Towel Day ’12

Da ich dieses Wochenende so gut wie nicht ins Netz gekommen bin, bin ich noch das diesjährige Foto schuldig:

Meine Uhr, mein Auto, mein Handtuch! Quelle: Sash

Wie immer natürlich habe ich ausgerechnet am Handtuchtag nicht wirklich viel mit meinem Handtuch anfangen können. Aber ich hatte es dabei. Man weiß ja nie … 😉

Was im Weg …

Es war ein eher pflichtbewusster Anruf meines Tagfahrers. Er wolle mir mitteilen, dass er wegen der Delle diese Woche mal zu unserem Schrauber fährt. Delle? Welche Delle?

Es ist mir schon öfter so gegangen, dass ich Kratzer am Auto nicht gleich wahrgenommen hab. Bei allen guten Vorsätzen läuft man dann vor Schichtbeginn eben doch nicht einmal komplett ums Taxi und begutachtet allerlei kleine Kratzerchen. Aber unsere 1925 hatte in den dreieinhalb Jahren jetzt ja durchaus auch immer mal wieder größeres zu bieten.

Nun jedenfalls entschuldigte sich mein Kollege, dass er mir nicht gestern schon Bescheid gesagt hätte …

OK, das heißt also, ich habe eine komplette Schicht lang eine Delle übersehen. Wo denn? Kofferraum! Aha. Ein wenig später hab ich diese Delle dann auch gefunden und extra für GNIT fotografisch festgehalten:

Boing. Quelle: Sash

Aha. Ich will ehrlich sein: Es hat mich mehrere Aufnahmen gekostet, bis man dank der Verzerrungen der Umgebungsspiegelung überhaupt auf einem der Fotos wahrnimmt, dass da eine Schramme ist. Schön ist sowas zweifelsohne nie, aber wenn man mich fragt, darf ein Auto mit einer drittel Million Kilometer auch mal das ein oder andere Andenken behalten, so lange es nicht allzu negativ auffällt oder sonstwie stört oder gefährlich ist. Ach so, was ist jetzt eigentlich passiert?

Mein Tagfahrer versuchte es mit Pragmatik:

„Naja, war mal wieder wat im Weg …“

Womit das auch geklärt wäre 😉

 

Arm. Doof. Wayne?

Ach, was bin ich doch froh, dass ich einen guten Job hab. Alles soweit geregelt, ich krieg Geld und …

Moooment!

Ich muss gelegentlich von den rosa Wölkchen runtersteigen und die Regenbogen pupsenden Einhörner alleine lassen, um mal hier unten auf der Erde ein paar drastische Worte zu verlieren. Es geht ums Taxigewerbe und damit zu nicht unerheblichen Teilen um mein Leben. Wichtiger noch: Es geht um das Leben von mindestens 10.000 Menschen (eher: 10.000 Familien) alleine hier in Berlin.

Wir machen überwiegend einen guten Job und das könnt ihr mir glauben, auch wenn ich hier und da mal ein Negativbeispiel nenne oder irgendwelche Vereine mal wieder ihre schlimmsten Taxi-Erlebnisse als wissenschaftliche Tests verkaufen. Allein mein einzelner Opel hat in absehbarer Zukunft die Distanz von der Erde zum Mond zurückgelegt (ich denke, ich werde berichten, wenn wir landen) und das schreibe ich nur, um klarzumachen, dass wir auch nicht nur ein paar eigenbrödtlerische Hansel mit Lust auf nette Stories sind, sondern eine Menge arbeiten und dass da eine Menge Leben dranhängen.

Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass das Taxigewerbe irgendwie kein Schwein interessiert. Sicher, wenn es mal Zoff gibt, wie jetzt um die Tarife am irgendwann in diesem Jahrtausend vermutlich mal fertiggestellten Flughafen BER, dann dürfen wir auch mal in der Zeitung meckern. Ansonsten müssen wir uns damit begnügen, dass wir den Job einfach zu gerne machen, um ihn zu schmeißen.

Dass unser Senat in Sachen Verkehr mit dem Flughafen und der S-Bahn beispielsweise ein paar echt dicke Dinger in Punkto Verkehr zu stemmen hat und wir da mal hintenanstehen, will ich nicht mal pauschal verurteilen. Aber man erhält wirklich den Eindruck, seitens der Politik passiert nichts, um die Probleme im Gewerbe zu beseitigen. Dazu kommt, dass wir uns auch noch den Luxus leisten, statt einer Interessenvertretung gleich mehrere miteinander mehr oder minder verfeindete zu unterhalten, von denen im Übrigen keine einzige sich explizit für die Angestellten einsetzt.

Während überall über Mindestlöhne diskutiert wird, liegen wir nicht nur weit unter all diesen Forderungen, sondern wissen nicht einmal, ob unserer derzeitige umsatzabhängige Bezahlung überhaupt legal ist – und wenn, wie man das mit einem Mindestlohn kombinieren könnte. Ich persönlich mag unser Modell und würde es ungerne aufgeben, weil es mir einige Freiheiten sichert, aber ich bin ja nicht der Nabel der Welt. Und glaubt mir: auch wenn ich nervlich nur sehr selten an meine Grenzen komme, finanziell tue ich das ständig, immer wieder. Sollte ich unerwartet Nachwuchs bekommen, wüsste ich nicht, ob ich mir das Schreiben weiterhin leisten könnte, wenn es wie jetzt kaum Geld abwirft – dann müsste ich nämlich mehr als normale Vollzeit arbeiten. Ironischerweise zu schlechteren Bedingungen, da ich derzeit ja zu den lukrativen Zeiten arbeite und sich mit jedem Tag mehr mein Stundenlohn senken würde …

Wir selbst – jetzt als Gewerbe an sich, wenn man das bei dem fragmentierten Haufen so sagen kann – schreiben unsere Probleme vor allem der vielen Schwarzarbeit und auch den zu vielen Taxen an sich zu. Damit schafft man es zwar immerhin manchmal in die Nachrichten und erntet hier und da ein Bedauern, dennoch bin ich als Taxifahrer hier jeden Tag in Versuchung, meine Kunden oder den Staat um ein paar Euro zu bescheissen, weil es eh keiner merken würde. An Polizeikontrollen werden wir durchgewunken, der P-Schein wird nicht kontrolliert und Fahrten ohne Uhr zu machen ist scheinbar kein Betrug, sondern ein lustiger Zeitvertreib, den sich ja jeder irgendwann mal gönnt.

Allein: Irgendwelche Konsequenzen? Fehlanzeige! Kontrolleure fürs Gewerbe sollen angeblich zu teuer sein, obwohl auf der anderen Seite enorme Steuermehreinnahmen und Strafzahlungen zu erwarten wären. Die Konzessionen werden weiterhin nicht nur unbegrenzt vergeben, sondern die Regelungen werden wie jetzt beim Flughafen sogar noch weiter aufgeweicht. Unser für Kunden einfach zu durchschauender Tarif wird wohl ebenso wegen BER einem Modell geopfert, dass weiterem Betrug Tür und Tor öffnet. Und die einzige regelmäßig bediente Stellschraube Taxitarif wird nicht nur einfach immer weiter erhöht, sondern inzwischen auch noch völlig an uns Betroffenen vorbei mit irgendwelchen kommerziellen Parkplatzbetreibern ausgehandelt, die für meinen Geschmack eigentlich beim öffentlichen Nahverkehr nicht wirklich ein Mitspracherecht haben sollten.

Ich bin kein Mensch, der überall nur das Schlimme sieht. Wie man hier bei GNIT gut lesen kann, mag ich den Job und ich mag auch gewisse schrullige Eigenheiten. Aber ich merke selbst, dass die Umsätze einen (bislang leichten) Trend nach unten haben und ich weiß von vielen – gerade den ehrlich arbeitenden – Kollegen, dass für sie ganz arg auf der Kippe steht, ob sie von diesem Job (alleine) weiter leben können. Wenn hier nicht in den nächsten Jahren mal irgendwer akzeptiert, dass wir zum einen ein Haufen Leute sind, die von ihrer Arbeit leben müssen und wir andererseits auch ein Aushängeschild der Stadt und des Landes sind und somit alle ein Interesse haben sollten, dass die Qualität der Dienstleistung Taxi nicht weiter sinkt, und daraus Schlüsse zieht, die in Handlungen münden, dann wird das noch ziemlich beschissen enden – das kann ich euch sagen.

Und nein: Das blöde Fiskaltaxameter, dessen Einführung wahrscheinlich zum zehnjährigen Jubiläum vom BER-Flughafen ansteht, löst kein einzelnes Problem umfassend, sondern ist allenfalls der erste Schritt.

Wir sind ja nett.

Zumindest meistens. Aber es soll schon Leute gegeben haben, die Taxifahrern blöd gekommen sind und damit ihren „ganz kurzen“ Halt am Taxistand unnötig in die Länge gezogen haben … 😉

Zeit, das Beamen zu erfinden! Quelle: Sash

Der Kandidat auf dem Foto hat aber wahrscheinlich nicht mal mitbekommen, wie sehr er im Weg steht. Kurz danach war die Schlange auch schon wieder kürzer und sein „Parkplatz“ war wieder frei zugänglich. Aber im Ernst: Muss doch nicht sein!

Einen von IHNEN getroffen …

Zumindest vermute ich, dass der Taxifahrer zur seltenen Form der Flughafenfahrer gehört. Kilometerweit ist er auf der Danziger vor mir hergefahren, mit ausgeschalteter Fackel und dennoch ohne Kundschaft. Ich hätte gerne überholt, aber freie Kollegen überholt man nicht. Punkt! An einer Kreuzung erwischte ich ihn neben mir und fragte:

„Kollege, biste bestellt?“

„Nee …“

„Naja, deine Fackel brennt nicht. Und ich würde sonst überholen, deswegen frag ich …“

„Ja, fahr ruhig vorbei. Ich will erst raus hier aus dem Gewimmel …“

Deswegen vermute ich, dass er einer jener Fahrer ist, der nach einer Flughafentour immer wieder leer zurückfährt. Zugegeben: Ich verstehe es nicht. Ich war zur selben Zeit hoffnungsfroh, irgendwo in dem „Gewimmel“ endlich einen Kunden zu finden. Aber das Taxifahren lässt nunmal viele Arbeitsweisen zu und meine Entscheidung, ohne Funk zu fahren, ist beispielsweise eine, die ebenso machmal auf Kritik stößt.

Taxifahrer ist nicht gleich Taxifahrer – das ist vielleicht eine der wichtigesten Erkenntnisse über den Beruf, die man als Außenstehender wahrnehmen sollte. Als Kollege allerdings ebenso.

Ich jedenfalls hab mich bedankt und bin vorbeigezischt. Allerdings dieses Mal ohne Kunden zu finden …

Nicht durchdacht

oder warum ich nun mein Auto irgendwo anders wasche

Ich verliere gerne ein paar nette Worte über meine Stammtanke am Ostbahnhof. Das tue ich insbesondere des Personals wegen, zumindest in der Nachtschicht hab ich das Gefühl, dort als Taxifahrer ein gern gesehener Gast zu sein. Eine Wahl hatte ich lange Zeit kaum, denn die 24h-Erdgastanken sind in Berlin nicht an jeder Straßenecke zu finden. Im innerstädtischen Bereich gab es lange Zeit gar keine und ich hab immer dort getankt, wenn ich nicht zufällig mal in Schönefeld oder am Blockdammweg vorbeigekommen bin. Zugegeben: Ein paar Cent mehr kostet das Kilo Gas dort, aber da ich nach einer Schicht selten auch nur auf 10 Kilo komme, sind auch recht kurze Umwege schnell unrentabel. Wenn Erdgas dort 5 Cent mehr kostet, gebe ich insgesamt 0,50 € aus – ein Betrag, der etwa deckungsgleich ist mit den Gaskosten für 10 km zum Blockdammweg (hin und zurück). Vom Verschleiß und vom Zeitaufwand mal ganz zu schweigen. Ich kann also auch meinen Chefs gegenüber sehr gut begründen, warum dort recht oft tanke.

Aber ich wollte eigentlich übers Waschen schreiben.

Es ist angenehm, das Tanken und Waschen miteinander zu kombinieren. Kurz vor Feierabend noch kurz einmal 20 Minuten Zeit am Stück investieren, um das Auto in ordentlichem Zustand zurückzubringen, ist wesentlich angenehmer als dafür zwei Adressen anfahren zu müssen. Die Waschanlage an „meiner“ Tanke wurde allerdings vor etlichen Monaten abgerissen um Platz für eine neue zu machen. So weit, so gut. Und seit kurzem: Tada!

Blick von der Zapfsäule zum Reinheitspark, Quelle: Sash

Sieht ja alles recht nett aus. Im Gegensatz zu früher ergibt sich allerdings ein kleines Problem: Die Waschanlage ist (zumindest war sie das kürzlich) nachts geschlossen. Viel nerviger aber ist: Die Kärcher zum selbst reinigen sind nur noch mit Münzen zu bezahlen. Das konnte man früher auch schon, aber alternativ dazu wurden auch an der Kasse erhältliche Jetons angeboten. Diese entfallen jetzt. Das Problem sollte offensichtlich sein: Ohne irgendeine Form von Beleg kann ich die Kosten nicht an  meine Chefs weitergeben.

Die ermahnen uns zwar ständig, kein privates Geld ins Auto zu investieren, da das ihre Aufgabe sei, aber natürlich wollen sie die Ausgaben auch absetzen können und bei aller vertrauensvollen Atmosphäre bei uns im Büro erwarte ich trotzdem, einen Vogel gezeigt zu bekommen, wenn ich einfach reinspaziere und frag, ob sie mir mal eben einen Zehner geben könnten, weil ich öfter mal das Waschen privat gezahlt habe. Im Winter mal kurz für 50 Cent den groben Dreck wegspritzen mache ich natürlich auch mal so, wenn mir das Geld kein Schlangestehen an der Kasse wert ist, aber eine gründlichere Reinigung muss ja nun wirklich nicht zu meinen Lasten gehen.

Aber aus o.g. Gründen werde ich dafür jetzt wohl woanders aufschlagen müssen. Schade eigentlich.

Und sonderlich clever von der Tankstelle vielleicht auch nicht. Schließlich gibt es ein paar Taxifahrer, die prinzipiell die gleichen Probleme haben …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Was ist eigentlich Fußball?

Also gleich vorweg: Was ich hier schreibe, bezieht sich keineswegs nur auf Fußball, sondern eher auf Sport im Allgemeinen. Und ich will auch niemandem sein Hobby madig machen, es hinterlässt mich jenseits aller bissigen Ironie tatsächlich ratlos.

Es war das Wochenende des Pokalfinales und ich verrate jetzt am Morgen sicher niemandem zu früh, dass Bayern verloren hat. Im Taxi ergab sich dieses Wochenende schnell die Frage:

„Und, für wen sind sie?“

„Eigentlich interessiert mich Fußball gar nicht so sonderlich …“

„WAAAS? Ja also nee, ohne Fußball könnt‘ ick nich leben!“

Und hey, ich hatte es mit BVB- und Bayern-Fans zu tun und entgegen der landläufigen Meinung von Fußball-Fans auch gar keine blöden, aggressiven oder sonstwie schlimmen Zeitgenossen. Antipathie kann ich mir nur sehr begrenzt unterstellen lassen, dennoch frage ich mich, ob die Welt eigentlich noch alle Latten am Zaun hat, wenn ich mich hier rechtfertigen muss, weil ich keinen Lieblingsverein habe.

Fußball ist zweifelsohne ein geiler Mannschaftssport, aber ebenso wie bei vielen anderen Sportarten komme ich nicht umhin, mich zu langweilen, wenn ich anderen Menschen dabei zusehen muss. Ich stelle es mir zwar toll vor, als Stürmer der Nationalelf ein Tor zu schießen oder als Rennfahrer ein Rennen zu gewinnen – aber was bitte hab ich davon, dass andere das tun?

Ich meine, ich kann mich gut in andere Leute reinversetzen. Das können sogar virtuelle Personen aus Romanen oder Filmen – ja sogar Computerspielen – sein. Aber Profisport mit ständig wechselnden Leuten? Wie kann man es fertig bringen, Menschen zu hassen, weil sie für eine gegnerische Mannschaft spielen, um sie anschließend zu bejubeln, wenn sie in „den eigenen“ Verein wechseln?
Was sollte mich dazu bringen, „für meine Heimat“ zu jubeln, wo doch alle Protagonisten heute hier und morgen dort spielen, und die meisten mit der Stadt, deren Trikot sie tragen, gerade mal eine Summe auf dem Gehaltsscheck und vielleicht drei einstudierte Antworten für die Pressekonferenz verbindet?

Ich hab noch nicht einmal was dagegen, all diese lästigen Fragen zu umgehen und zu sagen, dass Fußball ja letzten Endes auch eine Art Kunst ist, ein virtuoser Umgang trainierter Menschen mit einem Sportgerät. Aber mich ereilt da immer das Problem, dass ich im Grunde dann doch den Besseren den Sieg gönne – und das vermiest einem den Spaß am Spiel auch gewaltig, weil echte Euphorie nunmal nur aufkommt, wenn man einer bestimmten Truppe den Sieg von ganzem Herzen gönnt.

Ich versuche das manchmal bei Weltmeisterschaften, aber selbst wenn die recht zufällig ausgewählte Mannschaft (bei der letzten WM hab ich Uruguay genommen, unter anderem, weil ich es eindrucksvoll fand, dass das Land durchschnittlich mehr Internetbandbreite hat als wir hier in Berlin) am Ende gewinnt, ist das irgendwie nur dünn. Da kribbelt es mehr bei mir, wenn ich erfahre, dass dank Bildblog mal eben 8.000 Menschen einen Text von mir gelesen haben.

Wie gesagt: Ich gönne ja allen ihre Freizeitgestaltung und meine Interessen decken sich natürlich (und ganz offensichtlich) auch nicht mit einer Mehrheit. Aber wieso bewegt so ein Sportereignis so ungemein? Wenn ich beispielsweise sage, dass dieses oder jenes Kunstwerk mich irgendwie zutiefst berührt, dann weiß ich, dass damit irgendetwas aus meinem Leben angesprochen wird: Da hat jemand Worte, Bilder oder sonstwas gefunden, um einem Gefühl, das mir schon innewohnte, besser Ausdruck zu verleihen, als ich es könnte. Das kann es beim Sport aber doch kaum sein, oder? Geil – der hat den Ball genau so getreten, wie ich es mir vorgestellt hab!? Oder ist das so?

Ich meine: Feiern, saufen und mit guten Freunden ein paar Lieder gröhlen kann ich bei jeder WG-Party oder einem Konzert! Das macht zweifelsohne als wenig geistreiche Unterhaltung einen enormen Spaß, aber dazu braucht es keine überbezahlten Typen, die im Fernsehen auf und ab wuseln. Und im Gegensatz zu Lieblingsclubs kann ich einen Haufen Lieblingsbands haben. Im selben Genre, in derselben „Liga“, ja ich freue mich sogar, wenn sie was zusammen machen! Was bringt einen zu diesem Konkurrenz-Denken?

Mir ist klar, dass nicht immer „Hochkultur“ (was immer dieses blöde Wort aussagen will) sein muss. Mal feiern ohne nebenbei über wichtige Fragen aus Politik und Philosophie zu diskutieren, ist zweifellos nötig. Man muss auch mal den Kopf frei kriegen! Aber kann es sein, dass Sportler, Trainer, Vereine und all die anderen angeblich wichtigen Beteiligten dabei eigentlich nur ziemlich sinnloses Schmuckwerk sind, die im Grunde keine Sau interessieren müssten?

Oder mal noch tiefer gehend:

Muss man sich nicht eigentlich um Leute Sorgen machen, die behaupten, sie würden ihr Leben für einen Verein leben?

Natürlich hat jeder Interessen und Vorlieben, Idole und Vorbilder. Und alle haben eine Meinung zu diesem und eine Eistellung zu jenem. Aber was bewirkt, dass man sich verhältnismäßig „fanatisch“ mit Dingen beschäftigt, die sowohl für einen selbst, als auch kulturell keine wichtige Wirkung haben, die über die Angeber-Vitrine im Vereinshaus hinausgeht?

Wie gesagt: Da muss ich ernstlich passen.

Wäre schön, wenn die Antworten über „xy ist goilste, weil isso!“ rausgehen würden …