{"id":11299,"date":"2012-06-30T10:31:52","date_gmt":"2012-06-30T08:31:52","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=11299"},"modified":"2012-06-30T08:14:08","modified_gmt":"2012-06-30T06:14:08","slug":"offener-brief-an-die-wurfelfunk-verantwortlichen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/06\/30\/offener-brief-an-die-wurfelfunk-verantwortlichen\/","title":{"rendered":"Offener Brief an die W\u00fcrfelfunk-Verantwortlichen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Folgenden offenen Brief hat ein Berliner Kollege verfasst (<a title=\"Pocketpunk.so36.net - Taxigeschichte des Monats\" href=\"http:\/\/pocketpunk.so36.net\/taxigeschichte.php\" target=\"_blank\">hier das Original auf seiner Seite<\/a>) und mich gebeten, ihn zu ver\u00f6ffentlichen. Ein paar Worte von mir dazu gibt es am Ende noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Berlin 22.6.2012<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Die Nacht vom 21.6. auf den 22.6.2012.<br \/>\nDie Zentrale meldet, da\u00df ein Fahrer mit Notruf auf der Alexanderstra\u00dfe unterwegs ist und fragt, ob ein Kollege mal schauen k\u00f6nne, was da los sei. Keinerlei Reaktion. Erst nach dem vierten Ausruf erkl\u00e4rt sich jemand bereit, mal zu schauen. Der Notrufkollege ist offenbar unterwegs in Richtung Norden. Immer wieder wird der neue Standort durchgegeben, doch erstaunlicherweise schafft es niemand, den Kollegen zu sehen, zu kontaktieren. Erst etwa 10 Minuten sp\u00e4ter scheint sich die Situation zu kl\u00e4ren, wie sie sich meist kl\u00e4rt, n\u00e4mlich Kollege ist versehentlich an den Notrufschalter gekommen und hat es nicht gemerkt. Ich vermute das \u00fcbrigens nur, da\u00df es so war, denn die Zentrale hat lediglich gesagt, da\u00df das jetzt \u201eerledigt\u201c sei und sich dar\u00fcberhinaus auch nicht bei den beteiligten Kollegen bedankt oder \u00e4hnliches. Es ist nur eine von vielen Situationen, die ich so oder so \u00e4hnlich schon beobachten konnte. Als Fahrer in (vermeintlicher) Gefahr bist du alleine.<br \/>\nWarum erz\u00e4hle ich das hier?! Ganz einfach, weil die vermeintliche Not des Kollegen fast niemanden interessiert hat und weil es auch klar ist, da\u00df es so ablaufen mu\u00df, weil der W\u00fcrfelfunk alles daran gesetzt hat, den Sprachfunk abzuschaffen. So ist es nicht verwunderlich, da\u00df da eigentlich niemand mehr wirklich hinh\u00f6rt, wenn dort normalerweise eh nur noch die Vermittlung von Randbezirksauftr\u00e4gen, Gro\u00dfraumwagen und Spezialjobs vermittelt wird. In unserem Betrieb f\u00fchrt das so nach und nach sogar dazu, da\u00df gar keine Funkger\u00e4te mehr eingebaut werden, sich also nur noch auf den PDA beschr\u00e4nkt wird. Entsprechend h\u00f6ren die Fahrer dieser Fahrzeuge auch gar nichts m\u00fcndliches mehr von der Zentrale. Die Entwicklung wird sich so fortsetzen. Damit ist das eingetreten, wovor ich den W\u00fcrfelfunk vor etwa 2 Jahren gewarnt habe. Die faktische Abschaffung m\u00fcndlicher und direkter Kommunikation. Das f\u00fchrt zur Entsolidarisierung und forciert eine zutiefst antisoziale Struktur. Und in Situationen, wie der gerade beschriebenen, bekommt der Kollege in Not eben einfach mal nicht die Hilfe, die eigentlich m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Wir befanden uns schlie\u00dflich in Mitte und es waren mit Sicherheit viele Kollegen in unmittelbarer N\u00e4he. Es wird zwangsl\u00e4ufig dazu f\u00fchren, da\u00df bald F\u00e4lle auftauchen (oder schon aufgetaucht sind), die schlimm f\u00fcr z.B. angegriffene Fahrer enden, weil es keine Struktur mehr gibt, in der die vielen Taxen m\u00fcndlich per Funk vernetzt sind. Das ist n\u00e4mlich dem Scheuklappenblick nach Effizienz zum Opfer gefallen, der branchen\u00fcbergreifend so modern geworden ist. Bei genauerer Betrachtung \u00fcbrigens absolut l\u00e4cherlich, da\u00df f\u00fcr jede Auftragsnachfrage, bei jeder kleinen Servicenachfrage oder auch f\u00fcr Hinweise an Kollegen der \u201eSprachwunsch\u201c gedr\u00fcckt werden soll. Heute ist der Kollege in Not nicht an sein Telefon gegangen, als die Zentrale wissen wollte, was los ist. Sowas aber auch.<br \/>\nIch fahre mittlerweile viel lieber WBT-Funk aus 2 Gr\u00fcnden. Ich kann einerseits jederzeit m\u00fcndlich die Fragen stellen, bei denen oft auch Kollegen helfen k\u00f6nnen und wir alle lernen dazu, ich kann Hinweise geben, von denen alle profitieren. Es ist eine Struktur der gegenseitigen Hilfe, die transparent und sozial ist. Zweitens ist es deshalb auch die bessere Variante, wenn es um meine\/unsere Sicherheit geht. Es gab Notruffahrten, bei denen 10 \u2013 15 Kollegen an dem bedrohten Fahrer dran waren, weil alle eine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr solche Vorf\u00e4lle (gelernt) haben und vor allem, weil sie es \u00fcberhaupt mitbekommen konnten und entsprechend aufmerksam verfolgten. Der W\u00fcrfelfunk bastelt offenbar weiter an einem System, bei dem wir als kleine Punkte auf dem Bildschirm erscheinen und auch genauso behandelt werden. Wie oft habe ich mir den gereizten und hin und wieder aggressiven Spruch \u201eKollege, bitte dr\u00fccken sie den Sprachwunsch, sie st\u00f6ren hier die Vermittlung!\u201c anh\u00f6ren m\u00fcssen, obwohl ich kein Mobiltelefon besa\u00df. Ich war (und bin) von dieser Kommunikation des Nachfragens ausgeschlossen. Eine Vorsprache beim W\u00fcrfelfunk war ergebnislos. Man bot mir eine Einzelfalll\u00f6sung an, das wollte ich nicht. Mittlerweile verweigere ich mich diesem Schwachsinn trotz Handy.<br \/>\nIch fordere ein Konzept, in dem alle Kollegen, die Hilfe brauchen und sie signalisieren, diese auch bekommen k\u00f6nnen und zwar grunds\u00e4tzlich mindestens von allen dem W\u00fcrfelfunk angeschlossenen Fahrzeugen. Wir sollten unsere M\u00f6glichkeiten der m\u00fcndlichen Vernetzung aussch\u00f6pfen und nicht permanent beschneiden und einschr\u00e4nken. Das bedeutet die Zur\u00fccknahme des \u201eSprachwunsch-Unsinns\u201c und geregelte Funkkommuninaltion in beiden Richtungen.<br \/>\nMit der Bitte um eine Stellungnahme. Ich bin sauer!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie die meisten Leser wissen, bin ich selbst quasi Nicht-Funker. Man k\u00f6nnte sogar sagen, dass ich leider die von Yok angesprochene Vernetzung via Funk unter den Kollegen so nie kennengelernt, bzw. immer nur als Nebenaspekt eines Nebenaspektes kennengelernt habe. Der Grund, weswegen ich diesen Aufruf dennoch unterst\u00fctze, ist folgender:<br \/>\nEine Kommunikation und damit einhergehend vielleicht\/hoffentlich auch wieder eine engere Solidarisierung unter den Berliner Taxifahrern w\u00fcrde tats\u00e4chlich Not tun. Dass ich pers\u00f6nlich das Dauergequatsche nervig finde und mich nicht gro\u00df f\u00fcr die Auftragsvermittlung via Funk interessiere, spielt dabei erstmal keine Rolle. Mir pers\u00f6nlich w\u00e4re ein paralleles System zum Funk (eine Notfunktion in einer App z.B. oder zumindest ein eigener Kanal im Funk) lieber als das Wiederaufleben des Sprachfunkes an sich, aber das sind im Endeffekt Kleinigkeiten. Dass ich Notrufe von Kollegen nicht mitbekomme, ist der vielleicht einzige Grund f\u00fcr mich, gelegentlich \u00fcbers Einschalten der Quatschkiste nachzudenken. Was das Thema auf jeden Fall verdient, ist \u00d6ffentlichkeit, ist Diskussion. Deswegen habe ich den Brief hier eingestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folgenden offenen Brief hat ein Berliner Kollege verfasst (hier das Original auf seiner Seite) und mich gebeten, ihn zu ver\u00f6ffentlichen. Ein paar Worte von mir dazu gibt es am Ende noch. Berlin 22.6.2012 Die Nacht vom 21.6. auf den 22.6.2012. 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