! Manche bl\u00f6de Ideen erkennt man recht schnell und ich hab meinen Fahrgast folglich einfach auflaufen lassen. Hat mich vielleicht einen oder zwei Euro Trinkgeld gekostet. Boah, tragisch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Rest der Fahrt \u00fcber hat er gl\u00fccklicherweise geschlafen und nach der Tour hatte ich auch nichts anderes mehr vor. Dieses Mal hab ich den Heimflug auf dem k\u00fcrzesten Weg auch geschafft. Ohne Unterbrechungen. Irgendwann ist dann auch mal gut.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/87931d3dd1a545e19836988e4e15e047\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cottbus also. 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