{"id":10855,"date":"2012-04-24T07:46:19","date_gmt":"2012-04-24T05:46:19","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=10855"},"modified":"2012-04-24T21:41:17","modified_gmt":"2012-04-24T19:41:17","slug":"nachts-in-stralau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/04\/24\/nachts-in-stralau\/","title":{"rendered":"Nachts in Stralau"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Stralau ist jetzt nicht gerade eine Ecke, die meines Wissens nach f\u00fcr wilde Party steht. Die Halbinsel im \u00e4u\u00dfersten Osten des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg ist eher ein Ort, wo die Leute hinziehen, die gem\u00fctlich in Wassern\u00e4he wohnen wollen. F\u00fcr die Parties gibt es den Rest des Bezirks, und der ist gl\u00fccklicherweise deutlich abgetrennt von der kleinen Landzunge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Kunde, der dorthin musste, war mir ziemlich schnell sympathisch. Er d\u00fcrfte ungef\u00e4hr dasselbe Baujahr wie ich gehabt haben, trug dazu ebenso wie ich einen Bart, der &#8222;Schneid mich!&#8220; ruft, und war alles in allem gelassen und locker. Er wollte mir sogar vor der Losfahrt noch meine Zigarette g\u00f6nnen, was ich aber wie immer wenn mein Fahrgast nicht raucht, abgelehnt habe. Wir unterhielten uns \u00fcber seine Suche nach einer Wohnung, f\u00fcr diese Nacht w\u00fcrde er aber in einem Hostel n\u00e4chtigen. Hostel? Auf Stralau? Sagte mir nichts, aber die Adresse hatte er selbstredend dabei. Irgendwann meinte er dann, dass er jetzt nur hoffe, \u00fcberhaupt noch einchecken zu k\u00f6nnen. Aha?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, im Internet h\u00e4be gestanden (H\u00e4be = schw\u00e4bischer Konjunktiv! Ich darf das und gr\u00fc\u00dfe an dieser Stelle <a title=\"sonntag.tv - Seite des schw\u00e4bischen Kabarettisten Christoph Sonntag\" href=\"http:\/\/sonntag.tv\/\" target=\"_blank\">Christoph Sonntag<\/a>.), die Rezeption sei bis 23 Uhr ge\u00f6ffnet. Ich schielte auf meine Uhr und stellte fest, dass es bis dahin noch rund 6 Minuten w\u00e4ren. Aber, so lie\u00df mich mein Fahrgast wissen, auf anderen Unterlagen st\u00fcnde nun pl\u00f6tzlich etwas von 17 Uhr und er hatte telefonisch vor seiner Abfahrt niemanden mehr erreicht. Aha.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Auffinden des Hostels war nicht ganz problemfrei, insbesondere weil keine beleuchtete Hausnummer zu finden war. Mein Navi berechnet die Hausnummern mit einer Formel, die ganz offensichtlich nicht f\u00fcr solche F\u00e4lle entwickelt wurde und so schossen wir einmal \u00fcbers Ziel hinaus. Die kleine Schleife, die ich drehte, wollte ich dem Kunden nicht anlasten, schaltete das Taxameter also schon kurz vor der Ankunft aus. \u00dcber 11,40 \u20ac nach Stralau kann man ohnehin schon froh sein, die gibt es ohnehin nur dank der Baustelle, die einen zu Umwegen zwingt. (Siehe hierzu: <a title=\"GNIT - Der lange Arm der Taxiinnung\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/09\/08\/der-lange-arm-der-taxi-innung\/\" target=\"_blank\">Verschw\u00f6rung der Taxiinnung?<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als wir letztlich an der richtigen Adresse auf den Hof fuhren, waren noch ein paar Minuten eventuell theoretische Zeit. Wir hatten aber l\u00e4ngst gekl\u00e4rt, dass ich besser noch auf eine Zigarette warten sollte &#8211; denn wenn die Rezeption geschlossen h\u00e4tte, w\u00e4re es zweifelsohne sowohl f\u00fcr ihn, als auch selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr mich, eine enorme Erleichterung, gleich weiterfahren zu k\u00f6nnen. Er packte seinen Koffer, bedachte mich mit 14 \u20ac und schritt frohen Mutes zum Eingang. Ich z\u00fcndete besagte Zigarette an und wartete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Eingang war hell erleuchtet, ich hoffte ernsthaft f\u00fcr ihn, dass ich ihn nicht zu einem Hotel bringen m\u00fcsste. Mir w\u00e4re das zwar finanziell entgegengekommen, aber ganz so ein egoistisches Arschloch bin ich auch nach 3 Jahren im Taxi noch nicht geworden. Ich schlenderte auf dem Hof umher und warf weitere Blicke in den Eingangsbereich. Au Backe: vor dem Empfangstresen war bereits das Rollo geschlossen. Mein Fahrgast studierte irgendein Schriftst\u00fcck und ich bereitete mich darauf vor, mir irgendwelche Hotels in der Umgebung einfallen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kam er pl\u00f6tzlich wieder rausgest\u00fcrmt, wider meines Erwartens mit freudestrahlendem Blick:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Cool, ich hab meinen Schl\u00fcssel in &#8217;nem Brief gekriegt!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na denn!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab meine Kippe vorzeitig entsorgt und bin durch die ruhige Stralauer Nacht entschwunden. Alleine. Kundschaft hatte ich dennoch recht bald wieder im Auto. Allerdings nicht schon in Stralau &#8211; aber das w\u00e4re auch ein bisschen zu unglaubw\u00fcrdig gewesen&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/9dad6b34c9ef4f6e93f1a6a87de12a08\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stralau ist jetzt nicht gerade eine Ecke, die meines Wissens nach f\u00fcr wilde Party steht. Die Halbinsel im \u00e4u\u00dfersten Osten des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg ist eher ein Ort, wo die Leute hinziehen, die gem\u00fctlich in Wassern\u00e4he wohnen wollen. 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