{"id":11001,"date":"2012-05-13T06:26:08","date_gmt":"2012-05-13T04:26:08","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=11001"},"modified":"2012-05-13T06:31:43","modified_gmt":"2012-05-13T04:31:43","slug":"was-ist-eigentlich-fusball","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/05\/13\/was-ist-eigentlich-fusball\/","title":{"rendered":"Was ist eigentlich Fu\u00dfball?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Also gleich vorweg: Was ich hier schreibe, bezieht sich keineswegs nur auf Fu\u00dfball, sondern eher auf Sport im Allgemeinen. Und ich will auch niemandem sein Hobby madig machen, es hinterl\u00e4sst mich jenseits aller bissigen Ironie tats\u00e4chlich ratlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war das Wochenende des Pokalfinales und ich verrate jetzt am Morgen sicher niemandem zu fr\u00fch, dass Bayern verloren hat. Im Taxi ergab sich dieses Wochenende schnell die Frage:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Und, f\u00fcr wen sind sie?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Eigentlich interessiert mich Fu\u00dfball gar nicht so sonderlich \u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;WAAAS? Ja also nee, ohne Fu\u00dfball k\u00f6nnt&#8216; ick nich leben!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und hey, ich hatte es mit BVB- und Bayern-Fans zu tun und entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung von Fu\u00dfball-Fans auch gar keine bl\u00f6den, aggressiven oder sonstwie schlimmen Zeitgenossen. Antipathie kann ich mir nur sehr begrenzt unterstellen lassen, dennoch frage ich mich, ob die Welt eigentlich noch alle Latten am Zaun hat, wenn ich mich hier rechtfertigen muss, weil ich keinen Lieblingsverein habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fu\u00dfball ist zweifelsohne ein geiler Mannschaftssport, aber ebenso wie bei vielen anderen Sportarten komme ich nicht umhin, mich zu langweilen, wenn ich anderen Menschen dabei zusehen muss. Ich stelle es mir zwar toll vor, als St\u00fcrmer der Nationalelf ein Tor zu schie\u00dfen oder als Rennfahrer ein Rennen zu gewinnen &#8211; aber was bitte hab ich davon, dass andere das tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich meine, ich kann mich gut in andere Leute reinversetzen. Das k\u00f6nnen sogar virtuelle Personen aus Romanen oder Filmen &#8211; ja sogar Computerspielen &#8211; sein. Aber Profisport mit st\u00e4ndig wechselnden Leuten? Wie kann man es fertig bringen, Menschen zu hassen, weil sie f\u00fcr eine gegnerische Mannschaft spielen, um sie anschlie\u00dfend zu bejubeln, wenn sie in &#8222;den eigenen&#8220; Verein wechseln?<br \/>\nWas sollte mich dazu bringen, &#8222;f\u00fcr meine Heimat&#8220; zu jubeln, wo doch alle Protagonisten heute hier und morgen dort spielen, und die meisten mit der Stadt, deren Trikot sie tragen, gerade mal eine Summe auf dem Gehaltsscheck und vielleicht drei einstudierte Antworten f\u00fcr die Pressekonferenz verbindet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab noch nicht einmal was dagegen, all diese l\u00e4stigen Fragen zu umgehen und zu sagen, dass Fu\u00dfball ja letzten Endes auch eine Art Kunst ist, ein virtuoser Umgang trainierter Menschen mit einem Sportger\u00e4t. Aber mich ereilt da immer das Problem, dass ich im Grunde dann doch den Besseren den Sieg g\u00f6nne &#8211; und das vermiest einem den Spa\u00df am Spiel auch gewaltig, weil echte Euphorie nunmal nur aufkommt, wenn man einer bestimmten Truppe den Sieg von ganzem Herzen g\u00f6nnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich versuche das manchmal bei Weltmeisterschaften, aber selbst wenn die recht zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Mannschaft (bei der letzten WM hab ich Uruguay genommen, unter anderem, weil ich es eindrucksvoll fand, dass das Land durchschnittlich mehr Internetbandbreite hat als wir hier in Berlin) am Ende gewinnt, ist das irgendwie nur d\u00fcnn. Da kribbelt es mehr bei mir, wenn ich erfahre, dass dank Bildblog mal eben 8.000 Menschen einen Text von mir gelesen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gesagt: Ich g\u00f6nne ja allen ihre Freizeitgestaltung und meine Interessen decken sich nat\u00fcrlich (und ganz offensichtlich) auch nicht mit einer Mehrheit. Aber wieso bewegt so ein Sportereignis so ungemein? Wenn ich beispielsweise sage, dass dieses oder jenes Kunstwerk mich irgendwie zutiefst ber\u00fchrt, dann wei\u00df ich, dass damit irgendetwas aus meinem Leben angesprochen wird: Da hat jemand Worte, Bilder oder sonstwas gefunden, um einem Gef\u00fchl, das mir schon innewohnte, besser Ausdruck zu verleihen, als ich es k\u00f6nnte. Das kann es beim Sport aber doch kaum sein, oder? Geil &#8211; der hat den Ball genau so getreten, wie ich es mir vorgestellt hab!? Oder ist das so?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich meine: Feiern, saufen und mit guten Freunden ein paar Lieder gr\u00f6hlen kann ich bei jeder WG-Party oder einem Konzert! Das macht zweifelsohne als wenig geistreiche Unterhaltung einen enormen Spa\u00df, aber dazu braucht es keine \u00fcberbezahlten Typen, die im Fernsehen auf und ab wuseln. Und im Gegensatz zu Lieblingsclubs kann ich einen Haufen Lieblingsbands haben. Im selben Genre, in derselben &#8222;Liga&#8220;, ja ich freue mich sogar, wenn sie was zusammen machen! Was bringt einen zu diesem Konkurrenz-Denken?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir ist klar, dass nicht immer &#8222;Hochkultur&#8220; (was immer dieses bl\u00f6de Wort aussagen will) sein muss. Mal feiern ohne nebenbei \u00fcber wichtige Fragen aus Politik und Philosophie zu diskutieren, ist zweifellos n\u00f6tig. Man muss auch mal den Kopf frei kriegen! Aber kann es sein, dass Sportler, Trainer, Vereine und all die anderen angeblich wichtigen Beteiligten dabei eigentlich nur ziemlich sinnloses Schmuckwerk sind, die im Grunde keine Sau interessieren m\u00fcssten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder mal noch tiefer gehend:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Muss man sich nicht eigentlich um Leute Sorgen machen, die behaupten, sie w\u00fcrden ihr Leben f\u00fcr einen Verein leben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hat jeder Interessen und Vorlieben, Idole und Vorbilder. Und alle haben eine Meinung zu diesem und eine Eistellung zu jenem. Aber was bewirkt, dass man sich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig &#8222;fanatisch&#8220; mit Dingen besch\u00e4ftigt, die sowohl f\u00fcr einen selbst, als auch kulturell keine wichtige Wirkung haben, die \u00fcber die Angeber-Vitrine im Vereinshaus hinausgeht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gesagt: Da muss ich ernstlich passen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re sch\u00f6n, wenn die Antworten \u00fcber &#8222;xy ist goilste, weil isso!&#8220; rausgehen w\u00fcrden \u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/3ca618e2d7ca4ada96f9c858ba1f8411\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also gleich vorweg: Was ich hier schreibe, bezieht sich keineswegs nur auf Fu\u00dfball, sondern eher auf Sport im Allgemeinen. Und ich will auch niemandem sein Hobby madig machen, es hinterl\u00e4sst mich jenseits aller bissigen Ironie tats\u00e4chlich ratlos. 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