{"id":11714,"date":"2012-08-27T07:41:47","date_gmt":"2012-08-27T05:41:47","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=11714"},"modified":"2012-08-26T06:14:45","modified_gmt":"2012-08-26T04:14:45","slug":"viel-reden-fur-nichts","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/08\/27\/viel-reden-fur-nichts\/","title":{"rendered":"Viel Reden f\u00fcr nichts"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Frau, die f\u00fcr alle Kollegen au\u00dfer mir am Stand noch als junge Frau gegolten haben d\u00fcrfte, hangelte sich bereits vom f\u00fcnften zum sechsten Taxifahrer. Ich war der siebte in der Schlange. Dass mit ihrer Anfrage irgendwas nicht so recht koscher sein konnte, war unschwer abzusehen. Allerdings behalte ich meine Freundlichkeit und mein Pokerface gerne bei, denn manchmal sind es ja nur die kleinen Dinge. Selbst wenn Kartenzahlung gew\u00fcnscht ist, ist unter Umst\u00e4nden ein Halt an einer Bank etwas, an das alle Kollegen noch nicht gedacht haben.\u00a0 Oder man kann mit drei S\u00e4tzen vern\u00fcnftig erl\u00e4utern, warum Kurzstrecke vom Stand aus nicht machbar ist und am Ende steigen die Leute dann doch zum Normaltarif ein. Ganz zu schweigen von den Kollegen, die Leute mit Hund \/ Rollstuhl \/ Dachschaden oder kurzen Touren aus Prinzip nicht mitnehmen wollen. Also hab ich abgewartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch beim Kollegen vor mir ist sie abgeblitzt, so dass sie mir endlich ihr Leid schildern konnte. Es ging um eine Tour nach au\u00dferhalb. Na gut, warum nicht. Dank S-Bahn-Ausfall war am vergangenen Samstag um den Ostbahnhof die H\u00f6lle los und mit dieser Fahrt h\u00e4tte ich Feierabend machen k\u00f6nnen. Um halb zwei &#8211; mit einem Umsatz, den ich vielleicht f\u00fcr halb sieben erhofft hatte.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wir suchen nach einer Schwarzfahrt, muss also nicht auf der Uhr \u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wegtreten, Flitzpiepe!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hab ich so nicht gesagt, aber gedacht. Diplomatisch hab ich eingeworfen, dass wir nach au\u00dferhalb ja ohnehin verhandeln m\u00fcssten.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Naja, das sind 37 Kilometer und wir haben noch 40 Euro \u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist immerhin mal nicht oberdreist und bei meinem Kilometerschnitt an dem Abend w\u00e4re das eigentlich vielleicht ganz ausnahmsweise und \u00fcberhaupt \u2026 aber: nein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, irgendwie dringewesen w\u00e4re das. Sicher. Ich hab ihr auch angeboten, dass wir es umgehend machen k\u00f6nnten, wenn sie noch einen Zehner drauflegen w\u00fcrde. Nicht aus purer Geldsucht, damit l\u00e4ge ich immer noch unter dem, was mein Chef eigentlich von mir erwarten w\u00fcrde. Aber man muss die Kundenanfragen nat\u00fcrlich auch erstmal so lesen, wie sie dann in Realit\u00e4t aussehen. Die 37 Kilometer hab ich zwar nicht gleich \u00fcberpr\u00fcft, aber schon w\u00e4hrend unseres Gespr\u00e4chs wurden sie zu 35. W\u00e4re also nicht verwunderlich, wenn es eigentlich 50 sind. Vielleicht sogar 37 auf dem k\u00fcrzesten Weg, aber \u00fcber die Autobahn ist es ohnehin schneller, bla laber keks \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und &#8222;wir haben nur 40 Euro&#8220; kann ich auch lesen als &#8222;und Trinkgeld gibt es dann nat\u00fcrlich keines&#8220;. Muss nicht stimmen, man sollte aber vorsichtshalber damit rechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und au\u00dferdem war ihr (nur mal so: es waren insgesamt vier Leute!) einziges Problem, dass sie anderthalb Stunden auf den Zug warten mussten. An einem Bahnhof mit McDonalds, vielen Leuten und und und \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn meine Artikel es manchmal vielleicht vermuten lassen. Ich geh nicht morgens ins Bett, hol mir einen runter und denk dabei daran, wie ich heute wieder den Taxitarif hochgehalten habe. Ich h\u00e4tte den Leuten gerne einen Gefallen getan, aber es h\u00e4tte sich &#8211; insbesondere in dieser Nacht! &#8211; nicht gelohnt f\u00fcr mich. Ich hab in der grob f\u00fcr die Tour veranschlagten Zeit \u00e4hnlich viel Geld &#8211; mit stattlichem Tip &#8211; eingefahren. Au\u00dferdem glaube ich auch, dass wenn 10 \u20ac f\u00fcr eine Fahrt von 40 Kilometern pro Person ok sind, 12,50 \u20ac kein allzu abbgehobenes Angebot sind. Daf\u00fcr h\u00e4tte es die Fahrt vor die T\u00fcre gegeben statt zum Bahnhof und es will mir doch keiner erz\u00e4hlen, dass von 4 erwachsenen Leuten, die in Berlin feiern gehen, nicht wenigstens einer noch einen Zehner bei der Bank abheben kann \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende haben sie wohl gewartet, die Taxi-Schlange endete kurz hinter mir. Ich hab es \u00fcberlebt, sie haben es \u00fcberlebt. So kann es eben gehen. Trotzdem schade.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/ef647ff9b4f343a58cb9d167ccbe5abc\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frau, die f\u00fcr alle Kollegen au\u00dfer mir am Stand noch als junge Frau gegolten haben d\u00fcrfte, hangelte sich bereits vom f\u00fcnften zum sechsten Taxifahrer. Ich war der siebte in der Schlange. Dass mit ihrer Anfrage irgendwas nicht so recht koscher sein konnte, war unschwer abzusehen. 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