{"id":11936,"date":"2012-09-23T12:25:49","date_gmt":"2012-09-23T10:25:49","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=11936"},"modified":"2012-09-23T17:04:12","modified_gmt":"2012-09-23T15:04:12","slug":"schichtende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/09\/23\/schichtende\/","title":{"rendered":"Schichtende"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ach, das Ende einer Wochenendschicht ist immer wieder sch\u00f6n. Oftmals lasse ich mich ja einfach von A nach B treiben, meist nehme ich noch ein oder zwei Winker mit. Je n\u00e4her ich dem Abstellplatz komme, desto mehr werden meine Gef\u00fchle ambivalent:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Soll ich die Fackel ausmachen? Und wenn einer winkt? Ja, was aber, wenn der dann nach Spandau will?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es zerrt und rei\u00dft an einem, Jagdinstinkt und M\u00fcdigkeit zerren an einem wie Engelchen und Teufelchen und nur selten l\u00e4uft es genau so, wie man es sich erhofft hat. Manchmal schlechter, manchmal passieren allerdings auch au\u00dfergew\u00f6hnliche Dinge. Am fr\u00fchen Samstagmorgen &#8211; also zum Ende der Freitagsschicht hin &#8211; war ich nicht so recht zufrieden mit meinem Umsatz. Der Schwan war weit entfernt, ich h\u00e4tte dazu noch eine gute 30\u20ac-Tour gebraucht. Von meiner letzten Tour nach Sch\u00f6neberg hab ich mich durch Kreuzberg treiben lassen, den Weg Richtung Heimat fest schon im Sinn. Aber es war gerademal 5:45 Uhr. Als ich in der N\u00e4he des Ostbahnhofs war, beschloss ich, noch eben kurz eine Tour zu machen und dann abzuhauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor mir standen nur 2 freie Taxen und zum Berghain wollte ich nicht, weil dort die Wahrscheinlichkeit ungleich gr\u00f6\u00dfer war, wieder direkt nach Sch\u00f6neberg zu fahren. Stets sch\u00f6ne Touren, leider halt in die komplett falsche Richtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kollegen vor mir kamen recht schnell weg und kurz nach 6 Uhr stand ich erwartungsvoll auf der Pole-Position. Als ich an diesem Morgen Ozie erz\u00e4hlte, was dann passiert ist, hat sie lachen m\u00fcssen. Hart lachen, wie man das heute offenbar nennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst passierte nichts. Die Menschen am Bahnhof wurden weniger, von Fahrg\u00e4sten war schon mal \u00fcberhaupt keine Spur. Hinter mir sammelten sich bereits wieder drei bis vier Kollegen. Dann kam <a title=\"cab-log - Taxiblog von Klaus\" href=\"http:\/\/cab-log.blogspot.com\" target=\"_blank\">Klaus<\/a> vorbeigefahren und stellte sich zu einer kurzen Unterhaltung zu mir. Ich habe ihn gewarnt, sich ja nicht hier anzustellen &#8211; ich selbst h\u00fctete da bereits seit einer halben Stunde die erste Position, insgesamt stand ich schon seit einer Stunde. Beim kurzen Schnack zwischen Klaus und mir kroch die Sonne am Horizont h\u00f6her, die letzten Reisebusse verlie\u00dfen den Bahnhof f\u00fcr ihre Touren und die Uhr zeigte die magische 7 an, die ich im Taxi so gut wie nie zu sehen kriege.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 7.15 Uhr verlie\u00df Klaus meine letzte Leidensstation, ich wartete weiter. Die Minuten zogen nur so ins Land und es regte sich nichts. Selbst der McDonald&#8217;s war inzwischen leer, vom Fritz-Club waren erst recht keine Fahrg\u00e4ste mehr zu erwarten.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Naja, als erster haut man nicht ab!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">hatte Klaus mir verbunden mit ein wenig Hoffnung mit auf den Weg gegeben. Klar, ziemlich eiserne Regel. Und anderthalb Stunden bl\u00f6d f\u00fcr nichts in der Gegend herumzustehen um dann heimzufahren? Da str\u00e4ubt sich das Gehirn einfach mit einem ganzen Bataillon an Rechtfertigungen dagegen. Um 7.30 Uhr wurde ich dann immer m\u00fcder und m\u00fcder und in halb ausgeschaltetem Zustand l\u00e4sst sich die eigene Psyche schon viel besser \u00fcberwinden. Ein bisschen sch\u00e4mte ich mich vor meinem Kollegen hinter mir, denn es ist nunmal wirklich bl\u00f6d, nach so langer Zeit abzuhauen. Noch dazu hatte er den selben Funk. Der war bei mir zwar aus, aber er w\u00fcrde wissen, dass ich keinen Auftrag habe. *grummel*<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um kurz nach halb acht war mir das dann auch endlich schei\u00dfegal. Ich wollte heim. Jetzt! Sofort!<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Vergiss die Kohle, vergiss die letzten anderthalb Stunden, fahr heim, schlaf und rock am Abend wieder rein!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einer Mischung aus Scham, \u00c4rger und Wut beschloss ich, die Schicht nun wirklich hinter mir zu lassen. Was dann geschah, h\u00e4tte ich mir in meinen k\u00fchnsten Tr\u00e4umen nicht vorstellen k\u00f6nnen: Ich legte den ersten Gang ein, trat die Kupplung durch, drehte den Z\u00fcndschl\u00fcssel und stellte fest, dass die Batterie leer war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e2b22e9137ce41399f756215eb48f659\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ach, das Ende einer Wochenendschicht ist immer wieder sch\u00f6n. Oftmals lasse ich mich ja einfach von A nach B treiben, meist nehme ich noch ein oder zwei Winker mit. Je n\u00e4her ich dem Abstellplatz komme, desto mehr werden meine Gef\u00fchle ambivalent: &#8222;Soll ich die Fackel ausmachen? Und wenn einer winkt? 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