{"id":12753,"date":"2013-01-05T10:16:55","date_gmt":"2013-01-05T08:16:55","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=12753"},"modified":"2013-01-03T04:51:28","modified_gmt":"2013-01-03T02:51:28","slug":"paul","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2013\/01\/05\/paul\/","title":{"rendered":"Paul"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Arm an Kuriosit\u00e4ten ist Silvester nat\u00fcrlich nicht. Auch nie gewesen. Die Anzahl bekloppter Totalausf\u00e4lle hat sich bei mir dieses Jahr sichtbar in Grenzen gehalten, abgesehen vom stressigen Fahrgast, den ich gestern erw\u00e4hnt hatte, bleibt nur noch Paul.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgegabelt hab ich ihn wie erstaunlich viele Fahrg\u00e4ste in dieser Nacht in Friedrichsfelde. Dort kam er als ich an einer Ampel stand auf mich zugesprintet und ich war ein wenig erleichtert, dass er geradeaus laufen konnte. Sein bismarck&#8217;scher Bart verriet mir, dass kein jugendlicher Springinsfeld meine Dienste beanspruchte, sondern jemand, der sich vielleicht wenigstens auskennt mit den Folgen, die der Alkohol so auf seinen K\u00f6rper hat. Diesbez\u00fcglich lag ich auch richtig. Ein wenig abstrus war die Fahrt dann trotzdem.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Guten Abend und frohes Neues! Wo soll es denn hingehen?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hinjehn? Ubahnstra\u00dfe.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Urbanstra\u00dfe, ja?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Saick doch!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;In Kreuzberg, nehme ich an.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Logo.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugegeben: aus dem Kopf h\u00e4tte ich keine andere gekannt, aber man muss in Berlin ja wachsam sein.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Und Du? Darf ick Du sang? Du bis ok?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Alles bestens &#8211; und das Du ist auch ok.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ick bin Paul.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Sascha.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Sascha. Jut. Ick bin Paul. Bringste mir heim?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Das hatte ich vor.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Jut, haste Jeld bei?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au Backe. Ich hab w\u00e4hrend meine Antwort unauff\u00e4llig zu ihm geschielt um das Risiko abzusch\u00e4tzen. Gut, einen \u00dcberfall hatte er sicher nicht geplant. Aber die Frage nach meinem Geld ist nichts, was ich so einfach auf die leichte Schulter nehme. Da ist Taktieren angesagt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Naja, ein bisschen Wechselgeld halt, wie \u00fcblich.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;HAHA! Ick mach doch nur Spa\u00df. Ick zahl Dir dit ja ooch.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Das will ich doch hoffen. Ich dachte, das ist Teil des Deals.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;HAHA! Klar. Du bringst mir heim, allet ok! Haste Jeld bei?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wechselgeld, hab ich eben schon gesagt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;HAHA! Du bis mir eener! Ick mach nur Spa\u00df! Ick bin Paul, und Du?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gespr\u00e4ch sollte nach diesem Start (wir waren noch nicht einmal auf der Frankfurter Allee!) nicht arg viel besser werden. Ein &#8222;HAHA!&#8220; jagte das n\u00e4chste und ich wurde etwa 15-mal gefragt, ob ich Geld dabei h\u00e4tte. Immerhin war damit schnell klar, dass keine b\u00f6se Absicht vorlag und einfach nur aufgrund des Alkoholpegels die Witzeplatte in seinem Kopf ein wenig sprang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab silvesterm\u00e4\u00dfig F\u00fcnfe grade sein lassen und nicht einmal protestiert, als er das ein oder andere Lachen damit verband, meinen Arm zu &#8211; ja was eigentlich? Knuddeln, massieren, festhalten \u2026 egal! Paul war dicht, ich hatte eine 20\u20ac-Tour und w\u00e4re ihn bald wieder los. Ich entschied mich f\u00fcr den Weg \u00fcber die Elsenbr\u00fccke, es war mir im Gegenzug recht egal, ob wir vielleicht \u00fcber die Schilling ein paar Cent h\u00e4tten sparen k\u00f6nnen. Paul fragte ohnehin immer nur nach, wo wir seien, um anschlie\u00dfend mit lautem &#8222;HAHA!&#8220; einzuleiten, dass es ihm v\u00f6llig egal sei, so lange ich ihn nur heimbringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also heim. Genau genommen ging es in eine Kneipe, was ich zwar nicht f\u00fcr die beste Idee hielt bei seinem Zustand, aber wieder einmal hab ich mich einfach zur\u00fcckgezogen in die Rolle des Fahrers. Ich konnte an Silvester nicht die Welt retten und der Kater eines einzelnen Bismarcks konnte mir gleich dreimal egal sein. Am Hermannplatz fing er an, sich kindisch zu freuen und kurz vor seiner Kneipe fragte er ein letztes Mal, ob ich Geld dabei h\u00e4tte. Aber wie ich erwartet hatte, zahlte er anstandslos die knapp 20 \u20ac auf der Uhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Paul mir f\u00fcr die 80 Cent Trinkgeld, die er gab, versuchte m\u00f6glichst viele blaue Flecken durchs Anknuffen meines Arms zu verschaffen, sah ich etwas \u00e4ngstlich zu einem Typen vor mir an der Stra\u00dfe, der im Gegenzug zu Paul zwar nicht den Bart, daf\u00fcr aber den Habitus des deutschen Reiches verspr\u00fchte. Seine Brille nur durchs zweite Glas von einem Monokel zu unterscheiden, steifer Gang, altmodische Weste \u2026 ein bisschen psychopathisch wirkte er schon. Aber er war ein potenzieller Kunde. Paul knuffte noch um sich und bedankte sich \u00fcberschw\u00e4nglich, als der feine Herr Kurs auf mein Taxi nahm. Naja, immerhin ein Fahrgast!<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nee Paul, kaum jeh ick, kommste jeloofn!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">richtete er das Wort an meinen Fahrgast. Sie kannten sich also. Wahrscheinlich hat das geholfen, den \u00fcbergl\u00fccklichen Paul schneller aus dem Auto zu bekommen. Bismarck der Zweite ist dann \u00fcbrigens trotzdem eingestiegen. War eine sehr nette Fahrt ohne komische Dialoge bis nach Lichtenrade. Nochmal 20 \u20ac, dieses Mal aber mit mehr Trinkgeld \u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/669f8e823ea04d18bedb58de339294cc\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arm an Kuriosit\u00e4ten ist Silvester nat\u00fcrlich nicht. Auch nie gewesen. 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